Titel: Neues Verfahren zur Bereitung von Leinölfirniß; von Binks.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 159/Miszelle 9 (S. 465–466)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj159/mi159mi06_9

Neues Verfahren zur Bereitung von Leinölfirniß; von Binks.

Binks hat auf Grund der von ihm über das Trocknen der Oele ausgeführten Versuche folgendes Verfahren zur Bereitung des Leinölfirnisses vorgeschlagen, von welchem das Haus Wilson in Liverpool mit Erfolg ausschließlichen Gebrauch macht.

Man nimmt eine hölzerne Kufe, welche mit Blei ausgekleidet ist und mehrere Tonnen Oel auf einmal fassen kann. Dieselbe hat einen doppelten Boden, durch welchen man Wasserdampf leitet, um das Oel zu erhitzen. Außerdem ist sie mit einer Vorrichtung versehen, mittelst deren man ein beträchtliches Volumen Luft durch das Oel leiten kann, welche durch eine Luftpumpe herbeigeführt wird. Man fügt dem Oel, von welchem immer eine große Quantität auf einmal bearbeitet wird, Manganoxydulhydrat in dem Verhältniß von 5 bis 14 Pfund per Tonne Oel hinzu und erhitzt es sodann auf 38 bis 660° C. Nach kurzer Zeit, und zwar nach etwa 15 bis 20 Minuten, verliert es dabei seine gelbliche Farbe und nimmt eine grünliche oder selbst braune Farbe an; während dessen verschwindet das Oxyd und löst sich in dem Oele auf. In diesem Zustande der sogenannten Lösung (nach dem technischen Ausdruck) hat das Oel durch eine einfache, rasche und wenig kostspielige Operation ein sehr kräftiges Trockenvermögen angenommen und kann zu vielen Zwecken verwendet werden. Wenn man in diesem Moment die Operation unterbricht und das Oel erkalten läßt, so setzt sich eine ganz kleine Menge eines rothbraunen Niederschlags daraus ab, welcher aus Manganoxydul mit dem Farbstoff verbunden besteht, während ölsaures Manganoxyd in der ganzen Masse gelöst ist und derselben eine braune Farbe gibt. Setzt man diese sogenannte Lösung der Luft aus, so nimmt sie zunächst eine dunkelbraune Farbe an, ähnlich der des gekochten Oels; nachher entsteht ein Niederschlag von Manganoxyd und das Oel beginnt Heller zu werden, während in demselben Maaße seine trocknende Kraft zunimmt. Indem man diese Bleichung eintreten läßt, kann man ein Oel erhalten, welches in der Farbe entweder dem raffinirten Oel oder einem schönen bernsteingelben Oel gleich ist, wobei die Verschiedenheit des Erfolgs ausschließlich von der Anwendung verschiedener Mengen von Manganoxydul abhängt. Hierin bestehen die Wirkungen eines Aussetzens dieser sogenannten Lösung an die Luft. Wenn man mit kleinen Quantitäten Oel operirt, treten sie sehr rasch ein, so daß einige Stunden dazu ausreichend sind; bei großen Quantitäten, wenn man das Oel z.B. |466| tonnenweise behandelt, sind dagegen, wenn bloß die Oberfläche dem Luftzutritt ausgesetzt, ist, 2 bis 3 Tage nöthig. Leitet man dagegen in das auf 38° C. erwärmte Oel ein beträchtliches Volumen Luft, so kommt nach und nach jedes Oeltheilchen mit derselben in Berührung und die Veränderung erfolgt deßhalb sehr rasch. Die Präparation einiger Gallonen Oel kann in dieser Weise in 1 1/2 bis 1 Stunde beendet werden. Mehrere Tonnen Oel erfordern nur 5 bis 6 Stunden, um sich in trocknendes Oel zu verwandeln. Man läßt dasselbe ruhig stehen, damit der erwähnte unbedeutende Niederschlag sich zu Boden setzt. Wenn das Oel dann der Einwirkung der Luft ausgesetzt wird, verdickt es sich allmählich und geht zuletzt in einen festen Zustand über.

Wenn man statt direct Manganoxydul anzuwenden, dem Oel schwefelsaures Manganoxydul und zugleich eine Basis zusetzt, welche das Manganoxydul frei macht, so ist der Erfolg noch besser. Als Basis kann man Kalk, Ammoniak u.s.w. anwenden, die vortheilhafteste Basis aber, welche für gewöhnliche Zwecke den Oelen das kräftigste Trocknungsvermögen ertheilt, ist Bleioxyd, welches man als Hydrat oder, da das schwefelsaure Manganoxydul Wasser als Krystallwasser enthält, auch im wasserfreien Zustande anwenden kann.

Wenn man ein großes Volumen Luft durch das Oel leitet, so nimmt das Gewicht desselben zu, und zwar beträgt diese Zunahme, bevor das Oel zu dicklich wird, um angewendet werden zu können, 2 bis 3 Procent. (Aus dem Journal of the Society of arts, durch das polytechnische Centralblatt 1860 S. 1071.)

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