Titel: Ueber Bowditch's Verfahren um das Steinkohlengas von Schwefelkohlenstoff zu reinigen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 161/Miszelle 5 (S. 316–317)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj161/mi161mi04_5

Ueber Bowditch's Verfahren um das Steinkohlengas von Schwefelkohlenstoff zu reinigen.

Im polytechn. Journal Bd. CLX S. 276 wurde das Verfahren von W. Bowditch mitgetheilt, um das Steinkohlengas von Schwefelkohlenstoff zu reinigen.

Das Augustheft 1861 von Schilling's Journal für Gasbeleuchtung enthält S. 263 folgenden Bericht über eine, von einem Sachverständigen angestellte Prüfung dieses Verfahrens:

„Gebrannter Kalk wurde mit Wasser gelöscht, das überschüssige Wasser durch Erhitzen entfernt, und das feinere Pulver abgesiebt. In ein spiralförmig gewundenes Glasrohr wurden darauf die Kalkstückchen gebracht, einer Temperatur von 140 160º C. im Luftbade ausgesetzt und ein langsamer Strom von Steinkohlengas darüber geleitet, welches zur Entfernung jeder möglichen Verunreinigung durch Schwefelwasserstoff zuvor mit Aetzkalilauge behandelt worden war. Der Schwefelkohlenstoff zersetzte sich auf Kosten des Wassers im Kalkhydrate zu Schwefelwasserstoff, und schon nach Durchleitung von 2 Kubikfuß Gas zeigte das vorgelegte Bleipapier eine deutliche Schwärzung. Der Kalk war durch die in der Hitze ausgeschiedene Kohle und Theer schwärzlich gefärbt. Herr Bowditch nimmt an, der hiebei entstehende Theer sey schon im Gase fertig gebildet enthalten, aber nach dem, was man aus den Versuchen von Magnus über das Verhalten der schweren Kohlenwasserstoffe bei höherer Temperatur weiß, ist es gerathener, anzunehmen, daß er sich bei der Temperatur des Luftbades erst bilde. Der größte Theil der Kohlenwasserstoffe ist jedoch unzersetzt geblieben, da die Flamme des über den Kalk gegangenen Gases noch eine beträchtliche Leuchtkraft hatte. Das Verhalten des Kalkhydrates wurde zur quantitativen Bestimmung des Schwefelkohlenstoffs benutzt, indem 23,76 Liter = 0,956 Kubikfuß bayerisch (auf 0º C. und 760 Millimeter Barometerstand reducirt) über schwefelsäurefreies glühendes Kalkhydrat geleitet wurden. Der gebildete Schwefelwasserstoff wurde durch eine Bleilösung absorbirt und als schwefelsaures Bleioxyd gewogen. Dieses betrug 0,0025 Grm., welchen 0,000314 Schwefelkohlenstoff entsprechen. Ein anderer Theil des Schwefelkohlenstoffs zersetzte sich mit dem Kalkhydrat zu Schwefelcalcium. Dieses wurde mit Salzsäure zersetzt und der entweichende Schwefelwasserstoff ebenso als schwefelsaures Bleioxyd bestimmt. Dieses betrug in diesem Falle 0,020 Grm., welchen 0,00251 Grm. Schwefelkohlenstoff entsprechen. In Summa waren also in 23,76 Liter des untersuchten Steinkohlengases 0,002824 Grm. Schwefelkohlenstoff enthalten. Das spec. Gewicht des Gases wurde mittelst des Apparates von Schilling bestimmt und als 0,473 festgesetzt. Mithin wiegen 23,76 Liter Gas 14,53 Grm., und der Procent-Gehalt an Schwefelkohlenstoff betrug 0,020 Procent.“

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Bowditch gebührt das Verdienst, zuerst ein Verfahren ermittelt zu haben, wodurch man im Stande ist, im Großen das Steinkohlengas von dem Schwefelkohlenstoff zu reinigen, wenn es solchen in einem Verhältniß enthält, wobei dessen Abscheidung als wünschenswerth erscheint. Ob durch Anwendung seines Verfahrens die Leuchtkraft des Gases in einem beachtenswerthen Grade beeinträchtigt wird, kann nur durch genaue, im Großen angestellte Versuche entschieden werden.

Die Redaction d. p. J.

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