Titel: Registrirendes Thermometer für Gartenhäuser.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 160/Miszelle 2 (S. 393–394)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj160/mi160mi05_2

Registrirendes Thermometer für Gartenhäuser.

Seit einiger Zeit haben englische Mechaniker dem Thermometer erneuerte Aufmerksamkeit zugewendet und an ihm manche mehr oder weniger wichtige Verbesserungen angebracht. Eines der vorzüglichsten Instrumente dieser Art, obwohl ziemlich kostspielig, ist der neue patentirte chronometrische Wärmemesser von Gauntlett, welcher eigens für den Gärtner erfunden zu seyn scheint und die Bestimmung hat, die Thermometerstände, sey es in den Pflanzenhäusern, sey es im Freien, bei Tag und bei Nacht anzuzeigen und zu notiren. Jeder Gewächshausbesitzer sollte dieses schätzbaren Instrumentes nicht entbehren dürfen.

Die hervorstechendste Eigenthümlichkeit dieses neuen Wärmemessers besteht in der Stellvertretung des Quecksilbers durch Metallröhren. Diese stehen mit einem Uhrwerke in Verbindung, welches eine Trommel in Bewegung setzt und durch dieselbe einen Papierstreifen. Die Thermometerröhren dehnen sich aus und ziehen sich zusammen nach Maaßgabe der einwirkenden Temperaturveränderungen, und die auf diese Weise hervorgebrachte Bewegung theilt sich einem Bleistifte mit, welches eine Linie auf jenem Papierstreifen zieht. Diese Linie zeichnet somit fortwährend alle Schwankungen der Temperatur auf. Den beschriebenen Papierstreifen ersetzt man durch einen andern. Er ist in der Weise linirt, daß die verticalen Linien der Thermometerscala, die horizontalen den Stunden des Tages und der Nacht entsprechen.

Dieses Instrument ist, wie aus Vorstehendem ersichtlich, ganz besonders dem Gärtner vortheilhaft, für welchen es von der größten Wichtigkeit ist, die Temperaturveränderungen genau kennen zu lernen, welche während seiner Abwesenheit eingetreten sind. Ein Blick auf den Papierstreifen genügt, um den Gang der Temperatur in einem Gewächshause |394| bei Tag und bei Nacht zu wissen, den Augenblick, in welchem die Veränderung eingetreten ist und ihre Dauer.

Das Uhrwerk besteht aus einem ungemein exact gearbeiteten acht Tage gehenden Chronometer und zeigt nebenbei auch die Stunden.

Die Empfindlichkeit des Gauntlett'schen Instrumentes ist sehr bedeutend, und auch die geringfügigsten Schwankungen der Temperatur werden sofort ausgedrückt. Sie findet ihre Erklärung in der Ausdehnung der metallischen Oberfläche, welche der umgebenden Luft dargeboten ist. Im Vergleich mit diesem Instrumente ist das Quecksilberthermometer in der Andeutung schwacher Temperaturveränderungen sehr träge, theils weil die Substanz der Röhre der schnellen Einwirkung vermehrter oder verminderter Wärme einen nicht geringen Widerstand entgegensetzt, theils weil die Oberfläche der Quecksilbersäule an sich wenig beträchtlich ist. Durch diese außerordentliche Empfindlichkeit erhält das Gauntlett'sche Instrument auch für wissenschaftliche Zwecke eine hohe Wichtigkeit. (Erf. Gen.-Anz.)

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