Titel: Wohnlich's Kesselstein-Apparat.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 160/Miszelle 3 (S. 235–236)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj160/mi160mi03_3
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Wohnlich's Kesselstein-Apparat.

Der Werkmeister der Main-Neckarbahn in Heidelberg, Hr. Wohnlich, hat schon seit verflossenem Sommer einen Kesselstein-Apparat, jedoch anderer Construction als der Schau'sche Apparat, in dem Dampfkessel der stehenden Maschine der Betriebswerkstätte im Gange, der sehr einfach ist und seinem Zweck vollkommen genügt.

Der Apparat ist von starkem Weißblech construirt und befindet sich im Innern des Dampfkessels, das Speisewasser wird durch den Apparat durchgeführt, verliert darin die überschüssige Kohlensäure, und der nun frei gewordene einfach-kohlensaure Kalk krystallisirt im Apparate fest an, und das so gereinigte Speisewasser gelangt dann in das Wasser des Dampfkessels, in welchem sich kein Kesselstein mehr ansetzen kann. Alle 2 bis 6 Wochen, je nach der Größe des Kessels und des Apparates, wird dann einfach das Mannloch geöffnet, der Apparat herausgezogen, von dem darin befindlichen Kesselstein, der die schönsten Incrustationen bildet, befreit und ohne das Wasser aus dem Dampfkessel abzulassen, wieder in denselben eingesetzt und das Mannloch geschlossen. Von Zeit zu Zeit wird auch der Dampfkessel ganz ausgeblasen, um die organischen und sonstigen Bestandtheile des Wassers, Thon, Kochsalz etc., die als feiner Schlamm und Pulver am Boden des Kessels liegen, herauszuschaffen, da diese Bestandtheile der Wasser sich nicht als sogenannter Kesselstein am Innern des Dampfkessels festsetzen.

Am 10. März 1. J. wurde nun in Gegenwart von Hrn. Oberingenieur v. Weiler, Hrn. Bezirksingenieur Jost, Hrn. Professor Dr. Walz, Hrn. Privatdocent Dr. Meidinger und Hrn. Dr. Beckmann, Director der Ultramarinfabrik hier, ein Versuch mit der Wirkung des Apparats gemacht.

Der Apparat war 14 Tage in Thätigkeit und während dieser Zeit wurden 595 oder rund 600 Kubikfuß Wasser verdampft; nach den Analysen von Hrn. Professor Dr. Walz und Hrn. Director Dr. Beckmann beträgt der feste Rückstand des verwendeten Speisewassers nach dessen Abdampfung in einem Liter 0,394 Gramme, oder in 50 Kubikfuß Wasser ein Pfund.

Nachdem der Apparat aus dem Dampfkessel herausgezogen war, zeigte derselbe sich ganz angefüllt mit den schönsten Kalk-Incrustationen, die getrocknet wogen 8,5 Pfd.; es wurden demnach durch den Apparat 71 Procent von den sämmtlichen Rückständen aufgefangen und die Kesselwände zeigten sich im Innern ganz rein und frei, was, wie auch in der früheren Beschreibung des Schau'schen Apparates ganz richtig bemerkt ist, daher rührt, daß nur die kohlensauren Salze, die im Apparate aufgefangen werden, die festen Rinden an den Kesselwänden bilden.

Bei Dampfkesseln von sehr großen Dimensionen, so wie bei Locomotiven und Locomotiv-Dampfkesseln ist es nöthig einen besonderen kleinen Cylinder, der den entsprechenden Druck aushält, auf die Dampfkessel am Mannloch aufzusetzen, worein dann der Apparat gestellt wird. Der Apparat selbst ist um wenige Gulden herzustellen und wird im Augenblick ein solcher in der Ultramarinfabrik in Heidelberg in Gang gesetzt.

Der Erfinder ist im Augenblicke beschäftigt, seine Erfindung zu verwerthen. – Heidelberg im März 1861. (Eisenbahnzeitung, 1861, Nr. 13.)

Man sehe über den Schau'schen Apparat polytechn. Journal Bd. CLIX S. 461.

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