Titel: Wiederhold, über die Herstellung phosphorfreier Zündhölzer.
Autor: Wiederhold,
Fundstelle: 1861, Band 161, Nr. LXV. (S. 221–231)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj161/ar161065

LXV. Ueber die Herstellung phosphorfreier Zündhölzer; von Dr. Wiederhold, Lehrer der Chemie an der höheren Gewerbeschule in Cassel.

Mit Abbildungen auf Tab. III.

Durch die Erfindung der Phosphorzündhölzer wurden bekanntlich in verhältnißmäßig kurzer Zeit die meisten anderen Methoden, sich rasch Licht und Feuer zu verschaffen, verdrängt. Allein schon seit dem Beginne dieses wichtigen Industriezweiges machten sich eine Reihe von Nachtheilen geltend, die im Laufe der Zeit zu den Bestrebungen führten, den Phosphor in der Fabrication der Zündhölzchen durch eine andere Substanz zu ersetzen.39) Die Bedenken, welche man gegen die Anwendung des Phosphors erhoben hat, lassen sich in folgenden Punkten zusammenfassen:

1) Die hochgradige Giftigkeit des Phosphors: die ungehinderte Circulation eines so starken Giftes, die leichte Zugänglichkeit für Jedermann, gab die Veranlassung zu einer sehr beachtenswerthen Anzahl von Vergiftungsfällen, die bis jetzt wenigstens jährlich in der bedauerlichsten Weise vermehrt wird.40) Die Fabrication der Phosphorzündhölzer ist ferner mit Gefahren für die Gesundheit der Arbeiter verbunden, sie hat die bekannte Kiefernekrose im Gefolge, für welche das ätiologische Moment ausschließlich in dem Phosphor und zwar in der speciellen Art seiner Verwendung in der Zündholzfabrication zu suchen ist41);

2) die Phosphorzündhölzer sind zu leicht entzündlich, leichter, als es für den Zweck, welchem sie dienen sollen, erforderlich ist;

3) durch die Fabrication des Phosphors aus den Knochen wird der Landwirtschaft eine nicht unbedeutende Menge der werthvollsten Düngstoffe entzogen.

|222|

Es ist daher nicht zu verwundern, daß alle, besonders die in der neueren Zeit aufgetauchten Erfindungen, dem Phosphor seine schädlichen Eigenschaften zu benehmen oder ihn ganz aus der Masse der Zündhölzer zu eliminiren, das allgemeine Interesse in hohem Grade in Anspruch nehmen. So war es vor allen die Anwendung des amorphen Phosphors, der anscheinend die Nachtheile des gewöhnlichen Phosphors nicht theilend, diesen in der Fabrication der Zündhölzer ersetzen sollte. Die allzu sanguinischen Hoffnungen, welche man von vielen Seiten von dieser neuen Art Zündhölzer hegte, sind, soviel sich bis jetzt mit Bestimmtheit sagen läßt, nicht in Erfüllung gegangen. Trotz mehrfacher Unterstützung von Staatsbehörden (Frankreich) haben sich die Zündhölzer mit amorphem Phosphor keinen allgemeinen Eingang zu verschaffen vermocht. Ich verweise in dieser Hinsicht auf die von R. Wagner in seinen Jahresberichten über die Fortschritte der chemischen Technologie geltend gemachten Ansichten42) und möchte nur noch hinzufügen, daß nach den neueren Untersuchungen von Maier 43) auch die absolute Unschädlichkeit des amorphen Phosphors nicht über jeden Zweifel erhaben ist. Für den höheren Preis wurde bei diesen Zündhölzern in der That kein wirklich realer Vortheil als Compensation geboten. Bis jetzt muß daher wohl der Anwendung des amorphen Phosphors jede praktische Bedeutung abgesprochen werden. Ebenso verhielt es sich bisher mit den Bestrebungen, den Phosphor überhaupt aus der Fabrication der Zündhölzchen zu verdrängen. Die verschiedenen zu diesem Zwecke vorgeschlagenen Compositionen haben eine allgemeine Verbreitung und Anwendung noch nicht gefunden. Es führt diese Betrachtung in natürlicher Weise zu der Frage, welche Eigenschaften müssen Zündhölzer überhaupt, insbesondere aber solche ohne Phosphor haben, daß sich von ihnen eine allgemeine Einführung an der Stelle der gebräuchlichen Phosphorzündhölzer erwarten ließe?

1) Die Zündhölzer müssen sich durch einen kräftigen Strich auf jeder rauhen und glatten Fläche leicht und sicher entzünden lassen. Der Grad der Entzündlichkeit braucht, man kann sagen, darf nicht so groß seyn, wie bei den meisten im Handel befindlichen Phosphorzündhölzchen, indem ihre allzu leichte Entzündlichkeit, besonders in den Händen unverständiger Personen, eher als Nachtheil, denn als ein Vortheil angesehen werden muß; auf der andern Seite darf derselbe aber nicht so beschränkt seyn, daß es einer besonderen Vorschrift über die Art der Manipulation etc. bedarf.

|223|

2) Obwohl es in der Natur der Sache liegt, daß sich Zündhölzer bei erhöhter Temperatur entzünden, so wird man es doch als einen Vortheil ansehen, wenn die Entzündungstemperatur möglichst hoch liegt, höher z.B. als die der gewöhnlichen Phosphorzündhölzer.

3) Die Zündmasse darf weder in trockener noch in feuchter Luft eine Zersetzung erleiden, sie darf im Allgemeinen nicht hygroskopisch seyn, sie muß, was hiermit meist zusammenhängt, einen gewissen Grad von Festigkeit haben, damit sie weder durch den überseeischen Transport noch in feuchten Localitäten unbrauchbar wird.

4) Die Zündmasse darf keine giftigen Verbindungen enthalten.

5) Die Darstellung darf nicht mit Gefahren für das Leben und die Gesundheit der Arbeiter verknüpft seyn.

6) Beim Abbrennen dürfen sich keine die Geruchsorgane stark angreifenden Gase entwickeln, und

7) dürfen die Herstellungskosten die der Phosphorzündhölzer nicht bedeutend übersteigen. Vereinigt eine Zündmasse die ersten sechs Anforderungen. so dürfte es wohl auch gerechtfertigt erscheinen, den Preis derselben mäßig zu erhöhen.

Die erste Vorschrift zur Herstellung phosphorfreier Zündhölzer wurde meines Wissens von Hochstätter 44) veröffentlicht. Die Masse sollte folgendermaßen zusammengesetzt werden:

zweifach-chromsaures Kali 4 Theile.
chlorsaures Kali 14 „
Bleisuperoxyd 9 „
Kermes 35 „
Bimsstein 6 „
arabisches Gummi 4 „
Wasser 18 „

Es ist bekannt, daß sich nach diesem Recepte eine zweckentsprechende Zündmasse nicht herstellen läßt.45) Ich werde später noch einmal auf diese Zündmasse zurückkommen und zeigen, wie die Vorschrift hinsichtlich der Gewichtsverhältnisse der einzelnen Theile umgestaltet werden muß, um damit positive Resultate zu erzielen.

Später wurden von Luz 46) zwei Recepte mitgetheilt, deren wesentliche |224| Bestandtheile chlorsaures Kali, Dreifach-Schwefelantimon und salpetersaures Bleioxyd sind. Das erste sollte bestehen aus:

30 Gran arabischem Gummi,
235 „ chlorsaurem Kali,
75 „ Bleisalpeter,
5 „ zweifach-chromsaurem Kali,
280 „ schwarzem Schwefelantimon,
90 „ Sand.

Das zweite aus:

10 Gran arabischem Gummi,
80 „ chlorsaurem Kali,
30 „ Bleisalpeter,
5 „ zweifach-chromsaurem Kali,
80 „ Schwefelantimon,
50 „ Sand.

Fast gleichzeitig publicirte Canouil 47) in Frankreich Vorschriften zur Anfertigung phosphorfreier Zündhölzer. Die Massen sollten zusammengesetzt werden aus chlorsaurem Kali, einem Schwefelmetall und einem Superoxyd, oder aus chlorsaurem Kali, einem rauhen Körper (Glas- oder Bimssteinpulver) und zweifach-chromsaurem Kali.

Die Zündmasse, welche 1857 in Frankreich patentirt wurde,48) enthielt folgende Substanzen:

Dextrin 10 Theile.
chlorsaures Kali 75 „
Bleisuperoxyd 35 „
Schwefelkies 35 „

Die in den kleinen parallelepipedischen grünen Pappschachteln von einer Compagnie verfertigten und von Paris aus in den Handel gebrachten Canouil'schen Zündhölzer habe ich untersucht und in der Masse chlorsaures Kali, Bleisuperoxyd und Schwefelantimon gefunden, dagegen eine nur so geringe Menge Eisen, daß dieselbe als durch eine Verunreinigung des Schaufelantimons in die Masse gekommen angesehen werden kann. Leider war das mir zu Gebote stehende Material zu gering, um eine genaue quantitative Analyse vornehmen zu können.

Außer den letztgenannten befinden sich seit neuerer Zeit aus verschiedenen deutschen Fabriken hervorgehend phosphorfreie Zündhölzer im |225| Handel, unter denen vorzugsweise die aus der Fabrik von Kummer und Günther in Königswalde genannt zu werden verdienen. Die Masse dieser Hölzer besteht aus chlorsaurem Kali, schwarzem Schwefelantimon, salpetersaurem Bleioxyd und arabischem Gummi als Bindemittel. Die quantitative Zusammensetzung dieser Zündmasse wird in meiner dritten Versuchsreihe mitgetheilt werden.

An diesem Orte erlaube ich mir nur einige allgemeine Bemerkungen über die Analyse phosphorfreier Zündmassen einzuflechten, die sich hauptsächlich auf die Gewinnung des zur Analyse geeigneten Materials beziehen sollen. Wenn man, wie es für die Untersuchung der Zündmassen im Allgemeinen Vorschrift ist, die Zündhölzchen mit ihren Köpfen zum Aufweichen der Masse in Wasser stellt, die wässerige Lösung nebst den in Wasser unlöslichen Bestandtheilen wieder im Wasserbade eindampft, so erhält man, wie ich gerade bei der Analyse der Kummer- und Günther'schen Zündhölzer in Erfahrung brachte, niemals Resultate, nach denen sich eine Zündmasse componiren ließ, welche die Eigenschaften der untersuchten Zündhölzer besitzt. Man erhält, wie man sich durch nahe liegende Experimente überzeugen kann, zu wenig chlorsaures Kali und salpetersaures Bleioxyd, also ein Minus bei den im Wasser löslichen Bestandtheilen, bei sonst vollständiger Uebereinstimmung der Untersuchungsresultate. Der Grund für diese Erscheinung ist allein darin zu suchen, daß die im Wasser löslichen Bestandtheile der Zündmasse durch Capillarität in die Hölzchenmasse emporsteigen und sich zu einem großen Theile der Untersuchung entziehen. Um diesem Uebelstande zu begegnen, setze ich die zu 200–300 Stück zusammengebundenen Hölzchen nur wenige Secunden einem feinen Wasserdampfstrom aus, wie man ihn sich auf die vielfältigste Art leicht erzeugen kann. Die Masse wird dadurch locker und läßt sich mit einem feinen Platinspatel unter mäßiger Anwendung der Spritzflasche leicht von dem geschwefelten Ende des Hölzchens entfernen. Man verdampft das überschüssige Wasser alsdann im Wasserbade und behandelt die so getrocknete Masse zur Entfernung des mechanisch beigemengten Schwefels mit Schwefelkohlenstoff. Die weitere Analyse geschieht dann nach den bekannten Methoden.

Die von mir angestellten Versuche sind basirt auf die explosiven Eigenschaften des chlorsauren Kalis, des Nitromannits und des pikrinsauren Kalis.

Bevor ich die einzelnen Versuchsreihen mittheile, glaube ich zuerst einige Erörterungen über die Prüfungsmittel im Allgemeinen voraus schicken zu müssen, die zur Beurtheilung der verschiedenen Zündmassen in |226| Anwendung gebracht wurden. Gestützt auf die einleitungsweise aufgestellten Forderungen wurden sämmtliche Zündmassen untersucht:

1) auf den Grad ihrer Entzündlichkeit durch Reibung auf verschieden rauhen Flächen;

2) auf ihre Hygroskopität und ihre Beständigkeit in feuchter und trockener Luft;

3) wurde die Temperatur festgestellt, bei welcher sich die Zündhölzchen entzündeten;

4) wurden die Verbrennungsproducte analytisch bestimmt.

Der Forderung, daß eine Zündmasse keine giftigen Verbindungen enthalten soll, wurde dadurch genügt, daß alle, als starke Gifte bekannten Körper von den Versuchen ausgeschlossen wurden.

Die Beseitigung übelriechender Gase, welche bei der Verbrennung etwa auftreten könnten, wurde bei der Zusammensetzung der Massen besonders berücksichtigt.

Die Gefährlichkeit der Darstellung wird bei der Beschreibung der Anfertigung der Zündmassen besprochen werden.

Erwägungen über die Herstellungskosten werden am besten erst am Schlusse unserer Abhandlung ihren Platz finden, nachdem unter der großen Menge der Zündmassen durch die vorerwähnten Prüfungsmittel die nöthige Lichtung stattgefunden hat.

Daß sich ein Zündhölzchen überhaupt durch Reiben entzünden läßt, entspricht natürlich nicht den Anforderungen, welche man an eine Zündmasse zu stellen hat. Sie muß, wie schon bemerkt, einen gewissen Grad der Leichtentzündlichkeit besitzen. Zahlreiche Versuche ergaben, daß wenn überhaupt die Entzündung einer Zündmasse durch Friction zu bewirken ist, dieses auf einer fein gearbeiteten rauhen Fläche (= Nr. IV s. unten) bei senkrecht aufgesetztem Hölzchen, mäßig langem Strich = 2'', und möglichst starkem Händedruck geschieht. Bei sämmtlichen Zündmassen wurde in dieser Weise zuerst eine Vorprüfung angestellt. Bekanntlich wendet man aber weder einen sehr starken Händedruck an, noch pflegt man die Zündhölzchen senkrecht auf die Reibfläche aufzusetzen. – Den Grad der Entzündlichkeit beurtheilte man bisher ausschließlich nach dem Gefühle, nach dem größeren oder geringeren Druck, der rauhen Fläche etc., die man anwenden mußte, um ein Hölzchen zur Entzündung zu bringen. Diese Beurtheilungsweise steht auf sehr unsicherer Grundlage, besonders rücksichtlich der feineren Unterschiede, sie wird in denselben Grenzen schwanken, wie die Ausbildung des Tastsinnes bei den einzelnen Individuen. Die Idee, dieser unvollkommenen, eine von der individuellen Verschiedenheit unabhängige Prüfungsmethode zu substituiren, führte zur Construction |227| der im Folgenden beschriebenen Frictionsmaschine, wobei mich mein verehrter Freund und College, Hr. Ingenieur Spangenberg auf das wesentlichste unterstützte, und wofür ich demselben hiermit meinen verbindlichsten Dank abzustatten mich verpflichtet fühle.

Die Einrichtung des Apparats wird durch die Betrachtung der in Fig. 3 gegebenen Abbildung in 1/4 natürlicher Größe leicht ersichtlich werden. Auf einer gut polirten ebenen Fläche A bewegt sich der Rollwagen B mit einer bestimmten Geschwindigkeit, und zwar wird diese Bewegung durch den Fall eines Gewichtes bewerkstelligt, in unseren Versuchen 1 Pfund, welches mittelst einer Darmsaite, die über die verschiebbare Rolle b läuft, an den Rollwagen B befestigt ist. Der letztere (Fig. 4) ist so eingerichtet, daß sich auf ihm verschiedene rauhe Flächen, meist auf Bretchen aufgezogene Smirgelpapiere durch Einsenken mittelst Holzstiften befestigen lassen. Diese Einrichtung gestattet das leichte Wechseln der verschiedenen Reibflächen. Damit das Gewicht a nur bis zu einer bestimmten Höhe, nicht etwa bis auf den Fußboden herabfalle, erwies es sich am zweckmäßigsten, an dem anderen Ende des Rollwagens ebenfalls durch eine Darmsaite von bestimmter Länge ein Gegengewicht anzubringen. Begreiflicherweise kann derselbe Zweck auch schon dadurch erreicht werden, daß man der Schnur d eine bestimmte Länge gibt. Zu beiden Seiten der Ebene erheben sich (am letzten 1/3) die senkrechten Backen C, C, die oben schräg abgeschnitten und mit Einschnitten versehen sind zur Aufnahme des um die eiserne Achse e beweglichen Hebels D. Am unteren Ende und auf der Rückseite des letzteren befindet sich ein kleiner Einschnitt zum Einlegen des Zündhölzchens, welches durch eine verschiebbare Holzfeder in demselben festgehalten wird. Durch die Schraube E, sowie durch das Einsetzen des Hebels in die verschiedenen Lager läßt sich dem Hölzchen eine sehr variable Winkelstellung zur Reibfläche ertheilen. Auf dem Hebelarm D sind Behälter von Holz f, f befestigt, zur Aufnahme von Gewichten, um das Zündhölzchen verschieden belasten zu können, entsprechend dem Druck, welchen man mit der Hand beim Reiben anwendet. Am Rollwagen ist ferner die Einrichtung einer Auslösung angebracht. Wenn man den Reibungsversuch anstellt, so wird zuerst bei h das Zündhölzchen eingesteckt und zwar so, daß stets eine bestimmte Länge desselben über den Hebelarm herausragt; alsdann bringt man den Rollwagen unter das Zündhölzchen und regulirt mittelst der Schraube E die Stellung des Hebels so, daß das Zündhölzchen mit seiner Belastung auf der Reibfläche frei ruht. Man hebt sodann den Hebelarm in die Höhe, bringt den Rollwagen an das Ende der Ebene nach i und stellt den Hebel durch das Cylinderchen k so ein, daß das Hölzchen nur um ein Minimum über |228| seinen früheren Stand, d.h. über der Reibfläche erhöht ist. Wenn man den Wägen bei i los läßt, so schiebt der Auslösungsstift g zuerst das Cylinderchen k fort, das Zündhölzchen fällt auf die Reibfläche auf und erleidet die bezweckte Friction. Die eben beschriebene Auslösungs-Einrichtung ist insofern erforderlich, als ohne dieselbe sehr leicht die Zündmasse durch die scharfe Kante der Reibfläche von dem geschwefelten Ende des Hölzchens abgestoßen wird. Da es sich bei meinen Versuchen vorerst um eine Vergleichung verschiedener Zündmassen unter einander handelte, so wurden alle Versuche bei ein und derselben Winkelstellung des Zündhölzchens zur Reibfläche vorgenommen, sie entsprach einem Winkel von 40°. Dagegen wurde die Belastung des Hölzchens variirt und zwar stellte ich mir die Aufgabe, einmal einen hohen Druck und zwar einen solchen, der sehr nahe dem Brechungsexponenten des Hölzchens lag und zweitens einen, welcher dem gewöhnlich bei Phosphorzündhölzchen geübten Druck möglichst entsprach, in Anwendung zu bringen. Zu dem Ende wurde zuerst bestimmt, bei welcher Belastung die zu den Versuchen verwendeten geschwefelten Hölzchen, welche ein Hr. Fabrikant Miram in Bättenhausen bei Cassel zu überlassen die Güte hatte, brachen. Die Hölzchen waren runde und verhielten sich in der gedachten Richtung sehr verschieden; durchschnittlich war eine Belastung von 450 Grm. (250 Grm. in dem oberen und 200 in dem unteren Holzkasten) plus dem Gewichte des Hebelarmes selbst bei der constanten Winkelstellung und der bestimmten Länge mit welcher das Hölzchen über dem Hebelarm hervorragte, erforderlich, um dasselbe zum Brechen zu bringen. Hölzchen die bei geringerer Belastung, schon bei 200 Grm. brachen, was sich auf Grund der angestellten Versuche später leicht aus der Dicke der Hölzchen beurtheilen ließ, wurden von den Versuchen ausgeschlossen. Als eine dem Gewichte, bei welchem das Hölzchen bricht, nahe liegende Belastung wurde die von 400 Grm. gewählt (200 Grm. in dem oberen und 200 Grm. in dem unteren Behälter). Die mit dieser Belastung angestellten Versuche sind in der Folge mit der Bezeichnung a aufgeführt. Diese Belastung entsprach einem Drucke auf das Ende des Hölzchens von 300 Grm. Die Ermittelung dieses Druckes geschah dadurch, daß das Ende des so belasteten Hölzchens in einer Drahtschlinge mit der einen Seite einer im Gleichgewichte befindlichen empfindlichen Präparatenwaage (die bei 1000 Grm. Belastung noch 0,5 Grm. anzeigte) verbunden wurde und dann die andere Seite so lange mit Gewichten beschwert wurde, bis das gestörte Gleichgewicht wieder hergestellt war. Durch den gleichzeitigen Druck und Zug wurde die Stellung der Schneide in der Unterlage der Waage etwas verändert, die hierdurch entstehende Ungenauigkeit wird aber wohl bei Versuchen dieser Art nicht sehr in die |229| Waagschale fallen. – Um den gewöhnlich zum Entzünden der Phosphorzündhölzchen angewendeten Druck annähernd zu bestimmen, wurde folgendes Verfahren eingeschlagen. Ueber die Länge eines dünnen und schwanken Bretchens wurde mit Bleistift eine Linie gezogen, und an das Ende der Linie eine feine Drahtspitze in das Holz eingeschlagen. Das Bretchen wurde dann durch Schraubzwingen horizontal an einen Tisch so befestigt, daß der größte Theil desselben außerhalb des Tisches lag und sich auf einen z.B. auf der Bleilinie angebrachten Druck leicht abwärts bewegen ließ, ohne natürlich zu brechen. Alsdann wurde auf ein zweites Bretchen eine mit einer sehr dünnen Wachsschicht überzogene Glasplatte befestigt und dieselbe vertical so zu dem ersten Bretchen gestellt, daß der aus dem letzteren hervorragende Stift, wenn dasselbe nieder bewegt wurde, eine feine Linie in der Wachsschicht einriß. Wenn die zwei Bretchen in der Weise zu einander gestellt und gerichtet waren, wurde auf der Bleilinie ein Phosphorzündhölzchen (aus der Fabrik von Miram, die ihrer guten Zündpräparate wegen bekannt ist) mit gewöhnlichem Druck angestrichen. Der am Ende der Linie befindliche Stift zeichnete alsdann eine fast senkrechte Linie in die Wachsschicht der Glastafel. Dieser Versuch wurde mehrmals und von verschiedenen Personen wiederholt, und ergab bis auf geringe Differenzen übereinstimmende Resultate.

Um nun den Druck in Gewichten kennen zu lernen, wurde das Bretchen in der Mitte der Bleistiftlinie so lange mit Gewichtsstücken beschwert, bis der Stift an dem Endpunkt der von ihm gezogenen Linie angekommen war. Im Mittel war hiezu eine Belastung von 235 Grm. erforderlich. Dieses Gewicht wurde wiederum nach der oben angeführten Methode auf das Ende eines in die Maschine eingesteckten Hölzchens übertragen. Das Verfahren ist hier natürlich nur umgekehrt. Die eine Waagschale wird mit dem gefundenen Mittelgewichte beschwert, das in der Maschine eingesteckte Hölzchen aber mit einer Drahtschlinge mit der anderen Seite der Waage verbunden und nur so lange Gewichte in die Holzkästchen des Hebels D gelegt, bis die Waage wieder im Gleichgewicht stand. Dieß geschah gerade bei einer Belastung von 200 Grm. in dem unteren Behälter. Die bei dieser Belastung ausgeführten Versuche sind mit b bezeichnet.

Die Reibflächen wurden gebildet: 1) durch glatt gehobeltes Tannenholz, als Aequivalent für den Fußboden; 2) durch weißes Schreibpapier für die zum Anstreichen der Zündhölzchen gebrauchte Zimmertapete; 3) aus verschiedenen im Handel befindlichen Smirgel- und Sandpapieren, von denen sowie von den beiden ersten Reibflächen vorher die Reibungscoefficienten |230| (aus tg des Winkels bei welcher die rauhen Flächen von einander abrutschen) bestimmt wurde.

I. Weißes Papier hatte einen Reibungscoefficienten von 0,22.
II. Tannenholz 0,40.
III. Smirgelpapier (Hubert) Nr. 0 (fein gearbeitet) 0,57.
IV. von Bauer Nr. 00 (sehr fein gearbeitet) 0,60.
V. von Hubert Nr. 1 (mittelfein) 0,64.
VI. von Bauer Nr. B (mittelfein) 0,66.
VII. von Hubert Nr. 4 (grob) 0,69.
VIII. von Bauer Nr. C (grob) 0,70.
IX. von Hubert Nr. 3 (mittelfein) 0,73.
X. grobes Glaspapier 0,80.
XI. Smirgelpapier von Hubert Nr. 3 (fein) 0,81.

Diejenigen Zündhölzchen, welche auf der Maschine positive Resultate ergaben, wurden mehrere Tage in den Keller gestellt, in eine Atmosphäre, deren Feuchtigkeitsgehalt 70 Proc. betrug, dann wiederum getrocknet und zum zweitenmale auf der Maschine geprüft.

Gute Phosphorzündhölzer von Miram ergaben auf der Maschine, bei allen Reibflächen mit Ausnahme von II a und b, positive Resultate.

Die Hygroskopität der Zündmassen wurde in der Weise geprüft, daß die mit möglichst gleicher Oberfläche und in gleicher Quantität auf Uhrschälchen getrockneten und dann genau gewogenen Zündmassen mehrere Tage hindurch in einen Keller gestellt wurden, in welchem der Wassergehalt der Luft durchschnittlich doppelt so groß war, als der des Zimmers in welchem die Massen angefertigt wurden und trockneten. Die Gewichtszunahme in der feuchten Atmosphäre, die möglichst rasch im Zimmer bestimmt wurde, diente als Vergleichspunkt. Da es beinahe unmöglich war, geradezu gleiche Gewichtsmengen der betreffenden Massen zu verwenden, so wurde die Gewichtszunahme auf eine Mittelzahl berechnet. Die hieraus und durch das Trocknen der Masse während der zweiten Wägung erwachsenden Fehlerquellen waren, wie die mitgetheilten Zahlen ergeben, wohl ohne entscheidenden Einfluß, insofern es sich hier vorerst um eine Vergleichung der Massen untereinander handelte. Die auf diese Weise gewonnenen Resultate werden in Form von Tabellen mitgetheilt werden. Vergleiche mit Phosphorzündmassen folgen in einer späteren Versuchsreihe.

Die Entzündungstemperatur wurde in einem Luftbade bestimmt. Zu diesem Zwecke wurde der Schwefel von den Hölzchen so gut wie möglich entfernt, weil derselbe beim Erwärmen sehr bald flüssig wird, an dem Hölzchen herabrinnt und dann im Contact mit dem Metall des Luftbades sich entzündet. Die Entzündung pflanzt sich bis zur eigentlichen |231| Zündmasse fort und gibt dann leicht Anlaß zu einer fehlerhaften Bestimmung. Es schien, als ob sich aus den beiden ersten Versuchsreihen als allgemeines Gesetz ableiten ließe, daß bei allmählicher Erwärmung der Masse eine höhere Temperatur erforderlich ist, um die Entzündung zu bewirken, als wenn man die Masse plötzlich in eine schon auf eine gewisse Temperatur erwärmte Luft bringt. Die Größe der Masse schien wenig Einfluß auf die Leichtigkeit der Entzündung zu haben. Die Differenz in den Beobachtungen, es wurden durchschnittlich 3–4 Versuche angestellt, belief sich meist bis auf 20° C. Zum Vergleiche wurde die Entzündungstemperatur von Miram'schen Phosphorzündhölzern bestimmt. Dieselben entzündeten sich bei 100–105° C. Im Allgemeinen liegt die Entzündungstemperatur der phosphorfreien Zündmassen circa 60° C. höher.

(Die Fortsetzung folgt im nächsten Heft.)

|221|

Annales d'hygiène publique. II Ser. Tom. VI.

|221|

Chevalier sen., Journal de Chimie médicale, 1858.

|221|

Geist und Bibra, die Krankheiten der Arbeiter in den Zündholzfabriken etc.

|222|

Im polytechn. Journal Bd. CXLV S. 387.

|222|

Caspar's Vierteljahresschrift für gerichtliche Medicin, 1860.

|223|

Armengaud's Génie industriel, März 1858; polytechn. Journal Bd. CXLVIII S. 79; Wagner's Jahresbericht für 1857, S. 516.

|223|

Reinsch in der Fürther Gewerbezeitung; Wagner's Jahresbericht für 1858, S. 645.

|223|

Württembergisches Gewerbeblatt, 1858, Nr. 43; Wagner's Jahresbericht für 1858, S. 646.

|224|

Comptes rendus t. XLVII p. 1268; polytechn. Journal Bd. CLI S. 231; Wagner's Jahresbericht für 1858, S. 646.

|224|

Armengaud's Génie industriel, Januar 1859; polytechn. Journal Bd. CLI S. 231; Wagner's Jahresbericht für 1859, S. 698.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Tafeln


Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: