Titel: Die Absorptionsfähigkeit der Knochenkohle für alkalische Salze.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 159/Miszelle 7 (S. 316)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj159/mi159mi04_7

Die Absorptionsfähigkeit der Knochenkohle für alkalische Salze.

Wie bekannt wird die Knochenkohle in der Zuckerfabrication zum Entfärben und Entkalken der Zuckerlösungen in größter Ausdehnung angewendet. Es sind indessen nicht allein diese Substanzen, welche die Krystallisation des Zuckers verhindern, sondern in viel größerem Maaße die löslichen alkalischen Salze, welche sich in der Melasse schließlich ansammeln. Obwohl beim Verbrennen derselben nur höchstens 10 Proc. lösliche alkalische Salze gewonnen werden, so werden doch dadurch 50 Proc. Zucker, welche in der Melasse vorhanden sind, am Krystallisiren verhindert. Es lag nun die Frage vor, ob es möglich sey, durch Behandlung mit Knochenkohle auch diese Salze, wenigstens theilweise, hinweg zu nehmen. Dabei war schon durch frühere Versuche nachgewiesen worden, daß beim vollständigen Auswaschen der Kohle die Kohle nichts von den angewendeten alkalischen Salzen zurückbehielt.

Es wäre indessen eine Möglichkeit gewesen, daß die Kohle zwar anfangs eine gewisse Menge des löslichen Salzes aufnimmt, das ihr indessen durch reines Wasser wieder entzogen wird. Man hätte dann z.B. bei der Zuckerfabrication den filtrirten Saft für sich aufheben und verarbeiten müssen, während das salzreichere Waschwasser einer gesonderten Verarbeitung unterworfen würde.

Um die Richtigkeit dieser Annahme zu prüfen, wurden 10 Grm. reinstes Steinsalz zu 1 Liter Wasser gelöst; 10 Kubik-Centimeter dieser Lösung brauchten zur Fällung des Chlors als Chlorsilber, 17,0 Kubik-Centimeter einer Zehntel-Normalsilberlösung, was (statt 0,100 Grm.) 0,09962 Grm. chemisch reinen Kochsalzes entspricht. Als nun 100 Kub.-Cent. der Kochsalzlösung mit 10 Grm. frischer, gut ausgebrannter, fein gepulverter Knochenkohle zusammengebracht, wiederholt umgerührt und einige Zeit stehen gelassen wurden, worauf man die Flüssigkeit durch ein trockenes Filter abfiltrirte, so brauchten 10 Kub.-Cent. davon genau wieder 17,0 Kub.-Cent. Silberlösung, so daß also auch nicht die geringste Menge Kochsalz von der Knochenkohle absorbirt wurde.

Aus diesem Versuche geht mit ziemlicher Bestimmtheit hervor, daß in Beziehung auf die alkalischen Salze die Knochenkohle vollständig wirkungslos ist, und daß vor der Hand keine Aussicht vorhanden, den in die Melasse geführten Zucker auf diesem Wege von Salzen zu befreien, resp. zu gewinnen. Dr. H. Schwarz. (Breslauer Gewerbeblatt, 1861, Nr. 2.)

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