Titel: Anwendung der Nitrocuminsäure und des Furfurols in der Färberei.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 160/Miszelle 5 (S. 464)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj160/mi160mi06_5

Anwendung der Nitrocuminsäure und des Furfurols in der Färberei.

J. Persoz hat gefunden, daß die Nitrocuminsäure im Sonnenlichte bei gleichzeitiger Einwirkung von Wärme sich roth färbt. Setzt man diese Säure dem directen Sonnenlichte aus, so bleibt sie weiß und erleidet anscheinend nicht die geringste Veränderung; erwärmt man sie aber nach der Insolation, so färbt sie sich sofort roth. Diese Färbung läßt sich auch auf einem Gewebe hervorrufen. Zu dem Ende wurde Nitrocuminsäure in Ammoniak gelöst, die Lösung mit Dextrin verdickt und auf Baumwollzeug aufgedruckt. Letzteres wurde durch verdünnte Salpetersäure passirt, um die Nitrocuminsäure auf dem Gewebe zu fixiren. Nach dem Auswaschen wurde es eine Stunde lang dem Sonnenlichte ausgesetzt. Während dieser Zeit hatten die bedruckten Stellen eine schwach orangegelbe Färbung angenommen. Nach der Insolation brachte man den Zeug auf einen erhitzten Cylinder, wodurch das Dessin sofort scharlachroth wurde.

Stenhouse nahm vor längerer Zeit wahr, daß Furfurol dem Anilin eine schöne rothe Färbung ertheilt. Persoz fand, daß der Körper, von welchem diese Färbung herrührt, dadurch isolirt werden kann, daß man zu einer Lösung von Anilin in Essigsäure eine kalte wässerige Lösung von Furfurol (man kann das Furfurol anwenden, welches man beim Erhitzen von Kleie mit verdünnter Schwefelsäure als erstes Destillat erhält) unter Umrühren setzt. Die Flüssigkeit wird sofort roth und gibt an ihrer Oberfläche eine weiße Trübung, die beim Schütteln wieder verschwindet. Diese Trübung wird in dem Grade schwächer, als man sich dem Sättigungspunkte nähert und zuletzt, wenn eine hinreichende Menge Furfurol zugesetzt worden ist, nimmt man sie nicht mehr wahr. Darauf überläßt man die Flüssigkeit sich selbst, die nach kurzer Zeit sich fast gänzlich entfärbt und an den Wänden des Gefäßes eine dunkle pechige Masse absetzt, die einen cantharidengrünen Reflex besitzt. Diese Masse besteht aus dem fast reinen rothen Farbstoff. Sie wird mit destillirtem Wasser gewaschen und zuletzt getrocknet. Nach dem Trocknen ist sie hart und spröde, und besitzt eine goldgrüne Farbe. Sie ist fast unlöslich in Wasser, leicht löslich in Alkohol, Holzgeist und concentrirter Essigsäure. Gleich dem Fuchsin wird sie durch Ammoniak gelöst und entfärbt, und erhält auf Zusatz von Essigsäure ihre ursprüngliche Farbe wieder; sie löst sich auch in concentrirter Schwefelsäure und wird aus dieser Lösung durch Wasser in rothen Flocken gefällt.

Mit Mordants verbindet sich der rothe Körper nicht, doch läßt er sich auf Wolle und Seide fixiren. Die Nüancen sind eben so schön wie mit Fuchsin, leider jedoch nicht so beständig. (Wagner's Jahresbericht der Technologie für 1860, S. 487.)

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