Titel: Ueber neue Methoden zur Scheidung des Silbers aus den Erzen in Californien und Washoe; von G. Kustel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 160/Miszelle 6 (S. 157–159)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj160/mi160mi02_6

Ueber neue Methoden zur Scheidung des Silbers aus den Erzen in Californien und Washoe; von G. Kustel.

Seit der Entdeckung der Washoe-Silberminen war San Francisco beständig das Laboratorium für Erfindung neuer Methoden zur Scheidung des Silbers aus den Erzen. Mit den gebräuchlichen Manipulationen wollte man sich nicht befassen, weil Schmelzung, Amalgamation, Extraction u.s.w. mehr Wissen und Können erfordert, als die Jedem zugängliche Goldamalgamation. Die Experimentatoren waren Leute aus allen Fächern, nur keine Metallurgen. Aber wie es oft der Fall ist, daß bei vielem und unermüdetem Experimentiren ohne Calculation eine zufällige Entdeckung gemacht wird, so glaubt auch Californien in Bezug auf Silberextraction Epoche gemacht zu baden.

Während ich und Mosheimer das Silbererz der Ophir Silver Mining Comp. (bei 40 Tonnen) in San Francisco um den Betrag von vierhundert und zwölf Dollars per Tonne schmolzen und im Durchschnitt über dreitausend Dollars per Tonne ablieferten, waren angeblich eine Menge neuer Processe entdeckt worden, von denen einer nicht nur so weit reussirte, daß schon 10 bis 15 Tonnen danach verarbeitet wurden, sondern daß er auch an Billigkeit, Schnelligkeit und Ausbringen alle bisher bekannten Verfahrungsarten übertreffen soll. Bis nun ist er noch Geheimniß; da ich mich aber in Bezug auf Schnelligkeit, Quantität und Reinheit des ausgebrachten göldischen Silbers selbst überzeugte, so bandelt es sich nur um die Unkosten, um zu beurtheilen, ob die durch diesen Proceß erregten großen Erwartungen gerechtfertigt sind.

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Noch will ich eines andern patentirten Verfahrens erwähnen, das für viele Monate die Aufmerksamkeit von ganz Californien in Anspruch nahm und die Compagnien der Washoeminen zurückhielt, irgend eine Manipulation einzuführen, indem die Patentträger um einen Spottpreis das Erz zu verarbeiten versprachen. Es war nicht der gute Erfolg dieses neuen Mc. Culloch'schen Verfahrens, der die Gewerke so befangen machte (denn ein solcher war nie zu sehen), sondern bloß der Umstand, daß ein bedeutendes Haus in San Francisco, Alsop und Comp., sich an dem Patent betheiligte.

Dieses Verfahren bestand darin, daß 2000 Pfd. gepulvertes Erz mit 160 Pfd. Sägespäne 160 Pfd. Kohlenstaub und 100 Pfd. Thon zu einer Paste und diese zu Ziegeln von 1 Zoll Dicke verarbeitet und sodann im Meiler oder Ofen gebrannt wurde, wodurch alles Silber in metallischen Zustand überführt werden sollte. So wollte es nämlich das Patent haben, in der Praxis konnte aber die Bildung von schwefelsaurem Silber nicht umgangen werden. Um die weitere Behandlung kümmerte sich weder Mc. Culloch, noch Hr. Alsop. Wenn zu der genannten Mischung noch 6 Proc. Kochsalz zugefügt wurden, so verwandelte sich nach 5 bis 6 Stunden langem Brennen alles Silber in Chlorsilber, und hätte Mc. Culloch diesen Umstand zu benützen gewußt, so hätte er damit wenigstens Geld machen können, wenn auch nicht Diejenigen, welche sein Verfahren benutzten.37)

Die Ophir-Comp., die 1400 Fuß in der Comstock Lead besitzt, entschloß sich in Rücksicht des nahenden Winters, ohne weiter auf Mc. Culloch zu reflectiren, zuerst dazu, die Fässeramalgamation einzuführen. Demzufolge wurden Dampfmaschinen, Trockenpochwerk u.s.w. in San Francisco Ende September v. J. bestellt und im Monat November über die Sierra Nevada geschafft. Die Maschinerie war vorerst auf 10 Tonnen tägliche Verarbeitung berechnet und sollte auf 40 bis 50 Tonnen ausgedehnt werden, da dieses Quantum leicht aus der Mine täglich geschafft werden kann.

Das Werk wird in Washoe Valley, 16 Meilen von der Mine entfernt, gebaut, da hier hinlänglich Holz und Wasser vorhanden ist, wenn auch 10 Dollars per Tonne Fuhrlohn gezahlt werden muß (für Erz).

Während nun, ungeachtet Schnee und Kälte, der Aufbau in vollem Gange ist, kommt plötzlich von der Direction von San Francisco die Anweisung, mit dem Weiterbau einzuhalten, indem man wegen einer neuen Extractionsmethode mit dem Erfinder in Verhandlung stehe und dieselbe sogleich einzuführen gedenke.

Der Erfinder ist ein Amerikaner, Namens Smith, Zimmermann von Profession. Er hatte in Sacramento in einer Anstalt gearbeitet, wo die Zersetzung der Sulphurete mit vegetabilischen Säuren, caustischem Kalk etc. versucht wurde, wobei Smith ein Mittel entdeckte, die Zersetzung vollständig zu bewirken. Er verarbeitet nun in San Francisco das Erz der Ophir-Comp. in 10 eisernen Pfannen, 5 Fuß im Durchmesser weit, welche ganz nach Art der Arastras eingerichtet sind, nur daß unter jeder Pfanne eine Feuerung angebracht ist.

Das feingemahlene Erz kommt ohne alle Vorbereitung in die Pfanne mit dem halben Gewicht Quecksilber nebst so viel Wasser, daß ein dünner Brei entsteht, und dem Pulver, dessen Zusammensetzung geheim gehalten wird. Das Ganze wird wie in der Arastra mit vier laufenden Steinen in Bewegung erhalten und nach 4 Stunden abgelassen, das Quecksilber aber bleibt in der Pfanne für die folgenden Chargen und zwar so lange, bis es hinlänglich Amalgam aufgenommen hat.

Ich habe 240 Pfd. des ausgebrachten Silbers gesehen, das 997 fein war, während das Erz nicht unbedeutende Mengen Kupfer enthält. Smith und Comp. verpflichten sich, die Tonne Erz mit einem Kostenaufwand von 25, höchstens 30 Doll. zu verarbeiten, während bei der Fässeramalgamation das Salz allein, bei 10 Proc. Zusatz, auf 20 Doll. per Tonne zu stehen kommt. Das zugesetzte Ingrediens soll in San Francisco 2 1/2 Doll. per Tonne betragen; es ist demnach nicht begreiflich, warum die Tonne auf 25–30 Doll. veranschlagt wird, da der Aufwand für das Pochen und Mahlen unbedeutend ist. Ueber den Quecksilberverlust konnte ich nichts erfahren, auch keine Details erhalten.

Das Erz der Ophir-Comp. besteht hauptsächlich aus Zinkblende, Eisenkies, Sprödglaserz, Schwefelsilber, Antimonsilber, gediegen Silber und Gold, Kupferkies, Bleiglanz, |159| zuweilen kohlensaurem Blei- und Kupferoxyd. Der Bleigehalt variirt von 5 zu 10 Proc., der Antimongehalt ist zuweilen sehr bedeutend und als Beispiel will ich anführen, daß, als das Erz in San Francisco geschmolzen und das erhaltene Werkblei abgetrieben wurde, sich zeitweise so viel Antimonrauch entwickelte, daß es durchaus unmöglich war, das Bleibad zu sehen, und der Treiber gezwungen war, blindlings abzuziehen. Da das Blei sehr silberreich war, so legte sich dabei nicht nur an die Werkzeuge, sondern auch an die Außenseite der Arbeitsöffnung und sogar an das Blechdach im Innern des Gebäudes ein schöner rosenrother Beschlag an, der 1 Proc. Silber enthielt.

Wenn dieser neue Proceß den Erwartungen entspricht und wirklich Vortheile gegen alle anderen Extractionsmethoden darbietet, so werde ich darauf zurückkommen. Washoe Valley, 15. Januar 1861. (Berg- und hüttenmännische Zeitung, 1861, Nr. 14.)

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Mc. Culloch ließ sich sein Verfahren auch in England patentiren; man s. polytechn. Journal Bd. CLIX S. 212.

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