Titel: Anwendung des Kohlenschiefers zur Fabrication von Barnsteinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 159/Miszelle 7 (S. 397–398)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj159/mi159mi05_7

Anwendung des Kohlenschiefers zur Fabrication von Barnsteinen.

Bekanntlich verursacht beim Steinkohlenbergbau, wo die Lager eine geringe Mächtigkeit haben, wie im Norden Frankreichs und in Belgien, die Masse der Schiefer, die sich beim Abbau und beim Treiben der Stollen absondern, eine Kostenvermehrung für die |398| Gewerke, indem dieses Haufwerk ein weit bedeutenderes Volumen ausmacht, als welches zu den Ausfüllungen nöthig ist. Man ist dann meistens gezwungen, dieses Gebirge zu Tage zu fördern und davon an den Eingängen der Schächte große Halden aufzustürzen. Bis jetzt sind diese Massen nur zur Ausbesserung der benachbarten Wege verwendet.

Hr. Sadin, Ingenieur der Kohlenbergwerksgesellschaft zu Jemappe, beabsichtigt sie zur Fabrication von Barnsteinen zu benutzen, von welchen auf den Kohlenbergwerken eine ungeheure Menge verbraucht wird.

Der Kohlenschiefer ist wirklich eine Art plastischen Thons oder erhärtete kieselsaure Thonerde, enthaltend: kohlensaures Eisenoxydul, Eisenoxyd, Kohle und noch mehrere andere Substanzen. Wenn derselbe gemahlen ist und mit Wasser angemengt wird, so bekommt er eine teigige Consistenz und nimmt alle Formen an, die man ihm geben will, hauptsächlich die parallelepipedische Barnsteinform.

Wenn dieser Teig zu zähe ist und beim Trocknen rissig wird, macht man ihn magerer, indem man ihn mit Sand oder pulverisirtem Kohlensandstein, oder auch in einem schicklichen Verhältniß mit gebranntem und zerkleintem Kohlenschiefer vermengt.

Das Eisenoxyd und kohlensaure Eisenoxydul fangen bei einer gewissen Temperatur an zu schmelzen und bilden einen Cement, welcher alle, dieses neue Product ausmachenden Theile vereinigt; die Kohle, von welcher der Schiefer imprägnirt ist, begünstigt das Brennen der Barnsteine im Innern und vermehrt ihre Haltbarkeit, indem sie die vollständige Schmelzung des darin enthaltenen Eisens bewirkt.

Die Kohle hat noch den Vortheil, daß sie, indem sie verbrennt, den Barnstein porös macht und seine Adhärenz mit dem Mörtel befördert.

Diese Bildsamkeit des gepulverten Kohlenschiefers ist der Art, daß man wahrscheinlich grobe Töpferwaaren oder wenigstens Quadersteine, Ziegel und feuerfeste Barnsteine wird fabriciren können, wenn man die Schiefer zweckmäßig scheidet, um darin enthaltene schmelzbare Stoffe zu entfernen.

Auf diese Weise entledigt man sich dieses Raum versperrenden Materials, das so theuer zu stehen kommt und durch welches man bisweilen genöthigt wird, Flächen Land von großem Werthe anzukaufen. Man wird in Zukunft nicht mehr nöthig haben, sie dem Ackerbau zu rauben. (Journal des mines, 1860, Nr. 22; berg- und hüttenmännische Zeitung, 1861 Nr. 9.)

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