Titel: Ueber die Gestaltungszustände des Eisens, von Gurlt.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 159/Miszelle 2 (S. 314–315)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj159/mi159mi04_2

Ueber die Gestaltungszustände des Eisens, von Gurlt.

Die Ansicht von Fuchs, daß Schmiedeeisen im regulären, Roheisen im rhomboëdrischen, weicher Stahl in jenem und harter in diesem Systeme krystallisiren, und davon die Eigenschaften der Eisensorten abhängen, verwirft Gurlt. Nach demselben krystallisirt nicht nur reines Schmiedeeisen im regulären Systeme, sondern auch graues Roheisen, welches aus Achtel-Kohleneisen besteht. Weißes Roheisen ist als Spiegeleisen (Viertel-Kohleneisen), als luckige, blumige Flossen krystallinisch. Halbirtes Roheisen ist noch nicht krystallisirt beobachtet, meist liegen auf weißem Grunde sternförmig gruppirte Krystalle von grauem Eisen. Stahl, auch noch nicht in Krystallen beobachtet, scheint ein inniges Gemenge von grauem Roheisen mit geschmeidigem Eisen zu seyn.

Die fadige Textur des Stabeisens wird in eine krystallinische umgewandelt durch Wärme, durch anhaltende Stöße und durch den galvanischen Strom, wobei eine Volumvergrößerung eintritt. Bei körnigem, stahlartigem Stabeisen treten diese Veränderungen in schwächerem Grade auf, bei Stahl in noch weit geringerem Grade. Besondere Beachtung verdient die Anordnung der kleinsten Krystalle in Gußstücken. Dieselben gruppiren sich bei gleichmäßiger Erkaltung so, daß eine ihrer Achsen senkrecht gegen die Abkühlungsfläche gerichtet ist, der sie zunächst liegen; daher bei Kugeln und Cylindern das strahlige Gefüge vom Mittelpunkt nach der Oberfläche hin. Wenn sich die Krystalle von zwei Ebenen her treffen, so besitzt das Gußstück in den Contactebenen – Ebenen des geringsten Widerstandes – die geringste Festigkeit. Bei einem Cylinder haben die Ebenen die Gestalt eines Kegelmantels, daher das Ausspringen von conischen Stücken bei Zapfenbrüchen |315| und vom Bodenstück gußeiserner Geschütze. (Berg- und hüttenmännische Zeitung, 1860, Nr. 52.)

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