Titel: Bestimmungen über die Londoner Industrie-Ausstellung des nächsten Jahres.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 160/Miszelle 1 (S. 153–154)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj160/mi160mi02_1

Bestimmungen über die Londoner Industrie-Ausstellung des nächsten Jahres.

Die amtliche London Palette enthält die Bestimmungen über die allgemeine Industrie- und Kunst-Ausstellung des Jahres 1862.

Sämmtliche auszustellende Industrie-Artikel sollen seit dem Jahre 1850 erzeugt worden seyn.

Insoweit die Verhältnisse der Räumlichkeiten es gestatten, können alle Zeichner, Erfinder, Producenten und Fabrikanten ausstellen, nur müssen sie bei Zeiten die Meldung machen.

Die englischen Regierungs-Commissäre verkehren mit den Ausstellern des Auslandes und der Colonien nur vermittelst der vom Auslande und von den Colonien hierzu ernannten Commissionen, und es können ohne Genehmigung der letzteren Ausstellungsgegenstände vom Auslande nicht zugelassen werden.

Im industriellen Departement der Ausstellung werden am Schluß Preise vertheilt werden.

Den ausgestellten Artikeln können ihre Verkaufspreise angeheftet werden.

Zugelassen werden sämmtliche, durch menschlichen Gewerbfleiß erzeugte Gegenstände, Rohmaterialien, Maschinen, Fabricate und Kunstgegenstände, ausgenommen: 1) lebende Thiere und Gewächse, 2) frische thierische und Pflanzenstoffe, die rasch verderben, 3)explodirende und ähnliche gefährliche Substanzen; Spirituosen und Alkohole, Oele, Säuren, corrosive Salze und sehr entzündbare Substanzen werden nur in wohlverschlossenen Glasgefäßen zugelassen.

Sämmtliche Ausstellungsgegenstände zerfallen in 4 Sectionen und diese wieder in 40 Classen.36)

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Die königl. Commissäre sind bereit, alle ihnen zugesandten Ausstellungsgegenstände vom 12. Februar bis 31. März 1862 in Empfang zu nehmen.

Gegenstände von großem Umfange und Gewicht, deren Aufstellung viel Arbeit erfordert, müssen vor dem 1. März abgeliefert seyn, und wo Maschinen oder andere Gegenstände, die einen eigenen Grundbau oder sonst besondere Vorrichtungen erheischen, eingesandt werden, muß eine betreffende Erklärung der Anmeldung beigefügt seyn.

Jedem Aussteller, dessen Erzeugnisse füglich zusammenbleiben können, wird es freigestellt seyn, sie nach seinem eigenen Ermessen aufzustellen, vorausgesetzt, daß die Art seiner Anordnung sich mit dem allgemeinen Ausstellungsplan und mit der Bequemlichkeit der übrigen Aussteller verträgt.

Will Jemand einen ganzen Erzeugungsproceß zur Anschauung bringen, so steht es ihm frei, zu diesem Zwecke die verschiedensten Gegenstände neben einander auszustellen, wie sie eben zur Veranschaulichung des Processes erforderlich sind; doch nichts mehr, als dieser Endzweck erheischt.

Jeder Aussteller muß seine Waare im Ausstellungs-Gebäude abliefern, um sie dort auf seine eigene Gefahr auszupacken und aufzustellen, ohne daß der Ausstellungs-Commission Fracht- und Zollspesen anheimfallen dürfen.

Die Verpackungskisten müssen ebenfalls auf Kosten der Aussteller aus dem Gebäude entfernt werden, nachdem deren Inhalt von den Commissaren in Empfang genommen worden ist.

Es wird Ausstellern – vorbehaltlich einiger unerläßlichen allgemeinen Vorschriften gestattet seyn, Schaukästen, Rahmen, Auslegetische u. dergl., nebst allem, was ihnen zur Aufstellung ihrer Artikel am passendsten erscheinen dürfte, nach ihrem eigenen Geschmacke anfertigen zu lassen.

Wenn Jemand seine Artikel gegen Feuersgefahr versichern will, muß er dieß auf seine eigenen Kosten thun. Im Uebrigen werden die königl. Commissarien bemüht seyn, die zweckmäßigsten Vorkehrungen gegen Feuersgefahr, Diebstähle und sonstige Schäden zu treffen, auch sonst nach Kräften behülflich seyn, wenn es sich um gesetzliche Klagen wegen Diebstahls oder absichtlicher Beschädigungen handeln sollte. Verantwortlichkeit für Verluste durch Feuer, Diebstähle u. dgl. können sie aber nicht übernehmen.

Jedem Aussteller wird es freigestellt seyn, Gehülfen anzustellen, um seine ausgestellten Gegenstände in Ordnung zu halten oder sie den Besuchern zu erklären, wenn dazu vorerst eine schriftliche Genehmigung der Commissäre eingeholt worden ist. Doch wird solchen Gehülfen untersagt seyn, die Besucher zum Ankaufe ihrer ausgestellten Waaren aufzufordern.

Die königl. Commissäre werden für Wasser- und Dampfkraft (Hochdruck, jedoch nicht über 30 Pfd. pro Quadratzoll) sorgen, wo Maschinen in Bewegung gezeigt zu werden wünschen.

Fremde Aussteller sollten sich an die betreffende Commission ihres Landes möglichst zeitig wenden, um sich über die weiteren etwa nöthigen Anordnungen Raths zu erholen.

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Die Classification ist folgende: I. Section. Rohstoffe: Bergwerkserzeugnisse und was dazu gehört; chemische Substanzen und Producte; Nahrungsstoffe mit Einschluß von Weinen; animalische und vegetabilische Substanzen, die zu Fabricationszwecken verwendet werden. II. Section. Maschinen- und Ingenieurwesen: Eisenbahnmaterialien sammt Locomotiven und Wagen; Maschinen, Gerätschaften, Handwerkszeug und Wagen aller Art; Maschinen und Geräthschaften für Acker- und Gartenbau, für Architektur- und Ingenieurzwecke; Militär. Ingenieurwesen, Wassen, Monturen und Geschütze; alles was zum Bau und zur Ausrüstung von Schiffen gehört; naturwissenschaftliche Instrumente und was in dieses Bereich gehört; Photographie |154| und dazu gehörige Apparate; Uhren sammt den betreffenden Instrumenten; musikalische und wundärztliche Instrumente. III. Section. Fabricate: Baumwolle; Flachs und Hanf; Seide und Sammt; Schafwolle und gemischte Fabricate; gewebte und gesponnene Artikel, Spitzen, Stickereien, Tapeten, Teppiche; Häute, Pelze, Haare und Federn; Leder, mit Sattel- und Riemzeug; Kleidungsstücke aller Art; Papier, Schreibmaterialien und alles was ins Fach der Buchdrucker- und Buchbinderkunst schlägt; Schul- und Erziehungsbehelfe; Möbel, Tapezierarbeiten und Papiermache; Eisen-, Stahl- und Messerschmiedwaaren; Arbeiten in edlen Metallen und deren Nachbildungen; Juwelen; Glas; Töpferwaaren, und sonst alle in früheren Classen nicht ausdrücklich aufgezählten Fabricate. IV. Section. Schöne Künste (modern): Architektur; Gemälde in Oel und Wasserfarben nebst Zeichnungen; Bildhauermodelle; Stempel und Intaglios; alles was ins Bereich des Aetzens und Gravirens gehört.

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