Titel: Cisternen in Venedig.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 160/Miszelle 2 (S. 154–155)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj160/mi160mi02_2
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Cisternen in Venedig.

Venedig, ringsum von Lagunen umgeben, erhält sein Trinkwasser größtentheils und fast ausschließlich aus Cisternen. Die Oberfläche, welche die Stadt bedeckt, beträgt nach Abzug der Lagunen 156 Millionen Quadratfuß; die jährliche Regenmenge würde dieselbe zur Höhe von circa 33 Zoll bedecken. Der größte Theil dieses Regens wird in 2077 Cisternen aufgefangen, von denen 1900 Privateigenthum sind. Sie fassen zusammen 4,054,700 Ctr. Wasser und können durch den fallenden Regen 5 Mal jährlich gefüllt werden. Per Tag und Kopf der Bevölkerung sind, nach Abzug des verloren gehenden Wassers, circa 32 Pfd. Wasser verfügbar.

Sehr interessant ist die sehr sinnreiche und haltbare Construction dieser Cisternen, durch welche trotz des warmen Klimas und des umgebenden Meeres ein klares, wohlschmeckendes und kühles Trinkwasser aus denselben erhalten werden kann.

Diese Cisternen haben die Form einer abgestumpften umgekehrten Pyramide, die selten tiefer als 9 Fuß unter der Oberfläche hinabreicht, da man dann schon auf den Wasserspiegel der Lagunen kommt. Das Hineinfallen der Erde wird durch ein Rahmenwert aus gutem Eichenholz verhindert, und auf dieses nun eine etwa fußdicke Schicht von sehr fettem Thon gebracht, die mit großer Sorgfalt festgestampft wird, so daß durchaus keine Sprünge bleiben. Sie widersteht vollständig dem Eindringen des äußeren Wassers und verhindert auch die außenstehenden Pflanzen, ihre Wurzeln in das Bassin hineinzutreiben. In der Mitte des Bodens wird ein kesselartig ausgehöhlter Stein angebracht, auf dessen Peripherie man nun mit Ziegeln ohne Mörtel einen runden bis zur Oberfläche reichenden Brunnenschacht ausführt, und oben mit einem gewöhnlichen Brunnenrande versieht.

Die untersten Ziegelschichten sind mit conischen Löchern versehen, um das Eindringen des Wassers zu erleichtern.

Der Zwischenraum zwischen diesem Ziegelschachte und den Wänden der Pyramide wird mit wohlgewaschenem Meeressande bis zur Oberfläche ausgefüllt. An jeder der 4 Ecken befindet sich eine Art Kasten von Stein, der durch eine fein durchlöcherte Steinplatte bedeckt ist. Diese ersten Aufnahmebehälter für das Wasser sind durch kleine Canäle verbunden, die ebenfalls von Ziegeln ohne Mörtel ausgeführt sind. Das Ganze wird dann mit Steinpflaster bedeckt. Die Niveauverhältnisse müssen so berechnet seyn, daß alles Regenwasser, welches auf dem zur Cisterne gehörigen Areale fällt, nach der Cisterne zu zusammenfließt. Aus den kleinen Verbindungscanälen filtrirt es durch den Sand durch und steigt dann in dem mittleren Brunnenschachte klar und vollständig gereinigt in die Höhe.

Diese einfache Methode der Cisternenanlage dürfte auch bei uns in den Fällen z.B. wo man zum Waschen, Bleichen, Färben sehr reinen Wassers bedarf, anzuwenden seyn. (Breslauer Gewerbeblatt, 1861, Nr. 6.)

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