Titel: Ueber den Theingehalt des Paraguay-Thees, von Rammelsberg.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 160/Miszelle 11 (S. 399–400)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj160/mi160mi05_11

Ueber den Theingehalt des Paraguay-Thees, von Rammelsberg.

An Stelle des chinesischen Thees wird bekanntlich in den La-Plata-Staaten, Paraguay und dem südlichen Brasilien die Yerba Maté gebraucht; es sind die grob gepulverten Blätter und Stengel mehrerer Arten Hex (l. paraguayengis, I. theezans), welche diesen Paraguay-Thee liefern, dessen Cultur dem Schicksale des berühmten Bonpland eine so tragische Wendung gab. Der Thee ist ein Monopol der Regierung, welche in seinem Verkaufe eine bedeutende Einnahmequelle besitzt.

Nächst einigen vorläufigen Versuchen J. B. Trommsdorff's zeigte Stenhouse, daß im Paraguay-Thee dieselbe stickstoffreiche krystallisirende Verbindung, das Thein oder Caffein enthalten ist, welche im chinesischen Thee, im Kaffee und der Guarana sich gefunden hat. Stenhouse erhielt 0,13 Proc. Thein, d.h. etwa halb so viel als im Kaffee, und 1/10 von dem im chinesischen Thee enthaltenen.

Der k. Generalconsul für die La-Plata-Staaten, v. Gülich, übersandte dem Verf. vor einiger Zeit eine größere Menge Paraguay-Thee, und Dr. Stahlschmidt hat es übernommen, die chemische Untersuchung, insbesondere den Theingehalt betreffend, zu wiederholen.

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Die Extraction des Theins gelingt gut mit rectificirtem Steinkohlentheeröle (sogenanntem Benzol) als Lösungsmittel. Das Thein krystallisirt beim Erkalten heraus. Dr. Stahlschmidt hat auf solche Art, indem er freilich mit 18 Pfunden Thee arbeiten konnte, 0,44 Proc. Thein erhalten, d.h. die 3 1/3 fache Menge von der, die Stenhouse angibt. Da eine Elementaranalyse unnöthig erschien, begnügte sich Dr. Stahlschmidt mit einer Platinbestimmung des betreffenden Doppelsalzes, und fand der Theorie entsprechend, 24,4 Proc. Platin in demselben. Dieses Platindoppelsalz ist in heißem Wasser und Alkohol ziemlich leicht auflöslich.

Die nicht krystallisirbaren Körper des Paraguay-Thees erlauben keine präcise Untersuchungen. Die reichlich vorhandene Gerbsäure färbt Eisensalze dunkelbraun. (Bericht der Akademie der Wissenschaften zu Berlin, 1861 S. 263.)

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