Titel: Neuer Kleister zum Aufziehen von Tapeten, namentlich zum Aufziehen der Papierunterlagen für Tapeten; vom Hoftapezier Löffz in Darmstadt.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 159/Miszelle 12 (S. 319)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj159/mi159mi04_12

Neuer Kleister zum Aufziehen von Tapeten, namentlich zum Aufziehen der Papierunterlagen für Tapeten; vom Hoftapezier Löffz in Darmstadt.

Es ist eine bekannte Erfahrung, daß Tapeten in Vorplätzen, Gängen, Gartenzimmern u.s.w., welche dem Einflusse abwechselnder trockner und feuchter Witterung mehr ausgesetzt sind, als Tapeten in ständig bewohnten Zimmern, leicht von den Wänden abspringen, wenn sie mit Mehl- oder mit Stärkekleister aufgezogen wurden.

Der Obengenannte suchte vor einigen Jahren, veranlaßt durch die hohen Preise des Mehls und der Stärke, diese Materialien in billigerer Weise zu ersetzen. Er bereitete den nachstehend beschriebenen Kleister und fand darin zugleich ein Mittel, das Abspringen der Tapeten in Gängen und Vorplätzen zu vermeiden.

Der neue Kleister wird in nachstehender Weise bereitet. Man weicht 18 Pfund Bolus, nachdem er kleingeklopft wurde, in Wasser ein und schüttet dann das Wasser über dem gehörig erweichten Bolus ab. 1 1/4 Pfd. Leim werden hierauf zu Leimwasser abgekocht, mit dem erweichten Bolus und 2 Pfd. Gyps gut vermengt und dann die Masse mittelst eines Pinsels durch eine Seihe durchgetrieben. Die Masse wird sodann mit Wasser bis zu dem Grade eines dünnen Kleisters oder einer Schlichte verdünnt. Der Kleister ist nun zur Verwendung fertig.

Der beschriebene Kleister ist nicht allein weit billiger als andere Kleisterarten, sondern hat noch den wesentlichen Vortheil, daß er an getünchten Wänden und namentlich an alten mehrmals angestrichenen Wänden, bei welchen die Anstriche nicht sorgfältig abgekratzt wurden, besser haftet, als andere Kleister. Zum Aufziehen feiner Tapeten eignet er sich aber um deßwillen weniger, weil er eine weiße Farbe bildet, durch die, wenn beim Anstreichen und Aufziehen nicht große Vorsicht angewandt werden, leicht die feinen Tapeten beschmutzt werden können. Wo indessen feine Tapeten auf Grundpapier aufgezogen werden, ist unbedingt zu empfehlen, das Grundpapier auf die Wände mit dem erwähnten Kleister, und dann erst die Tapeten mit gewöhnlichem Stärkekleister aufzuziehen.

Hr. Löffz hat mit dem beschriebenen Kleister vor länger als 6 Jahren Tapeten in Vorplätzen und Gängen, die bis zur Hausthüre reichen, aufgezogen, ohne daß dieselben bis jetzt an irgend einer Stelle losgesprungen sind. (Gewerbeblatt für das Großherzogthum Hessen, 1860, S. 345.)

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