Titel: Ueber Ransome's Verfahren zum Conserviren der Sandsteine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 160/Miszelle 4 (S. 76–77)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj160/mi160mi01_4
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Ueber Ransome's Verfahren zum Conserviren der Sandsteine.

Bei Versuchen, welche in England angestellt wurden, um das Weitergreifen der an einem Gebäude eintretenden Verwitterung der Steine zu verhüten, zeigte es sich bald, daß bei Gesteinen von geringem Kalkgehalt die Behandlung mit Wasserglas kein genügendes Resultat gab, indem die beabsichtigte Fällung unlöslicher Kieselerde in die Poren des Gesteins (durch die Kohlensäure der Luft) nur langsam von Statten ging und daher der größte Theil der Wasserglas-Lösung durch den Regen wieder ausgewaschen wurde. Um diesem Umstande abzuhelfen, empfahl Fr. Ransome folgendes Verfahren: „Die auf ihrer Oberfläche gereinigten Bausteine werden mittelst eines Pinsels mit einer Lösung von Wasserglas überstrichen, und nachdem der Stein trocken ist, trägt man ebenfalls mittelst eines Pinsels eine Lösung von Chlorcalcium auf; es bildet sich dann sofort in den Poren des Steins kieselsaurer Kalk, und das außerdem erzeugte Kochsalz wird durch einen Ueberschuß von Wasser beseitigt.“ Dieses Verfahren wurde auf einem Theil der Außenseite der Parlamentsgebäude in London in Anwendung gebracht und soll zufolge einer Prüfung, welche Prof. Ansted nach Verlauf von vier Jahren vornahm, befriedigende Resultate gegeben haben; man s. den Bericht im polytechn. Journal Bd. CLVII S. 287.

Wie sich aber bei der neuerlichen Besprechung dieses wichtigen Gegenstandes im Royal Institute of British Architect's herausstellte (man s. Civil Engineer and Architect's Journal, März 1861, S. 68) wurde durch Ransome's Verfahren der beabsichtigte Zweck keineswegs erreicht. Dr. A. W. Hofmann, der ausgezeichnete Chemiker in London, gab für dieses Resultat die wissenschaftliche Erklärung. Er bemerkte, daß wenn Ransome ein Kalksilicat in den Poren des Steins oder auf demselben absetzt, dasselbe keine Verwandtschaft zu dem Kalk- oder Magnesiasilicat, woraus der Stein besteht, hat und sich folglich mit demselben nicht verbindet, sondern lediglich eine träge Masse ist, welche die äußeren Zwischenräume des Steins mit einer pulverigen Substanz ausfüllt, die sich leicht abreiben läßt. Man hat behauptet, daß der durch Chlorcalciumlösung in Wasserglaslösung gebildete Niederschlag krystallinisch werde; derselbe ist aber an und für sich nicht krystallinisch und kann es auch niemals werden, denn er besteht in der Hauptsache aus freiem Kalk, welchen man mit Essigsäure ausziehen kann, und ist daher keine chemische Verbindung, sondern bloß ein mechanisches Gemisch von Kieselerde (oder höchstens einem Doppelsilicat) und Kalk.

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