Titel: Anfertigung künstlicher Wetzsteine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 160/Miszelle 4 (S. 314–315)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj160/mi160mi04_4
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Anfertigung künstlicher Wetzsteine.

Diese für technische, sowie für hauswirthschaftliche Zwecke so nützlichen und bequemen Werkzeuge sind weniger bekannt, als sie es verdienen, und lassen sich in jeder Gegend, wo es Sand und Thon gibt, leicht fertigen. So viel Referent bekannt ist, hat die ersten solchen Wetzsteine die Porzellanfabrik zu Elgersburg in den Handel gebracht; die Elgersburger Wetzsteine bestehen aus Porzellanthon mit Sand von verschiedenem Korn versetzt und werden glashart gebrannt; man fertigt sie in den verschiedensten Abstufungen der Feinheit des Korns von dem gröbsten Sensensteine bis zum feinsten Abziehsteine zu Rasirmessern, und in den verschiedenartigsten Formen; ja selbst Schleifsteine in bekannter runder Form werden daselbst gefertigt, und da die Anfertigung so äußerst leicht ist, dürfte mit genauerer Beschreibung derselben Vielen ein Dienst geschehen.

Man wählt irgend einen plastischen Thon und reinigt ihn durch Schlämmen von allen Steinen; eben so wählt man einen feinen losen Sand, oder wo dieser nicht zur Disposition steht, festen Sandstein und stößt diesen zu Pulver; der Sand wird ebenfalls durch Waschen von allen Uneinigkeiten und beigemischter Erde befreit, getrocknet und dann durch Haarsiebe von verschiedener Weite in verschiedene Sorten getheilt; dieser Sand wird nun, je nachdem die zu fertigenden Wetzsteine zu gröberen oder feineren Zwecken bestimmt sind, zu 1/4 bis zu 7/8 dem Thone gleichmäßig beigemischt; aus der so bereiteten Masse werden mittelst Formen von Holz oder Gyps die Wetz- und Schleifsteine geformt, gut stuben- oder im Sommer lufttrocken gemacht, und sodann in einem Ziegel-, Kalk- oder Töpferofen mit der übrigen Waare gebrannt, oder wo ein solcher nicht zur Dispotion steht, in einem besonders dazu von Ziegelsteinen erbauten Windofen. Durch längeres Brennen werden die zu fertigenden Steine härter und fester und geben am Stahle Funken; durch mehr oder weniger Thonzusatz kann man die Steine weicher oder härter, durch feineren oder gröberen Sandzusatz feiner oder ordinärer machen; es kommt bei gleicher Qualität und Dauer ein künstlicher Wetzstein nur halb so hoch zu stehen, als ein natürlicher. In und bei Coblenz werden viele dergleichen Steine gefertigt, die zum Grundstoff die zu den sogen. Coblenzer Krügen bestimmte Thonmasse haben. Sollten der Thon und Sand sich im Feuer nicht gut vereinigen, so setzt man der Masse 1/8 zerfallenen gebrannten Kalk und 1/8 calcinirte Potasche zu. Die gebrannten Steine werden auf einem gewöhnlichen Sandsteine abgeschliffen und dadurch geeigneter gemacht, Metall anzugreifen und zu schärfen. (Artus' Vierteljahrsschrift für technische Chemie.)

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