Titel: Horn weiß, gelb und perlmutterfarbig zu beizen; von Gustav Mann in Stuttgart.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 160/Miszelle 8 (S. 159–160)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj160/mi160mi02_8

Horn weiß, gelb und perlmutterfarbig zu beizen; von Gustav Mann in Stuttgart.

Unter sämmtlichen bis jetzt bekannten Beizmethoden ist keine, welche die obigen Farben erzielte. Beinahe ausschließlich beschränken sich dieselben auf das Hervorbringen von Tönen zwischen schwarz und rothbraun, und liegen allen diesen Methoden die Verbindungen des Bleies, Quecksilbers und Eisens mit dem in dem Horn enthaltenen Schwefel zu Grunde. Der Aufforderung eines Freundes Folge leistend, beschäftigte ich mich vor einiger Zeit, obige Aufgabe zu lösen, wobei ich nachfolgende Erfahrungen sammelte.

Horn auf directem Wege, mittelst der gewöhnlichen Verfahrungsweise, weiß zu beizen, wollte mit nicht gelingen, sey es aus Mangel an den nöthigen Apparaten, oder sey es, daß es wirklich schwieriger seyn dürfte, als auf dem von mit später eingeschlagenen indirecten Wege, der übrigens in praktischer Beziehung von größerem Nutzen seyn dürfte, als jenes directe Verfahren, auch wenn es ganz gelingt. Es ist nämlich durch meine Verfahrungsweise nachgewiesen, wie die verschiedensten Metalloxyde, deren Verwandtschaft zum Schwefel größer ist als die des Bleies, in die Hornsubstanz hineingebeizt und dadurch die verschiedensten Farbentöne erzielt werden können, an welche auf anderem Wege gewiß nicht zu denken ist. Ich selbst bin dabei auf überraschende Resultate gekommen.

Um Horn weiß zu färben, beizte ich dasselbe vorher auf die gewöhnliche Weise mit Mennige braun an, zersetzte alsdann das gebildete Schwefelblei mittelst arsenik- und eisenfreier Salzsäure in Schwefelwasserstoff, welcher entweicht und durch seinen Geruch leicht kennbar ist, und in Chlorblei, welches als weißer Körper im Horn zurückbleibt. Dieses Chlorblei gibt dem Horn eine schöne, milchweiße Farbe und läßt sich gut Poliren. Wird diese Operation mit Reinlichkeit und Pünktlichkeit ausgeführt, so ist das Resultat unfehlbar. Begreiflicherweise je durchsichtiger das Horn ist, desto reiner die weiße Farbe. In der Hand des Praktikers, dem es überlassen ist, dieses Verfahren seinen Zwecken anzupassen und zu vervollkommnen, dürfte es namentlich für die Knopf- und Kammfabrication von Nutzen seyn.

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Zu gleicher Zeit ist ersichtlich, daß durch die Gegenwart von Chlorblei im Horn die Basis zu neuen Verbindungen gelegt ist, wovon ich hier anführen will: das Chlorblei hat zu Chromsäure eine größere Verwandtschaft als zum Chlor, das Chlor wird durch dieselbe ausgeschieden, und man erhält chromsaures Bleioxyd in den schönsten gelben Tönen. Mein Verfahren war einfach folgendes: das weißgebeizte Hörn wird in eine Lösung von doppelt-chromsaurem Kali gebracht, worauf augenblicklich die gelbe Farbe erscheint. Diese Beize dürfte für Stockfabrikanten und Dreher von Nutzen seyn, wo es gilt, die Farbe des Buchsholzes nachzuahmen.

Um dem Hörne Perlmutterglanz zu verleihen, lege man es braun angebeizt in ganz verdünnte kalte Salzsäure, und beinahe augenblicklich werden sich silberweiße reflectirende Schichten von Chlorblei bilden, wodurch der Zweck schon erreicht ist, denn je nach der Structur des verwendeten Horns ist der Perlmutterglanz außerordentlich täuschend nachgeahmt, und durch das Auge von dem des ächten dunkeln Perlmutter kaum zu unterscheiden.

Diese letzte Methode ist namentlich für Knopffabrikanten beachtenswerth, indem das Gros Perlmutterknöpfe dreifach theurer bezahlt wird als das der Hornknöpfe. (Württembergisches Gewerbeblatt, 1861, Nr. 10.)

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