Titel: Anwendung des smaragdgrünen Chromoxyd-Hydrats statt Schweinfurtergrün in der Fensterrouleaux- und Tapetenfabrication.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 160/Miszelle 9 (S. 317–318)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj160/mi160mi04_9

Anwendung des smaragdgrünen Chromoxyd-Hydrats statt Schweinfurtergrün in der Fensterrouleaux- und Tapetenfabrication.

Hr. Heinrich Meyer, Firma: Fr. Mittler, in Augsburg, verwendet jetzt als prachtvolles, vollständig haltbares und der Gesundheit durchaus unschädliches Grün für Rouleaux, das Chromoxyd-Hydrat75) und beschränkt sich außerdem bei seinem Fabricat auf solche Farben, welche nicht nur von Arsenik, sondern auch von allen anderen giftigen Präparaten vollkommen frei sind, worüber ihm folgende Zeugnisse ausgestellt wurden:

Der Central-Verwaltungs-Ausschuß des Polytechnischen Vereins für das Königreich Bayern hat von Hrn. Heinrich Meyer, Firma: Fr. Mittler, Rouleaux- und Wachstuchfabrikant in Augsburg, ein Sortiment giftfreier bemalter Rouleaux nebst einem mit Schweinfurtergrün hergestellten Muster gleicher Art, zur chemischen Untersuchung und Beurtheilung vorgelegt erhalten.

Diese in genauester und gründlichster Weise ausgeführt, hat ergeben, daß das neue und sehr geschmackvoll ausgestattete Fabricat in allen seinen Farben nicht nur von Arsenik, |318| sondern auch von allen anderen giftigen Metallpräparaten vollkommen frei ist, so wie auch daß die Farben auf den Stoffen besser befestigt sind als es bei dem Schweinfurtergrün möglich ist, und daher beim Aufrollen und Reiben nicht verstauben. Zugleich behält die neue grüne Farbe des Hrn. Heinr. Meyer ihr Grün auch bei künstlicher Beleuchtung eben so gut wie bei gewöhnlicher Tageshelle, was sonst als ausschließlicher Vorzug des Schweinfurtergrüns galt. Der Central-Verwaltungs-Ausschuß erkennt auf Grund dieser Untersuchung die Bemühungen des Hrn. Heinr. Meyer das so gesundheitsschädliche Schweinfurtergrün und andere Giftfarben in der Rouleaux- und Tapetenfabrication durch unschädliche, aber eben so schöne und haltbare Farben zu ersetzen, als vollkommen gelungen und für diese Fabrication höchst werthvoll an, und ist in der Lage, die neuen Rouleaux aus der genannten Fabrik zum Gebrauche unbedenklich empfehlen zu können.

Der I. Vorstand: v. Haindl. Der I. Secretär: Dr. Kaiser.

München, den 8. Mai 1861.

Von Hrn. Rouleaux-Fabrikanten H. Meyer (Firma: Fr. Mittler in Augsburg) wurden dem chemischen Laboratorium der k. Akademie der Wissenschaften von ihm gefertigte grüne und farbige Rouleaux zur chemischen Untersuchung auf giftige Farben übergeben. – Die von mit ausgeführte Analyse ergab, daß dieselben frei von Arsenik waren, und auch keine anderen der Gesundheit schädlichen Farben76) enthielten.

Die zu diesen Rouleaux verwendete grüne Farbe ist ein unter gewöhnlichen Verhältnissen unveränderlicher Körper, und deßhalb wohl zu den haltbarsten Farben zu zählen. W. Seekamp, Assistent am chemischen Laboratorium der k. Akademie.

München, den 16. Mai 1861.

Zur Beglaubigung: J. v. Liebig.

|317|

Man s. über dasselbe polytechn. Journal Bd. CLII S. 191.

|318|

Bei der Untersuchung der zur Rouleauxfabrication bisher angewendeten, im Handel vorkommenden Farben, welche Hr. Meyer für seinen Zweck anstellen ließ, erwies sich insbesondere der mittelst Braunkohlen oder Steinkohlen dargestellte Ruß arsenikhaltig; man s. Dr. Smith's Beobachtungen über den Arsenikgehalt des Schwefelkieses der Steinkohlen, im polytechn. Journal Bd. CLVIII S. 396.

A. d. Red.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: