Titel: Galvanische Einfassung der Schmucksteine, von Gandon.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 160/Miszelle 5 (S. 237–238)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj160/mi160mi03_5

Galvanische Einfassung der Schmucksteine, von Gandon.

Anstatt wie bisher die Höhlungen zur Aufnahme der Edelsteine in die zu verzierenden Metalle zu machen, bildet Gandon aus mehreren Stücken auf galvanischem Wege die metallischen Zwischenräume, welche die Edelsteine trennen und einschalten sollen. Zu diesem Behufe modellirt er auf einer aus weichem Wachs gebildeten Form die Verzierung, die die Edelsteine bekommen sollen, und gibt selbst zum Wachs um es flüssiger zu machen, etwas Pech. Die Modellirung geschieht entweder mit Formen oder aus freier Hand. Sodann bringt er an den verschiedenen Punkten der Verzierung, wo die Steine angebracht werden sollen, die Steine hin, und drückt sie in das Wachs, bis die größere Partie ungefähr 1/2 Millimeter über die gesonnte Oberfläche hervorragt; hierauf metallisirt er mit Sorgfalt die mit den Steinen versehene Form, und nachdem die Steine gut gereinigt wurden, setzt er das Ganze in ein galvanoplastisches Bad, welches den metallischen Niederschlag bilden soll. Nachdem der Niederschlag gemacht ist, findet man die Steine in dem Metalle a jour eingefaßt und kann man selbst dessen Oberfläche in eine Linie bringen – ein Resultat, welches man nach der gewöhnlichen Methode nicht erreichen kann.

Bisher hat Gandon diese Methode auf die billigen Bijouterie-Waaren angewendet, indem er bloß mit unvollständigen Stampiglien, mit Straß und Kupferbädern gearbeitet hat, und die Producte auf gewöhnlichem galvanoplastischen Wege versilbert oder vergoldet. Ebenso vortheilhafte Resultate würde man aber auch mit feinen Steinen und Goldbädern erzielen. Ein Arbeiter, welcher bisher des Tages nur 60 Steine einfassen konnte, kann nach der angegebenen neuen Methode 1500–2000 davon einfassen, wodurch der Werth solcher im Handel vorkommenden Schmuckwaaren um ein Drittel sich hebt.

Gandon glaubt dieses Verfahren auch auf die Einfassung der gefärbten Fensterscheiben, die bisher mit Bleiblättern geschah, die aber von schlechter Wirkung sind, anwenden zu können, wodurch man einen schöneren Effect, größere Solidität und Ersparniß der Handarbeit erzielen würde.

Auch gilt dasselbe bezüglich der Mosaik auf Metallen. Ueberhaupt wird diese Methode in allen jenen Fällen mit Vortheil anwendbar seyn, wo man Kunstgegenstände von |238| kleinen Dimensionen mit einer Metallfassung zu versehen hat. (Mittheilungen des österreichischen Gewerbevereins.)

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