Titel: Das Rösten mit Wasserdampf und die Silberextraction mit unterschwefligsaurem Natron zu Joachimsthal, von E. Vogel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 160/Miszelle 5 (S. 156–157)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj160/mi160mi02_5

Das Rösten mit Wasserdampf und die Silberextraction mit unterschwefligsaurem Natron zu Joachimsthal, von E. Vogel.

Die Joachimsthaler Silbererze, welche Kobalt, Nickel, Arsen, Antimon und Zink enthalten, eignen sich angestellten Versuchen zu Folge nicht für die Amalgamation, weil Kobalt und Nickel mit Arsen feste Verbindungen bilden, welche selbst bei einer größeren Hitze nicht zerlegt werden und die Chlorirung des Silbers verhindern. Patera macht diese Erze dadurch vortheilhaft zu Gute, daß dieselben mit Wasserdampf, Kochsalz und |157| Eisenvitriol oder Lech zunächst in einem Flammofen (polytechn. Journal Bd. CXXXIX S. 271) geröstet werden. Bei Anwendung von Wasserdampf wirkt die gebildete Salzsäure energischer auf die Entfernung des Arsens und die Chlorirung des Silbers, und der beim gewöhnlichen Rösten arsenikalischer Erze stattfindende Silberverlust, von mindestens 10 Proc., geht auf ein Minimum herab. Aus dem Röstgut wird dann durch unterschwefligsaures Natron das Chlorsilber ausgezogen, das Silber aus der Lösung durch Schwefelnatrium gefällt und das Schwefelsilber durch Schmelzen mit Eisen zerlegt. Der erste Versuch fiel so günstig aus, daß man auf ein Silberausbringen von 97 1/2 Proc. hofft, so daß nur 2 1/2 Proc. Silber theils in den Rückständen bleiben, theils verloren gehen. – Im Vergleich mit der currenten Schmelzarbeit gewährt der nasse Weg entschiedene Vortheile; der Brennmaterialverbrauch stellt sich bei beiden wie 3,18: 0,81, der Schichtenaufwand wie 1,26: 0,90, das Silberausbringen wie 96,5: 97,5, das Verhältniß der Gestehungskosten pro Münzpfund Silber wie 100: 62. Größere Kosten veranlaßt aber beim nassen Weg die Zugutebringung von Kobalt und Nickel, welche beim Schmelzen sich ohne Kosten in einer Speise concentriren. Der Brennmaterialverbrauch wird durch Anwendung von Wasserdampf wohl auf das Doppelte erhöht, indem ein Theil zur Dampferzeugung, ein anderer zum stärkeren Heizen des Röstofens verbraucht werden muß, um die durch Einströmen der Wasserdämpfe bewirkte Abkühlung aufzuheben. – Während nach Obigem bei Anwesenheit von festen Arsenverbindungen des Kobalts und Nickels Wasserdampf und Luftzutritt beim Rösten vortheilhaft sind, so zeigte sich ersterer beim Rösten von Bleiglanz weniger wirksam, als Luft allein, und man brauchte mehr Brennmaterial. Plattner's Beobachtung, daß bei Anwendung von Wasserdämpfen unter Luftzutritt die beim Rösten gebildete schweflige Säure sich mit Schwefelwasserstoff zu Schwefel und Wasser umsetzt, ließ sich nicht wahrnehmen. – Vergleicht man die Extraction mittelst unterschwefligsauren Natrons mit der Amalgamation, so kostet erstere laut vorliegender Berechnung wohl dreimal mehr als letztere hinsichtlich der Extractionsmittel, und auch die Arbeitskosten stellen sich bei letzterer niedriger, weil die meisten Operationen dabei durch maschinelle Vorrichtungen, bei ersterer aber durch Menschenhände ausgeführt werden. Da die Augustin'sche Kochsalzlaugerei noch wohlfeiler kommt, als die Amalgamation, so hält Patera's Extractionsmethode den Vergleich mit ersterer um so weniger aus. Bei der Kochsalzlaugerei geschehen die Arbeiten meist von selbst, ohne Maschinenkraft, und das Kochsalz ist billiger, als Quecksilber. Vielleicht dürfte sich Ziervogel's Methode vortheilhafter, als die Patera'sche anwenden lassen, nachdem die Erze mit Wasserdampf nach Patera's Methode abgerostet werden. (Osterreichische Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen, 1860, Nr. 11.)

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