Titel: Schau's Kesselsteinapparat.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 159/Miszelle 1 (S. 461–462)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj159/mi159mi06_1

Schau's Kesselsteinapparat.

In der Wochenversammlung des österr. Ingenieurvereins am 13. October v. Js. hielt Hr. Oberinspector W. Bender einen Vortrag über den Kesselsteinapparat des Hrn. C. Schau. Da beim Betriebe von Dampfmaschinen, insbesondere von Locomotiven, höchst selten reine Wasser zu Gebote stehen und die meisten Wasser an den inneren Kesselwänden |462| allmählich eine harte Rinde (Kesselstein) absetzen, wodurch der Betrieb gehindert und nicht selten Kesselexplosionen veranlaßt werden, so war man längst auf Vorkehrungen bedacht, um den Absatz des Kesselsteins zu hindern. Die zahllosen Mittel, welche zu diesem Zwecke vorgeschlagen wurden und meistens dahin zielen, durch Zuthat verschiedener Stoffe zum Speisewasser die Bildung fester Rinden zu verhindern, gewähren jedoch keine gründliche Abhülfe, indem die festen Bestandtheile des Speisewassers sich dabei jedenfalls erst im Dampfkessel ausscheiden und aus diesem von Zeit zu Zeit fortgeschafft werden müssen.

Der Kesselstein-Apparat des Hrn. C. Schau verspricht diesem Uebelstande vollkommen abzuhelfen. Er besteht im Wesentlichen aus einem auf dem Dampfkessel angebrachten und mit demselben mittelst eines kurzen Rohres in Verbindung stehenden, oben geschlossenen Cylinder, in welchen das Speisewasser, bevor es in den Kessel gelangt, durch eine Brause derart eingespritzt wird, daß es in die feinsten Tropfen zertheilt und durch den heißen Dampf sogleich zum Sieden gebracht wird. In Folge des Siedens scheiden sich die schädlichen festen Bestandtheile des Wassers aus, und setzen sich im Cylinder ab, während das gereinigte Wasser in den Kessel abfließt. Durch diesen Apparat wird daher der Absatz jener Bestandtheile des Wassers, welche im Dampfkessel feste Rinden bilden würden, auf den Raum des Cylinders beschränkt und dem Kessel selbst nur reines Wasser zugeführt. Diese günstige Wirkung des Apparats ist bereits durch größere Versuche außer Zweifel gestellt worden. Eine Locomotive der priv. österr. Staatseisenbahn-Gesellschaft legte auf der Linie Wieu-Neu-Szöny mit diesem Apparate 1170 Meilen zurück, wobei sich im Apparate 217 Pfd. (also auf 5,4 Meilen 1 Pfd.) Kesselstein in Gestalt einer seifigen weichen Masse absetzten und der Kessel schließlich vollkommen rein befunden wurde. Dieß Resultat erscheint um so glänzender, als der Kessel beim Beginne des Versuchs eine mehrere Linien dicke Rinde von Kesselstein hatte, welche am Schlusse gänzlich verschwunden war. Gegenwärtig wird von Seite der priv. österr. Staatseisenbahngesellschaft die Anwendung des Apparats im Großen eingeleitet.

Der Vorsitzende, Hr. Regierungsrath W. Engerth, bemerkte, daß Hr. C. Schau den ersten Anstoß zur Construction dieses eben so einfachen als sinnreichen Apparates wahrscheinlich seinen Erfahrungen im Locomotivbetriebe verdanken dürfte. Es ist nämlich eine bekannte Thatsache, daß, wenn das Speisewasser im Tender wiederholt und stark vorgewärmt wird, sich in diesem letzteren ein starker Absatz von Kesselstein bildet, während der Dampfkessel verhältnißmäßig reiner bleibt. Auf die Bemerkung des Hrn. Sectionsrathes P. Rittinger, daß die Wirkung des Apparats sich hauptsächlich nur auf die im Wasser enthaltenen kohlensauren Salze beziehe, entgegnet der Vorsitzende, daß eben diese nach der Erfahrung die schädlichsten seyen, indem andere Salze unter Umständen zwar ebenfalls ausgeschieden werden, aber doch keine festen Rinden an den Kesselwänden bilden, und bei dem nicht zu verabsäumenden Auswaschen der Kessel leicht fortgeschafft werden können.

Uebrigens bemerkte der Hr. Vorsitzende, daß bei der Anlage der Eisenbahnen bisher zu wenig Rücksicht auf die Reinheit der Wasser auf Wasserstationen genommen wurde, und selbst bei den bestehenden Bahnen die Wasser nur selten gehörig untersucht und gekannt seyen, was doch um so nothwendiger erscheine, als beinahe alle Wasser, selbst jene von Flüssen, mehr oder weniger fremde und feste Bestandtheile enthalten. Hr. Stadtbaudirections-Ingenieur C. Gabriel bemerkte hiebei, daß selbst das durch Schottermassen filtrirte Donauwasser in 100,000 Theilen 21,5 Theile feuerfester Bestandtheile, und zwar vorherrschend Kalkerde, enthalte und in Dampfkesseln feste Rinden absetze.

Der Vorsitzende bemerkte schließlich, daß der Schau'sche Kesselstein-Apparat bereits die Aufmerksamkeit ausländischer Eisenbahn-Gesellschaften erregt habe und namentlich von Paris Anfragen hinsichtlich desselben Hieher gelangt seyen. (Zeitschrift des österreichischen Ingenieurvereins, 1860 S. 221.)

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