Titel: Neues Verfahren, um vertiefte Gravirungen in erhabene umzuwandeln.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 160/Miszelle 5 (S. 315–316)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj160/mi160mi04_5

Neues Verfahren, um vertiefte Gravirungen in erhabene umzuwandeln.

Ein von den bekannten Typographen, den HHrn. Firmin und Didot erfundenes Verfahren, hat den Zweck auf ein und derselben Platte eine vertiefte Gravirung (nach Kupferstichmanier) in eine erhabene umzuwandeln, um sie dann nach Art des Holzschnittes in der Buchdruckerpresse abdrucken zu können.

Auf einer gut polirten Kupfer- oder Stahlplatte, die mit dem gewöhnlichen Kupferstecher-Firniß überzogen worden ist, gravirt man die Zeichnung mittelst des Grabstichels, indessen so ein, daß derselbe nur eben die bedeckende Firnißschicht durchdringt. Sobald die Zeichnung vollendet, legt man die Platte in ein stark saures Bad ein, das 40 Proc. Scheidewasser, 10 Proc. Schwefelsäure und eine Kleinigkeit Salmiak enthält. Sobald die Platte hinreichend geätzt, nimmt man sie aus dem Bade heraus und wäscht sie mit reinem Wasser sorgfältig ab. Da die Tiefe der Züge durchaus gleich seyn muß, darf man die schwächeren Partien nicht etwa mit Firniß decken, um dann die stärkeren weiter zu ätzen.

Nachdem die erste Aetzung beendet, nimmt man den Firniß mittelst Terpenthinöl von der ganzen Platte weg, und vergoldet dieselbe alsdann, entweder auf galvanischem Wege oder mittelst der Feuervergoldung.

Sobald dieß geschehen, füllt man die Gravirung mit einem für Säuren unangreifbaren Firniß aus, der aus Wachs, Harz und Leinölfirniß zusammengesetzt ist. Es geschieht dieß, indem man die Platte gelinde erhitzt.

Mit dem Schaber wird der auf den blanken Theilen sitzen gebliebene Firniß beseitigt, und die Platte dann mit Bimsstein und Kohle abgeschliffen, so daß alles auf den |316| blanken Stellen sitzende Gold entfernt wird. Man legt die Platte wieder in eine verdünnte Salpetersäure ein, die das blanke Kupfer rasch angreift, alle Stellen dagegen, die durch den Firniß und die Goldschicht geschützt sind, erhaben stehen läßt. Da man diese letztere Aetzung wenigstens dreimal so lange dauern läßt, als die erste, so bleiben die anfangs vertieft erschienenen Züge in etwa der doppelten Höhe erhaben stehen. Nach der Aetzung entfernt man den Firniß, und die Linien der Zeichnung erscheinen dann erhaben und mit Gold bedeckt. (Moniteur des Inter. mater.)

Ein schon früher vorgeschlagenes Verfahren, wobei man einfach die mit dem Stichel und dem Firniß eingeätzten Züge im Goldbade galvanisch vergoldete, und darauf das reine Kupfer ebenfalls auf galvanischem Wege durch Aetzung entfernte, erscheint uns einfacher und sicherer.

Bei dem ersten Aetzen nämlich kann es nicht ausbleiben, daß die Züge statt den Querschnitt U den Querschnitt V annehmen. Da nun auch die Seitenlinien der Furchen vergoldet werden, so werden beim zweiten Aetzen diese Seitentheile theilweise erhalten bleiben und sich als Goldblättchen ablösen. Die untere Linie wird viel schmäler seyn, als die obere; die Zeichnung wird daher im Relief in viel schwärzeren Zügen erscheinen, als anfangs. Auch dürften die schwachen Linien leicht unterfressen werden.

Am einfachsten wäre es dann wohl, die später im Relief stehen bleibenden Linien gleich anfangs auf die Platte mit Firniß zu zeichnen, der sie vor dem Angriffe der Säure beim Aetzen schützte. Statt Scheidewasser wäre jedenfalls ein regelmäßiger wirkendes Aetzmittel, wie Eisenchlorid oder Kupfervitriol mit Kochsalz zu empfehlen. Dr. H. Schwarz. (Breslauer Gewerbeblatt, 1861, Nr. 10.)

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