Titel: Lihatcheff, mechanische Fabrication von Fässern und Tonnen
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 160, Nr. XXIX. (S. 101–107)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj160/ar160029

XXIX. Mechanische Fabrication von Fässern und Tonnen, von Obrist v. Lihatcheff im Gouvernement Yaroslawl (Rußland).

Aus Armengaud's Génie industriel, Februar 1861, S. 61.

Mit Abbildungen auf Tab. II.

Die zahlreichen Nachtheile und Uebelstände, welche die Verfertigung der Fässer nach gewöhnlicher Weise mit sich bringt, sowie die Unvollkommenheit der bisher versuchten mechanischen Vorrichtungen zu diesem Zwecke, haben Hrn. v. Lihatcheff veranlaßt, Verfahrungsarten zu ermitteln, welche sowohl einfacher als auch vollkommener als die gebräuchlichen sind, und deren Anwendung nicht allein dem Faßbinder, sondern auch jedem andern Arbeiter zugänglich ist.

Mit Hülfe der nach diesem System construirten Maschinen kann nun ein der Faßbinderkunst fremder Arbeiter jede Art von Fässern und Tonnen |102| herstellen; die Fugen und Kimmen werden fest und regelmäßig in einander gefügt, die Gestalt, der Inhalt und die Größe des Fasses werden genau getroffen. So erspart man beträchtlich an Zeit und Arbeitskraft und mithin an Herstellungskosten.

Die zu dieser Fabrication erforderlichen Maschinen sind folgende:

Maschine zum Abhobeln der Dauben, mit besonderer Säge;

Maschine zur Herstellung und Zurichtung der Seitenkanten der Dauben; sie gibt ihnen zugleich die Längenkrümmung und die genaue Breite;

Maschine zum Zusammensetzen der Fässer;

Maschine zur Herstellung des Falzes im Innern der Fässer;

Maschine zum Schneiden der Böden, und besonderer Apparat zum Abschrägen.

Hr. v. Lihatcheff bringt zwei Maschinen zum Vorbereiten der Dauben in Vorschlag.

Die eine ist eine Art Hobelmaschine, welche das zu bearbeitende Holzstück auf Rollen empfängt, von wo dasselbe zwischen zwei cannelirten Zuführungscylindern hindurchgeht, die es festhalten und den Hobelrädern darbieten, deren Achse durch die Betriebsmaschine bewegt wird. Diese Bewegung geschieht im umgekehrten Sinne der Bewegung der Zuführungscylinder, von denen die Hobelräder in verticaler Linie um die Dicke entfernt sind, welche den Dauben verbleiben soll.

Zu diesem Zwecke sind ihre Lager auf Schienen angebracht, so daß sie je nach der zu erhaltenden Dicke der Dauben mittelst Schrauben eingestellt werden können. Die Hobel sind gewölbt, um den Dauben ihre Gestalt zu geben, und zwar ist der obere convex, der untere concav.

Nachdem die Dauben die Bearbeitung durch die Hobel erlitten haben, gehen sie zwischen zwei Leitrollen von gleicher Gestalt wie diese Werkzeuge hindurch.

Das erforderliche Festhalten der Zuführungscylinder wird dadurch bewirkt, daß der obere frei in einer verticalen Führung beweglich ist, und daß symmetrische Hebel auf seine Enden entweder mittelst einer Hand- oder Fußbewegung, oder mittelst eines Gegengewichtes zur Wirkung gebracht werden.

Die zweite Maschine, welche denselben Zweck erfüllen soll, stellt Figur 1 dar.

Säge zum Zurichten der Dauben.

Diese leicht transportable und auch im Walde anwendbare Maschine kann das gefällte Holz an Ort und Stelle, ohne jegliche Vorbereitung zurichten, und unmittelbar in Dauben verwandeln, so daß nur noch ihre |103| Breite durch den weiter unten zu beschreibenden Mechanismus reducirt zu werden braucht.

Das zu zerschneidende Holzstück liegt auf einem horizontalen Tisch A (Fig. 1), welcher zwischen den Leitwangen d verschiebbar ist, die in der Längenrichtung der Maschine festliegen. Die Säge oder das Messer D von der Form eines Kreisbogens ist auf dem Kranz E befestigt, welcher zwei kugelförmige Zapfen c trägt, die an den Stegen B befestigt sind, welche ihrerseits durch die Welle C mit den entsprechenden Rädern in Bewegung gesetzt werden; hierdurch wird der oscillirende Gang der Säge D bewirkt; die Zugstangen bewegen die Daumen m, welche die Schieberäder e und dadurch das Getriebe mit der Zahnstange d in Thätigkeit bringen, wodurch der Tisch A fortgerückt wird. Bei jedem Hin- und Hergang des Tisches A wird derselbe mittelst der im Gestelle sich drehenden Schrauben q um die Dicke der Dauben gehoben.

Um Zeit zu gewinnen, arbeitet die Säge in beiden Richtungen; ihr Krümmungshalbmesser entspricht genau dem Halbmesser des herzustellenden Fasses und es werden daher dessen Theile von sehr regelmäßiger Gestalt geliefert.

Nach dieser Zurichtung der Dauben müssen ihre Kanten gebildet werden, d.h. es müssen

1) die Ränder eine solche Neigung erhalten, daß ihre Verbindungslinien alle nach dem Centrum des Systems convergiren; diese Neigung ist also je nach der Zahl und Breite der Dauben veränderlich. Es müßen

2) die Ränder eine solche Convexität erhalten, daß jeder Punkt derselben einem anderen Kreise entspricht; die Durchmesser der durch die einzelnen Punkte des Randes gehenden Kreise wachsen von den Enden des Fasses nach dessen Mitte zu, so daß es die Gestalt zweier an der Basis vereinigter abgestumpfter Kegel erhält.

Dieser Zweck wird durch die nun zu beschreibende Maschine erreicht.

Maschine zum Herstellen der Seitenkanten.

Fig. 2 zeigt in senkrechtem Durchschnitt, und Fig. 3 im Grundriß die Maschine, welche den Dauben ihre genaue Breite und Neigung gibt; die Figuren 4 und 5 zeigen einzelne Theile dieser Maschine.

Das Holzgestell A trägt einen gußeisernen Rahmen A' dessen beide Theile die Wände b, b' bilden. Auf der Längenwand ruht der Träger e, welcher die Biegung der Säge B während der Bearbeitung der Dauben b verhüten soll.

Der eine Theil des Rahmens dient zur Bearbeitung der geraden |104| Dauben für cylindrische Fässer, der andere für die gewöhnlichen Dauben. Je nach Bedürfniß kann auch das Zwischenstück b' entfernt werden.

Die gußeisernen Stücke a, welche zwischen die Dauben eingesetzt werden, sind an einem Theil ihrer Dicke ausgeschnitten, um dem Stücke e' (Fig. 4 und 5) freien Durchgang zu lassen, welches die Dauben trägt und beweglich ist, um genau den Theil ihrer Breite reguliren zu können, welche der Bearbeitung mit der Säge B unterworfen werden soll.

Zu diesem Zwecke sind Oeffnungen in den Enden des Rahmens A' angebracht, welche den Schrauben f als Durchgang und Führung dienen; diese sind an den Regulator e' befestigt, welcher ebenso wie die Dauben d durch die äußeren Schraubenmuttern in jeder beliebigen Höhe und über das Stück a (Fig. 5) vorspringend eingestellt wird.

Eine andere Oeffnung im Rahmen A, zwischen den Schrauben f, gestattet auf einer Scala g, die eigens nach Centimetern und Millimetern eingetheilt ist, die Höhe abzulesen, in welcher man den Regulator e' arretiren muß, um Dauben von der bestimmten Breite zu erzielen.

Natürlich müssen zu diesem Zweck zunächst die Hauptschrauben C gelöst werden, um die Dauben frei beweglich zu machen.

Für gerade Dauben zu mehr oder weniger conischen Tonnen braucht man nur einen der Regulatoren mehr oder weniger im Verhältniß zum andern herabzulassen, um genau den gewünschten Grad der Conicität zu Wenn die Zwischenwand b' nicht entfernt werden soll, so ist unterhalb derselben ein Hülfsregulator angebracht.

Gang der Maschine. Der Rahmen A' erhält eine hin- und hergehende Bewegung; zu diesem Zweck ist derselbe auf dem Gestelle A mittelst Platten und schwalbenschwanzförmiger Stücke a' befestigt. Die Bewegung wird mittelst des Getriebes p; welches in eine Zahnstange an dem Zwischenstücke b eingreift, bewirkt, indem die Welle ähnlich wie bei Fig. 1 mittelst des Zahnrades r und eines Sperrrades in Betrieb kommt.

Die Dauben d werden auf hohe Kante gestellt, und von einander durch die gußeisernen Streifen a von der gewünschten, je nach Form des Fasses und Zahl der Dauben verschiedener Krümmung, getrennt. Der Rahmen wird dann durch seine bewegliche Seite E geschlossen und die Dauben von dieser Seite durch Anziehen der Schrauben C gekrümmt. Diese gehen durch Muttern in den Seiten des Rahmens und werden durch die Griffe c'

Nun kann der Rahmen gegen die horizontale Säge B bewegt werden, welche die Dauben gleichmäßig abschneidet und deren Kanten zurichtet. Die Halter dieser Säge, welche in gewöhnlicher Weise aufgezogen ist |105| und mit der Oberfläche des Rahmens glatt abschneidet, enthalten den eisernen Stab h, der mit seinen viereckigen Enden durch die Stützen F geht, welche an dem Gestell befestigt sind und worin sich dieser Stab in geradliniger Richtung frei bewegt. Er ist beweglich mit einer Treibstange mit Winkelarm verbunden, die durch eine Dampfmaschine in Bewegung gesetzt wird und mithin die Säge zwischen den Stützen hin- und herbewegt.

Wenn der Nahmen B mit Hülfe der Kurbel c' allmählich am Ende seines Ganges angekommen ist, so bringt man ihn durch Drehung derselben im umgekehrten Sinne wieder in seine erste Stellung zurück. Man hat dann nur noch die Schraube C zu lösen, um den Rahmen zu öffnen und die Dauben umzuwenden, damit die Bearbeitung des anderen Randes erfolgen kann.

Die Säge ist an beiden Seiten gezahnt, um beim Hingang sowohl wie beim Hergang arbeiten zu können.

Maschine zum Schneiden der Böden.

Diese Maschine ist so einfach, daß sie auch ohne Zeichnung verständlich seyn wird.

Das nach dem genauen Durchmesser des Fasses zu zerschneidende Holzstück wird auf einen festen Tisch gelegt, der zum Centriren eine scharfe Spitze trägt.

An dem Gestell sind Ständer befestigt, welche durch eine doppelte Querleiste verbunden sind und eine Schraube tragen, deren Mutter mit der Hand bewegt wird, und zum Andrücken des zu bearbeitenden Holzes dient.

Die Ständer dienen als Führung für einen in verticaler Richtung beweglichen Rahmen, welche seine hin- und hergehende Bewegung mittelst Leitstangen erhält, welche einerseits mit einem an den Rahmen befestigten Stab, andererseits mit einer Scheibe verbunden sind, die durch Rollen und Treibriemen mittelst einer Kurbel bewegt wird.

Zwischen diesem Stäbe und einem ähnlichen, den Rahmen nach unten vervollständigenden, ist eine Säge in einer bestimmten Entfernung vom Mittelpunkt aufgezogen, welche durch eine besondere Oeffnung des Tisches geht und in der eben bezeichneten Weise in auf- und abgehende Bewegung versetzt wird.

Die Säge schneidet alsdann das Arbeitsstück kreisförmig durch, welches man nur mit der Hand um seinen Mittelpunkt und gegen die Säge hin zu drehen braucht.

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Apparat zum Zusammensetzen der Fässer.

Die Dauben werden neben einander um einen horizontalen Kranz aufgestellt, der im Mittelpunkte eines viereckigen verticalen Rahmens erhöht aufgestellt ist. Von beiden Enden her werden sie durch Stricke zusammengezogen; diese Stricke werden mittelst eines Hebels um Rollen gespannt, welche mit Rädern und Sperrfedern versehen sind.

Ist das Faß zusammengesetzt und mit Reifen versehen, so nimmt man es ab und löst den inneren Kranz mittelst eines beliebigen Mechanismus, der seinen Durchmesser vermindert, aus.

Maschine zum Herstellen der Kimmen.

Fig. 6 zeigt diese Maschine im Aufriß.

Das wie oben gesagt zusammengesetzte Faß erhält auf der Platte A eine starke rotirende Bewegung; dieselbe steht auf der festen Platte B, durch welche die Achse a mit der Leitrolle b hindurchgeht; die Umdrehung von A wird durch die in Rinnen beweglichen Kugeln c erleichtert.

Der eiserne Rahmen D, welcher auf der Platte A angebracht ist, erhält das Faß C in seiner Stellung. Der Meißel e, der die Kimme (nuthartige Furche) einschneiden soll, ist in dem Eisenstück d befestigt, welches an der Stange D' so angebracht ist, daß man demselben, wie die Figur zeigt, jede beliebige Einstellung geben kann. Die Bewegung des Meißels nach der gewünschten Tiefe der Nuth geschieht von Hand durch die Schraube mit Rad f. Durch Umdrehung des Fasses bringt man an der andern Seite ebenso die Kimme an.

Maschine zum Abschrägen der Böden.

Fig. 7 und 8 zeigen die Maschine zum Abschrägen des Bodens, d.h. zum Hervorbringen des der Kimme entsprechenden verdünnten Randes.

Der zu bearbeitende Boden kommt auf die Metallscheibe A, welche frei auf dem Tisch B des Gestelles ruht und mit Spitzen versehen ist, um ihm die Umdrehung dieses Tisches mitzutheilen. Die Transmissionsrolle b mit der Achse a dient zur Vermittelung dieser Bewegung. Die den Boden tragende Scheibe A dreht sich in Bezug auf die Fräse C sehr langsam um. Eine Reihe von mit Federn versehenen Röllchen, welche an dem Querstück D befestigt sind, drücken den Boden unveränderlich auf die Scheibe A an. Die verticale Achse der Fräse C ist mit einem Schwungrad d versehen und erhält mittelst eines besonderen Motors eine sehr schnelle Umdrehungsbewegung.

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Der Boden wird bis zur gewünschten Tiefe gegen die Fräse mittelst der mit Griff versehenen Schraube e angedrückt, deren feste Mutter f die Hülse g und mithin die Scheibe A selbst hin- und herbewegt.

Die Fräse, deren Form der herzustellenden Kante entspricht, kann in jeder beliebigen Höhe angebracht werden, je nach der Dicke des zu bearbeitenden Bodens; dieß geschieht mittelst der Regulirungsschraube k, welche unter der Achse der Fräse angebracht ist.

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