Titel: Elsner's Grün, Zinnkupfergrün und Titangrün.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 160/Miszelle 6 (S. 238)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj160/mi160mi03_6

Elsner's Grün, Zinnkupfergrün und Titangrün.

Die mit „Elsner's Grün“ bezeichnete giftfreie (arsenikfreie) kupferhaltige grüne Farbe wird nach Gentele im Wesentlichen auf die Weise dargestellt, wie Elsner schon vor mehreren Jahren in den Verhandlungen des Vereins zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen (polytechn. Journal Bd. CV S. 130) angegeben hat. Wenn dieselbe auch nicht das feurige Grün der arsenikhaltigen grünen Farben zeigt, so sind doch die im Handel vorkommenden Nüancen zu den guten grünen Malerfarben zu zählen und auf jeden Fall feuriger im Tone und nicht so matt, als die grünen Ultramarine.

Man stellt diese grünen Farben dar, indem zu einer Kupfervitriollösung eine mit Leim geklärte Gelbholzabkochung hinzugesetzt wird; außerdem wird diese Mischung noch mit 10–12 Proc. Zinnsalz (salzsaurem Zinnoxydul) versetzt und aus dem Ganzen nun durch den Zusatz eines Ueberschusses einer Kali- oder Natronlauge alles in Auflösung befindliche Kupfer gefällt; der Niederschlag wird vollständig ausgewaschen und getrocknet, wobei die grüne Farbe einen bläulichen Ton annimmt. Gelblicher wird dieselbe, wenn eine größere Menge Gelbholzabkochung angewendet wird.

Das Zinnkupfergrün ist zinnsaures Kupferoxyd und besitzt nach Gentele einen grünen Farbenton, welcher den bekannten arsenikfreien Grünen nicht nachsteht. Unter den von Gentele mitgetheilten Vorschriften zur Darstellung dieser grünen Malerfarbe sey folgende erwähnt: 125 Theile Kupfervitriol werden in Wasser (Regenwasser) aufgelöst und zu dieser Lösung wird eine Lösung von 59 Theilen Zinn in Salpetersalzsäure hinzugesetzt; zu dieser gemischten Lösung wird Aetznatronlauge im Ueberschusse hinzugefügt, wodurch ein grüner Niederschlag sich erzeugt, welcher, ausgewaschen und getrocknet, die grüne Malerfarbe darstellt.

Minder kostspielig ist nachstehendes Verfahren: 100 Theile salpetersaures Natron (Chilisalpeter) werden mit 59 Theilen Zinn in einem hessischen Tiegel geglüht und die erkaltete Masse in verdünnter Aetzlauge aufgelöst. Die Lösung läßt man abklären und verdünnt sie mit Wasser. Mit dieser Lösung wird eine kalte Lösung von Kupfervitriol versetzt, wodurch ein rothgelber Niederschlag entsteht, welcher aber beim Auswaschen und Trocknen eine schöne grüne Farbe annimmt.

Das Titangrün erhält man, wie Elsner bereits im Jahre 1846 angegeben hat, aus dem in großer Menge vorkommenden Iserin oder Titaneisen auf folgende Art:

Der Iserin wird geschlämmt und mit seinem 12fachen Gewichte saurem schwefelsaurem Kali in einem hessischen Tiegel geschmolzen; der geschmolzene erkaltete Rückstand wird mit Salzsäure bei 50° C. behandelt und heiß filtrirt; das Filtrat wird eingedampft, bis ein Tropfen auf einer Glasplatte erstarrt. Der in der Porzellanschale erstarrte Brei wird mit einer concentrirten Salmiaklösung übergossen, gut umgerührt und filtrirt; die zurückbleibende Titansäure wird mit verdünnter Salzsäure bei 50 bis 60° C. digerirt und die saure Lösung, nach Zusatz einer Lösung von Blutlaugensaz, rasch zum Kochen erhitzt, wodurch ein schon grüner Niederschlag entsteht, Titangrün, welches mit durch Salzsäure angesäuertem Wasser ausgewaschen werden muß; die Lösung der Titansäure muß sauer seyn, denn sonst entsteht ein gelbbrauner Niederschlag, der durch Stehen mit verdünnter Salzsäure grün wird. Durch Behandlung wit Ammoniakflüssigkeit wird der grüne Niederschlag zersetzt, er wird weiß. Das aus dem Iserin gewonnene Titangrün ist nach dem Auswaschen und vorsichtigen Trocknen (unter 100°) ein schön dunkelgrünes Pulver, welches als grüne unschädliche Anstrichfarbe sich verwenden läßt. (Elsner's chemischtechnische Mittheilungen für 1859–60.)

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