Titel: Schalengußräder für Eisenbahnwagen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 160/Miszelle 4 (S. 236–237)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj160/mi160mi03_4

Schalengußräder für Eisenbahnwagen.

In der Monatsversammlung des österreichischen Ingenieurvereins am 3. November 1860 hielt Hr. Inspector Alexander Strecker einen Vortrag über die Anwendung gußeiserner Räder bei Eisenbahnwagen. Die Wichtigkeit dieses Gegenstandes ergibt sich daraus, daß die österreichischen Bahnen allein gegenwärtig beiläufig 2600 Personen- und 20,000 Lastwagen, zusammen mit 90,400 Rädern besitzen, welche Räder an Material- und Arbeitskosten jährlich einen Aufwand von beiläufig 1,300,000 fl. verursachen. Unter der angegebenen Räderzahl befinden sich etwa 20,400 gußeiserne und 70,000 schmiedeeiserne (jene von Puddelstahl und Gußstahl mit eingerechnet). – Die Leistungen der Räder gleicher Art sind zwar verschieden, indem der Druck, welchem ein Rad beim Betriebe ausgesetzt ist, zwischen 25 und 75 Centner wechselt; doch kann man durchschnittlich annehmen, daß gute Tyres von Schmiedeeisen 1500, von Puddelstahl 2000 und von |237| Gußstahl 3500 Meilen laufen, bevor sie neu abgedreht werden müssen, und daß zweizöllige Eisentyres etwa 4,5 Jahre, Puddelstahltyres 6 Jahre und Gußstahltyres 10,5 bis 15 Jahre dauern.

Die Dauer der Schalengußräder, wie sie von Ganz in Ofen, Körösy in Graz und vom Eisenwerke Adolfsthal geliefert werden, beträgt 15 Jahre und darüber. Entsprechend den Leistungen sind auch die Preise sehr verschieden. Eisentyres kosten der Centner beiläufig 13 fl., Puddelstahltyres 15–20 fl. und die ausländischen Gußstahltyres (im Inlande werden bisher noch keine erzeugt) kommen der Centner auf 50 bis 60 fl. zu stehen. Die Schalengußräder, welche bei 3' bis 3' 3'' Durchmesser 5 bis 5,5 Centner schwer sind, kosten dagegen das Stück nur 55–60 fl.

Schmiedeeiserne und stählerne Tyres haben gegenüber den Schalengußrädern manche Vorzüge; erstere können abgedreht und rectificirt werden, die harten gußeisernen Räder aber nicht; die letzteren dürfen auch nicht fest gebremst werden, weil sonst flache Stellen und Brüche entstehen; überhaupt besitzen die schmiedeeisernen und stählernen Räder eine größere Festigkeit als die Schalengußräder, während sich diese durch größere Härte auszeichnen. Vergleicht man jedoch die Kosten der Anschaffung und Erhaltung verschiedener Räder, so ergibt sich der jährliche Aufwand für ein Rad mit schmiedeeisernem Tyre zu 16 fl. 22 kr. und für ein Schalengußrad zu 9 fl. 66 kr., wobei für diese letzteren nur eine durchschnittliche Dauer von 9 Jahren angenommen wurde. Es stellt sich daher zu Gunsten der letzteren eine Ersparniß von 6 fl. 56 kr. jährlich für ein Rad heraus. Da man nun annehmen kann, daß von den vorhandenen 90,400 Rädern ein Dritttheil mit und zwei Drittheile ohne Bremse laufen, so würden bei dem gegenwärtigen Stande der Eisenbahnfahrzeuge 60,000 Stück Schalengußräder angewendet werden können und hiedurch im Vergleiche mit schmiedeeisernen Rädern eine Ersparniß von 390,000 fl. jährlich erzielt werden.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: