Titel: Die Speckgrieben-Schneidmaschine des Hrn. Louis Meyer in Darmstadt; von F. Fink, ständigem Secretär des großherzoglich hessischen Gewerbevereins in Darmstadt.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 160/Miszelle 10 (S. 398–399)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj160/mi160mi05_10

Die Speckgrieben-Schneidmaschine des Hrn. Louis Meyer in Darmstadt; von F. Fink, ständigem Secretär des großherzoglich hessischen Gewerbevereins in Darmstadt.

Mit Erfolg wurde nach und nach in verschiedenen Gewerben die frühere Handarbeit ganz oder theilweise durch Maschinenarbeit ersetzt. Auch die Urgewerbe der Metzger und Bäcker sind davon nicht unberührt geblieben. Wenn auch langsam, so finden doch mehr und mehr Teigknetmaschinen in größeren Bäckereien Eingang. Bei dem Metzgergewerbe |399| hat es nicht an Versuchen gefehlt, die zeitraubende Handarbeit des Griebenschneidens, Wurstfüllselhackens und Wurststopfens durch mechanische Vorrichtungen verrichten zu lassen. Bis jetzt ist uns indeß keine Speckgriebenschneidmaschine bekannt geworden, welche allgemeine Anwendung gefunden hätte. Nach wie vor werden die Grieben aus der Hand geschnitten. Die bis dahin gemachten praktischen Versuche müssen deßhalb in dieser Richtung ein günstiges Resultat nicht ergeben haben. Der Gegenstand hat allerdings seine eigenthümlichen Schwierigkeiten. Die schwammige Beschaffenheit der Speckmasse läßt sich nicht wie härtere Gegenstände behandeln und schneiden. Maschinen, mit welchen z.B. Rüben, Kraut, Aepfel u.s.w. recht gut in Würfelstücke geschnitten werden können, versagen den Dienst für das Speckgriebenschneiden.

Nach 5jährigem Bemühen und einer fortgesetzten Reihe directer Versuche ist es dem Hrn. Schlossermeister Louis Meyer dahier, welcher sich nunmehr ausschließlich mit mechanischen Arbeiten beschäftigt, gelungen, eine Griebenschneidmaschine zu construiren, welche allen Anforderungen der Praxis entspricht. Hr. Meyer hat seine Maschine nicht bloß hiesigen Metzgern vorgeführt und in deren Gegenwart die Maschine arbeiten lassen, sondern auch Metzgern in den Nachbarstädten Frankfurt, Offenbach und Mainz. Die HH. Metzgermeister sprachen sich, dem Vernehmen nach, höchst befriedigt über die Leistung der Maschine aus, und es sind auch bereits vielfache Bestellungen von solchen bei dem Erfinder und Verfertiger eingelaufen. Auf Einladung des Hrn. Meyer haben wir kürzlich einem Schneidversuche in der Metzgerei des Hrn. Rummel dahier beigewohnt. In 2 1/2 Minuten wurden 15 Pfd. Speck in Grieben geschnitten. Die Maschine arbeitete leicht, sicher und schon. Die benutzte Maschine war nur einfach wirkend; Hr. Meyer hat mittlerweile die Construction dahin abgeändert, daß die Maschine dreifach wirkt, wodurch mindestens die Hälfte des oben bemerkten Zeitaufwandes erspart wird. Zur Vergleichung der Leistungsfähigkeit der Meyer'schen Schneidmaschine, gegenüber der Handarbeit, dienen folgende Notizen. Um den Speck von drei Schweinen zu Grieben zu schneiden, brauchen drei Mann circa 2 1/2 Stunden; die Maschine verrichtet diese Arbeit in 10 Minuten; dabei werden die Grieben sehr gleichmäßig und die Arbeit ist durchaus reinlich. Ueber die sinnreiche Construction der Maschine können wir bis jetzt keine Mittheilung machen, da uns dieselbe zwar bekannt ist, aber vorerst geheim gehalten werden soll. Für das Großherzogthum Hessen ist die Erfindung bereits patentirt; Hr. Meyer beabsichtigt auch für andere Staaten Patente zu erwerben, oder die Erfindung an Auswärtige zur Patentnahme und Ausbeutung in ihren respect. Staaten zu verkaufen. Wir zweifeln, nach dem günstigen Urtheil welches die HH. Metzger über die Erfindung abgegeben haben, nicht an dem besten Erfolge und an baldiger allgemeiner Anwendung der Maschine. Der Preis einer Maschine beträgt 300 fl. Größere Metzgereien werden sich solche eigenthümlich anschaffen. Für kleinere Metzgereien kann eine gemeinschaftliche Anschaffung und Benutzung stattfinden, oder es kann ein Mann die Maschine anschaffen und, ähnlich wie dieß beim Bohnenschneiden und Krauthobeln der Fall ist, den im Ort ansässigen Metzgern und Privaten, welche Schweine schlachten, den Speck gegen Lohn schneiden. (Gewerbeblatt für das Großh. Hessen, 1861 S. 123.)

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