Titel: Ueber eine Dampfkessel-Explosion, welche zu Mastricht stattfand; von Jobard.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 159/Miszelle 1 (S. 394)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj159/mi159mi05_1

Ueber eine Dampfkessel-Explosion, welche zu Mastricht stattfand; von Jobard.

Diese Explosion tödtete den Besitzer und den Ingenieur der Fabrik, als sie die Einstellung der Arbeiten benutzten um im Feuerraum Maaßregeln für einen neuen Rost zu treffen; ich gebe im Folgenden die wahrscheinliche Erklärung dieses Unfalls.

Sobald die Arbeiter sich zum Mittagsmahl begeben, bedeckt der Heizer den Rost mit Kohlenklein, schließt das Register des Schornsteins, sowie die Thür des Feuerraums, und oft stellt er eine Blechplatte vor die Oeffnung des Aschenraums, um durch Verhinderung des Zugs sein Feuer zu unterhalten. Sobald die Glocke ertönt, welche den Arbeitern das Zeichen zur Rückkehr in die Fabrik gibt, muß der Heizer vorerst das Register des Schornsteins aufziehen, damit die Gase ausgetrieben werden, welche ich in dieser Art Retorte erzeugt haben; die im Aschenraum enthaltene Luft vermischt sich nämlich bald mit dem (aus dem Kohlenklein durch die Wärme entwickelten) Wasserstoffgas, welches den Feuerraum, die Feuercanäle und alle von der Flamme durchzogenen Räume erfüllt, und so entsteht ein Gemisch von Luft und Wasserstoffgas, welches vielleicht noch gefährlicher als die schlagenden Wetter in den Steinkohlengruben ist, weil es erhitzt ist. Der Ingenieur wird es vernachlässigt haben, dieses Gemisch zu entleeren, bevor er, eine Lampe in der Hand, die Thür des Feuerraums öffnete; daher die Explosion, in deren Folge der Kessel gehoben wurde und ein Siederohr an der schwächsten Stelle platzte.

Ich habe allen Grund zu glauben, daß der größere Theil der Explosionen aus den erwähnten Ursachen entsteht; denn fast alle Erzählungen in den Zeitungen beginnen mit den charakteristischen Worten: „Gerade als man sich anschickte die Arbeiten in der Fabrik von X. wieder aufzunehmen, hörte man eine fürchterliche Explosion; glücklicherweise waren die Arbeiter noch nicht in die Locale zurückgekehrt. . . .

Wir sehen häufig, daß der Heizer beim ersten Glockenschlag mit dem eiserne: Haken das Brennmaterial im Feuerraum lockert, um seine Maschine in Gang zu bringet, aber vergißt vorher das Register des Schornsteins zu öffnen, eine Vorsicht welche er für unwesentlich hält, weil er sie oft vernachlässigt hat ohne deren Opfer zu werden; denn das Gemisch ist nicht immer in den explosiven Verhältnissen. In dem erwähnten Bericht ist beigefügt, daß der Kessel von seinem Sitz gehoben wurde, was nicht geschehen seyn könnte, wenn die erste Explosion nicht im Feuerraum erfolgt wäre; die zweite, welche sich der ersten sofort beigesellt, ist diejenige des Kessels selbst und wird durch den Stoß der ersten veranlaßt.

Wenn die Arbeit Abends aufhört, Pflegen die Heizer, um ihr Feuer Morgens nicht wieder anzünden zu müssen, die zurückbleibende Kohle mit einer dicken Schicht von Kohlenklein zu bedecken und so gut als möglich alle äußeren Ausgänge zu schließen; sie brauchen dann des Morgens nur noch die auf dem Rost gebildete dicke Kohlenkruste mit dem eisernen Haken zu heben, um ihre Maschine in Gang zu bringen. Es ist nicht zu bezweifeln, daß sie auf diese Weise eine große Menge Gas erzeugen, welches Zeit genug hat sich mit Luft zu mischen und dadurch explosiv zu werden. Man müßte daher die Thür des Feuerraums mit dem Register des Schornsteins so verbinden, daß sich jene nicht ohne dieses, oder vielmehr erst nach letzterem öffnen könnte. (Comptes rendus, Februar 1861, Nr. 5.)

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