Titel: Ueber die Gefahren beim Beizen und Trocknen der Hasen- und anderer Felle behufs der Fabrication von Filz.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 161/Miszelle 11 (S. 320)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj161/mi161mi04_11

Ueber die Gefahren beim Beizen und Trocknen der Hasen- und anderer Felle behufs der Fabrication von Filz.

Um Filz zu bereiten, wie er z.B. zur Fabrication von Filzhüten verwendet wird, ist es erforderlich, daß die Haare, wenn sie noch auf dem Felle sind, mit einer verdünnten Auflösung von salpetersaurem Quecksilberoxyd, welcher nach einer alten Vorschrift auch noch Arsenik zugesetzt wird, angefeuchtet werden. Diese Flüssigkeit nennt man die Beize. Die Anfeuchtung der Felle, das Beizen, bezweckt das Zusammengehen der Haare, ohne welche Veränderung sie sich zu Filz nicht verarbeiten lassen. Berichten aus Wien zufolge sind neuerlich wiederholt Fälle vorgekommen, daß Hutmachergehülfen ins allgemeine Krankenhaus gebracht werden mußten, welche in Folge einer Quecksilber- und Arsenikvergiftung dergestalt erkrankt waren, daß an allen Gliedmassen ihres Körpers heftiges nervöses Zittern sich zeigte; es liegt auf der Hand, daß, wenn derartige Vergiftungen bei einem und demselben Menschen sich wiederholen, die Gesundheit auf Lebenszeit verloren gehen muß.

Die Vergiftung aber ist um so leichter möglich, da namentlich in kleinen Geschäften die gebeizten Felle auf heißen Platten getrocknet und augenblicklich weggenommen werden müssen, wenn sie trocken sind, damit sie nicht verbrennen, – ein Umstand, der eben die ununterbrochene Gegenwart des Arbeiters bei dem Trocknen der Felle, von denen salpetersaure und Quecksilberdämpfe aufsteigen, nothwendig macht. Mögen die gefährlichen Krankheiten, denen die Hutmacher und die Arbeiter in Haarbeizfabriken beim Beizen und Trocknen der Felle ausgesetzt sind, ein Mahnruf seyn, von der alten Methode, Arsenik der Beize zuzusetzen und die Felle auf Platten zu trocknen, endlich einmal abzulassen; mögen sie dazu beitragen, den Arsenik von der Bereitung jener Beize auszuschließen und das Trocknen der Felle, wenn noch nicht überall in einer besonderen Beizkammer, doch mindestens, wo der Bedarf an Fellen nicht groß ist, in einem umgekehrten oben verschlossenen Fasse vorzunehmen, welches inwendig an den Wänden mit Haken zum Aufhängen der Felle versehen ist und nur über ein glühendes Kohlenbecken im Freien aufgestellt zu werden braucht, wenn das Trocknen vorgenommen werden soll. (Böttger's polytechnisches Notizblatt, 1861.)

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