Titel: Schwarz, über Girard's horizontale Wasserbad-Buttermaschine.
Autor: Schwarz, Wilhelm
Fundstelle: 1861, Band 160, Nr. XXXIII. (S. 110–112)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj160/ar160033

XXXIII. Girard's horizontale Wasserbad-Buttermaschine; von Dr. Wilhelm v. Schwarz in Paris.

Aus dem württembergischen Gewerbeblatt, 1861, Nr. 13.

Mit Abbildungen auf Tab. II.

Unter den mannichfachen neuen und interessanten landwirtschaftlichen Geräthen, welche auf dem jüngsten, im Monate Juni im Industriepalaste der Champs-Elysées abgehaltenen Concours général et national d'Agriculture de 1860 zur Schau gebracht waren, haben die horizontalen Wasserbad-Butterapparate des Hrn. F. Girard, Besitzers einer der größten Fabriken verzinnter Eisenblechwaaren in Paris (120 rue Lafayette), besondere Aufmerksamkeit auf sich gezogen.

Versuche, welche die Ausstellungs-Jury zur Vergleichung der Arbeit dieser Buttermaschine mit älteren vornehmen ließ, haben dargethan:

1) daß die Girard'sche horizontale Maschine die Butter aus der Milch viel schneller und vollständiger ausscheidet, als dieß mit der berühmten Centrifugal-Buttermaschine des schwedischen Obristen Stjernsvärd der Fall ist;23)

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2) daß die Girard'sche Buttermaschine in der Construction viel einfacher, daher geringeren Störungen im Betriebe unterworfen, überdieß weit leichter zu zerlegen und daher besser zu reinigen ist, als die Stjernsvärd'sche, und

3) daß die horizontale Maschine nicht nur um 1/5 des Preises billiger herzustellen ist, sondern auch viel weniger Reparaturen erheischt, als der Centrifugal-Butterapparat.

Die Figuren 2123 versinnlichen die Anordnung des aus Weißblech construirten Apparates. Fig. 21 gibt eine perspectivische Hauptansicht mit dem jedem einzelnen Apparate beigegebenen Thermometer zur Messung der Temperatur der Milch und des Wasser- (Marien-) Bades, sowie der Blechschaufel und der Holzspatel zum Zusammenballen der ausgeschiedenen Butter.

Die Butter wird nämlich bei den Girard'schen Maschinen unmittelbar aus der Milch und nicht aus dem Rahme erzeugt,24) daher die Temperatur derselben auf einen gewissen Grad, am zweckmäßigsten 18° C., durch künstliche Erwärmung gebracht wird.

Die Milch wird in den halben Cylinder B (Fig. 22 und 23) gegossen, welcher durch einen Deckel K geschlossen werden kann. Eine Welle,

an welcher zwei durchlöcherte Flügel C, C senkrecht befestigt sind, ist horizontal in den Halbcylinder eingesetzt, welcher an seiner Kante eine als Gegenschläger dienende bewegliche Metallzunge J trägt. Die Flügel werden an der Achse durch ein gezahntes Handtriebrad und eine Kurbel F (bei den großen Girard'schen Buttermaschinen von 130 bis 150 Liter Rauminhalt mittelst einer Riemenscheibe) in rotirende Bewegung gesetzt.

An der der Verzahnung entgegengesetzten Seite befindet sich ein Ausflußrohr L mit einem Metallsiebe m, um die Buttermilch abzulassen und die Butter zurückzuhalten. Der Deckel ist mit einer Einkerbung und einer Reihe Löcher D versehen, welche den Zutritt der atmosphärischen Luft und die Augenscheinnahme des Ganges der Arbeit im Inneren des Apparats ermöglichen. Der Deckel dient gleichzeitig, wenn zurückgeschlagen, zur Aufnahme reinen Wassers, worin die ausgeschiedenen Butterklümpchen geworfen, ausgewaschen und mit Hülfe der Spatel und Schaufel zu einem größeren Klumpen vereinigt werden.

A, A ist eine Umhüllung des Milchcylinders zur Aufnahme des |112| warmen Wasserbades; O, O sind zwei Eisenblechschienen, um den ganzen Apparat mittelst Schrauben auf einer Holz- oder Tischplatte zu befestigen. In Paris steht eine erhebliche Zahl der kleineren Girard'schen Wasserbad-Buttermaschinen im täglichen Gebrauche. Girard setzt neun verschiedene Nummern und Größen seiner horizontalen Buttermaschinen und zwar zu folgenden Preisen in den Handel:

Nr. 1 Maschine, um im Maximum 2 Liter Milch zu schlagen, 25 Fr.
2 „ „ 4 „ „ 35 „
3 „ „ 8 „ „ 45 „
4 „ „ 15 „ „ 65 „
5 „ „ 30 „ „ 120 „
6 „ „ 45 „ „ 140 „
7 „ „ 60 „ „ 175 „
8 „ „ 90 „ „ 225 „
9 „ „ 120 „ „ 275 „

Eine ausführliche Gebrauchsanweisung ist jeder Maschine beigegeben.

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Vier Liter Milch von 18° C. gaben mit der Girard'schen Maschine in 3 Minuten Zeit 195 Gramme Butter, während dieselbe Quantität Milch bei gleicher Temperatur in der Centrifugalmaschine erst in 5 Minuten 188 Grm. Butter ausgeschieden hatte.

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Sie schließen nicht die Verwendung des letzteren aus; die Anwendung der Milch ist aber vortheilhafter, da sie Zeit und Mühe erspart.

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