Titel: Ueber die Anwendung der kreosothaltigen Steinkohlentheer-Oele zum Imprägniren von Hölzern in England.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 161/Miszelle 8 (S. 464–465)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj161/mi161mi06_8

Ueber die Anwendung der kreosothaltigen Steinkohlentheer-Oele zum Imprägniren von Hölzern in England.

Hierüber findet sich ein Aufsatz von Hrn. Vogt in Bromberg in der Berliner „Zeitschrift für Bauwesen“, Jahrg. XI, Heft VII bis X, S. 427. Die Oele bilden den Theil der Destillationsproducte, welcher übergeht, nachdem die Temperatur 180° C. überschritten hat. Einige treiben die Hitze bei der Destillation so weit, daß alle öligen und fettigen Bestandtheile des Theers entfernt werden, daß ein völlig kohksartiger Körper als Residuum in den Destillationsblasen bleibt, während Andere die Gewinnung eines |465| noch ziemlich ölreichen Pechs erzielen. Cannelkohlen geben ein kreosotreicheres Oel als die gewöhnlichen Steinkohlen, weßhalb namentlich das Liverpooler Oel dem Londoner vorgezogen wird; auch ist dasjenige Oel, neben welchem noch Pech gewonnen wird, besser als dasjenige, wo bei der Destillation nur mehr die Kohks übrig bleiben. Die Wirkung ist eine doppelte. Das Kreosot coagulirt den vegetabilischen Eiweißstoff und verhindert dadurch dessen Fäulniß, während die bituminösen Oele die Capillargefäße des Holzes vollständig durchdringen, die Holzfaser mit einer schützenden Decke umgeben und die Poren gegen den Zutritt von Wasser und Luft völlig verschließen. Die seitherigen Erfolge sind so günstig, daß fast alle übrigen Imprägnirungs-Methoden gegenwärtig verlassen worden, und fast alle englischen Eisenbahnen mit kreosotirten Schwellen versehen sind. In vielen Seehäfen sind auch die hölzernen Uferwerke, die Piers und alle der Atmosphäre, dem Wechsel von Ebbe und Fluth, und namentlich alle den Angriffen der Seewürmer ausgesetzten aus Holz bestehenden Theile der Seebauwerke aus kreosotirten Hölzern ausgeführt, und hat auch in Bergwerken das Kreosotiren der Hölzer ausgedehnte Anwendung gefunden. Außer der sehr allgemeinen Einführung des in Rede stehenden Verfahrens, nicht allein in England, sondern auch in Belgien, Holland, Frankreich, Amerika, Ostindien u.s.w. sprechen viele Zeugnisse bedeutender Ingenieure sehr entschieden den günstigen Erfolg aus und hat sich der Verfasser des Aufsatzes auch durch eigene Anschauung und specielle Untersuchungen auf verschiedenen Punkten Englands die Ueberzeugung von der Richtigkeit solcher Zeugnisse verschafft. Eisenbahnschwellen, welche vor etwa 20 Jahren mit Kreosotöl imprägnirt sind und fortdauernd in der Bahn gelegen haben, befinden sich gegenwärtig noch in völlig gesundem Zustande. In neuerer Zeit hat man die Kreosotirung auch auf Telegraphenstangen, Barrièreständer, Einfriedigungshölzer u.s.w. angewendet. Der Verfasser erwartet, daß das Verfahren auch in Deutschland an die Stelle der üblichen Imprägnirungsmethoden treten wird. Die Direction der preußischen Ostbahn hat nach dem Vorgange der Cöln-Mindener, der Aachen-Düsseldorfer u.s.w. Bahnverwaltung die Errichtung einer derartigen Tränkungs-Anstalt auf dem Bahnhof Bromberg begonnen. Das Oel dafür wird freilich vorläufig aus England bezogen, und stellt sich franco Bahnhof Danzig per Zollcentner auf 1 Thlr. 26 Sgr. bis 2 Thlr. 3 Sgr.

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