Titel: Ueber das Entschälen der Seide.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 160/Miszelle 6 (S. 464–465)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj160/mi160mi06_6

Ueber das Entschälen der Seide.

Sobrero in Turin beobachtete eine auf das Entschälen der Seide mittelst Seife sich beziehende wichtige Thatsache. Ein Färber aus Turin hatte gezwirnte Seide (aus |465| dem Auslande) zu entschälen und verfuhr dabei wie gewöhnlich, indem er die Seide in einer Lösung von weißer Seife kochte. Das Wasser war mit Soda präparirt und die Menge der Seife betrug 20 Proc. vom Gewichte der Seide. Während des Kochens wurde das Seifenbad mager und klar, während die Seide, anstatt Glanz anzunehmen, ein mattes Aussehen zeigte und später beim Färben die Farbe nicht recht annahm, die ohnedieß das Glänzende nicht besaß, das man bei gefärbter Seide verlangt. Bei einer zweiten Operation mit derselben Seide und dem nämlichen Seifenbade bildete sich auf dem kochenden Bade ein Schaum, ja fast eine unlösliche Kruste, während das Bad selbst durchsichtig wurde. Sobrero untersuchte die in Rede stehende Seide, ohne die Ursache des eigenthümlichen Verhaltens derselben entdecken zu können. Es fand sich keine fremde Substanz, die vielleicht in der Absicht die Seide zu erschweren zugesetzt worden wäre, dagegen war der Aschengehalt dieser Seide ein sehr bedeutender. 100 Thle. bei 100° C. getrockneter Seide gaben 0,77, 0,994 und 1,012 Asche, die 0,42 – 0,489 Kalk, 0,142 Magnesia und 0,162 – 0,450 Thonerde und Eisenoxyd enthielt. Sobrero prüfte vergleichungsweise andere gezwirnte Seiden des Handels und eine Roh- oder Grezseide (die nur von dem Cocon abgehaspelt worden war) und fand darin dieselben Basen, obwohl in geringerer Menge als in obiger Seide. In der Grezseide (aus Piemont) bei 100° getrocknet fanden sich 0,644 Proc. Asche, die 0,526 Kalk und 0,118 Thonerde und Eisenoxyd enthielt (Magnesia war kaum in Spuren vorhanden). Die auf dem Seifenbade entstandene unlösliche Kruste enthielt die Verbindung der fetten Säuren der Seife mit den erwähnten Basen. Die Gegenwart des Kalkes in der Seide und der nachtheilige Einfluß desselben beim Entschälen ist zwar schon von Guinon hervorgehoben worden; derselbe erwähnt aber nicht die übrigen Basen, die von Sobrero in allen von ihm untersuchten Seidenproben gefunden wurden. Da es häufig vorkommt, daß die moulinirte und die Grezseide einen größeren Aschengehalt zeigt, als die Seide in dem noch ungehaspelten Cocon, so muß man annehmen, daß das beim Haspeln der Seide verwendete Wasser, wenn dasselbe reich ist an Kalk- und Magnesiasalzen, an die Seide Kalk und Magnesia abgibt, die dann beim Entschälen zur Bildung von unlöslicher Seife Veranlassung geben. Sobrero gibt den Färbern den Rath, von einer Seide, deren Natur und Ursprung nicht bekannt ist, immer nur eine Probe von einigen Grammen zu entschälen, und dabei das Verhalten des Seifenbades und den Glanz der entschälten Seide zu beobachten. Gibt sich dabei eine beträchtliche Menge anorganischer Basen zu erkennen, so muß man vor dem Entschälen zu dem Entkalken der Seide schreiten, indem man sie zuerst mit salzsäurehaltigem Wasser, dann mit schwacher Sodalösung wäscht. (Wagner's Jahresbericht der Technologie für 1860, S. 469.)

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