Titel: Neue Methode Musik zu drucken.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 159/Miszelle 1 (S. 313–314)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj159/mi159mi04_1

Neue Methode Musik zu drucken.

Der französische Kriegsminister hatte bei der kaiserlichen Druckerei den Druck der militärischen Musik für die Regimenter in einer Auflage von 1500 Exemplaren verlangt. Diesen beträchtlichen Band stechen und in einer so starken Auflage drucken zu lassen, wäre sehr theuer gekommen; man kam daher auf den Gedanken, eine Methode anzuwenden, die von den Kattundruckern beim Schneiden ihrer Holzformen, welche die Zeichnungen darstellen, angewendet wird. Man ließ stählerne Punzen für alle Zeichen und Noten, die in der Musik gebräuchlich sind, schneiden, deren Zahl 40 bis 50 beträgt. Nun wurden Holzblöcke von der Länge des beabsichtigten Formats der Musik (nämlich von der Länge einer Linie der Musik quer über die Seite hin) und von einer beliebigen Breite genommen, etwa 1 Zoll dick, glatt gehobelt, auf einer der flachen Seiten weiß bestrichen, linirt und die Musik mit Bleistift darauf geschrieben. Wenn die Blöcke so bearbeitet sind, so nimmt der Arbeiter die Punze, welche die Anfangsnote darstellt, und schraubt sie in eine auf dem Tisch fest angebrachte Maschine, welche der nicht unähnlich sieht, die man bei Eisenbahnen zum Stempeln von Billetten anwenden sieht, und die eine Art von Schwanenhals bildet, dessen herabgebeugter Schnabel bis auf etwa 1 1/2 Zoll vom Tisch sich herabneigt, und durch einen hinten an der Biegung angebrachten Hebel mit großer Kraft herabgestoßen werden kann. In diesen Schnabel wird die Punze so eingeschraubt, daß sie um so viel aus ihm hervorsteht, als sie in den Block eindringen soll. Nun laufen an der Seite der Maschine hin zwei dünne Röhren, die mit einem Gasbehälter in Verbindung stehen, und die voll beiden Seiten eine kleine und beständige Flamme auf das hervorstehende Ende der Punze richten. Sobald diese vollständig warm ist (nicht bis sie rothglühend ist), schiebt der Arbeiter den Block unter die Punze, und |314| treibt diese durch den Hebel mit einem kurzen Schlag in das Holz, an der Stelle, wo das entsprechende Zeichen mit Bleistift verzeichnet ist. Die Punze dringt ein, bis die breite untere Fläche des Schnabels auf der Fläche des Blocks ankommt und ihn anhält, wodurch es unmöglich wird, daß eine Note tiefer als die andere eingeschlagen werde. Auf diese Art wird dieselbe Note in alle Theile des Blocks, wo sie vorkommt, eingeschlagen und dann eine neue Punze eingeschraubt, bis alle vorkommenden Noten und Zeichen eingeschlagen sind. Der Block ist nun fertig, so weit es die Noten betrifft, und das Holz ist an jedem Platz, wo eine eingeschlagen ist, etwas durch die Hitze der Punzen gebräunt, aber nicht verkohlt. Der Block wird nun in eine andere sehr einfache Maschine gespannt, wo durch eine Art von fünfkantigem Hobel die 5 Querlinien durch die eingeschlagene Musik mit großer Schärfe und genau in derselben Tiefe durchgezogen werden. Hierauf wird er stereotypirt; die zu einer Seite gehörigen Platten werden zusammengefügt und mit der gewöhnlichen typographischen Presse gedruckt. Wenn die Worte des Textes zwischen den Musiklinien stehen sollen, so wird die stereotypirte Musik in Linien zerschnitten, die Worte in gewöhnlicher Schrift gesetzt, die stereotypirten Linien auf Holzblöcke aufgesetzt und zwischen sie die Schrift an ihrem Platz eingesetzt. Das Resultat der Methode ist, was die Kosten betrifft, daß das Einschlagen und Stereotypiren etwas höher kommt, als das Stechen auf Metallplatten, dagegen der Abzug so viel wohlfeiler ist, daß die Auflage von 1500 durch die neue Methode nur das Dritttheil von dem kostet, was eine gleiche Auflage gestochener Musik gekostet hätte. Im Vergleich mit Musik in beweglicher Schrift gesetzt, ist die neue Methode etwas wohlfeiler im Satz, aber im Abdrucken sind die Kosten ganz die gleichen. Das Resultat ist angenehmer für das Auge, als das der beiden alten Methoden, denn die Formen der eingeschlagenen Punze sind in demselben Verhältniß deutlicher und angenehmer für das Auge, als ein gedruckter Text angenehmer und leserlicher ist als ein gestochener. In der Vergleichung mit Musik, die mit gewöhnlichen Typen gedruckt ist, zeichnet sich die neue dadurch vortheilhaft aus, daß die Querlinien nicht unterbrochen sind.37) (Breslauer Gewerbeblatt, 1861, Nr. 2.)

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Wie der Redaction des Breslauer Gewerbeblattes mitgetheilt wurde, wird diese Art Musikdruck in der ausgezeichneten Druckerei von Röder in Leipzig schon seit längerer Zeit ausgeführt.

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