Titel: Prüfung der Seife für den Hausgebrauch; von Seifensieder Friedr. Schmitt in Darmstadt.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 159/Miszelle 9 (S. 317)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj159/mi159mi04_9

Prüfung der Seife für den Hausgebrauch; von Seifensieder Friedr. Schmitt in Darmstadt.

Nach meiner Ueberzeugung läßt sich eine Prüfung des Werthes der Seife durch jede Hausfrau auf folgende einfache Weise erreichen.

Vorausschicken muß ich jedoch, was sich seit ungefähr 20 Jahren in der Seifensiederei zugetragen hat. Seit diesem Zeitraum hat das Cocosnußöl Eingang in Deutschland gefunden und das Mittel zur Vermehrung und Verfälschung der Seifen geboten.

Vor dieser Zeit kannte man nur eigentliche Kernseife, gefüllte und geschliffene Seifen. Kernseife, welche nur aus dem rein ausgesalzenen und klar gesottenen Kern besteht, kann von keinem Fabrikanten mehr als wie 150 bis 155 Pfd. Seife aus 100 Pfd. Fett dargestellt werden, je nachdem das Fett mehr oder weniger Stearin enthält. Bei den oben bemerkten zwei anderen Seifensorten werden 15 bis 20 Pfd. geringe Lauge oder Wasser, durch Schleifen des Kerns im Kessel, oder durch mechanisches Rühren im Formkasten, beigebracht. Sollte dieses Verhältniß überschritten worden seyn, so wird die Seife niemals eine schöne Marmorirung erhalten, im Angriff schmierig erscheinen und beim Aussetzen an die freie Luft oder im Sonnenschein das Wasser bald verlieren und hierdurch rissig werden.

Seit Einführung des Cocosnuß- und Palmöls haben sich große Seifenfabriken gebildet und die Seifensiederei von einem Localgewerbe theilweise zu einem ausgedehnten Fabrikgeschäft umgewandelt. Die Seife selbst hat hierdurch keine Verbesserung erfahren, sondern es suchte fast jeder Fabrikant mehr Seife, ja sogar bis zu 500 Pfd. und mehr aus 100 Pfd. Fett, und nicht immer in redlicher Weise zu erzielen. Die Mittel hierzu bieten Wasser, Salz, ja sogar fein gemahlener Schwerspath.

Um nun eine Seife zu prüfen, nehme man ein genau gewogenes beliebiges Stück Seife, etwa 1/4 bis 1/2 Pfd., schneide dasselbe in kleine Stückchen und lasse es in einem Schoppen Wasser, mit einer Hand voll Kochsalz, in einem Topfe am Feuer zergehen und etwas aufsieden. Hierbei darf jedoch die Seifenmasse nicht überlaufen. Man sehe dann nach, ob sich die Seife vom Wasser gern abscheidet. Ist dieses nicht der Fall, so wird noch etwas Kochsalz als Scheidungsmittel zugegeben. Hierauf lasse man das Ganze erkalten, nehme dann die obere abgeschiedene Seifenschichte ab, trockne dieselbe und wägt sie. Was nun an dem ursprünglichen Gewichte fehlt, ist der Seife fälschlich zugesetzt worden. Ob dieses nun aus überschüssigem Natron, Wasser oder Schwerspath besteht, kann der Hausfrau einerlei seyn. (Gewerbeblatt für das Großherzogth. Hessen, 1860 S. 346.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: