Titel: Niepce, über eine bisher unbekannt gebliebene Wirkung des Lichtes.
Autor: Niépce de Saint‐Victor, Claude M.
Fundstelle: 1861, Band 162, Nr. X. (S. 35–37)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj162/ar162010

X. Ueber eine bisher unbekannt gebliebene Wirkung des Lichtes; von Niepce aus Saint-Victor. Fünfte Abhandlung.5)

Aus den Comptes rendus, Juli 1861, t. LIII p. 33.

Bei Fortsetzung meiner Versuche über die Wirkung, welche das Licht auf alle porösen oder runzeligen Körper ausübt, indem es ihnen für lange Zeit das Vermögen ertheilt, die Gold- und Silbersalze zu reduciren und die Stoffe zu bleichen, habe ich folgende neue Thatsachen entdeckt.

Wenn man einen frisch abgebrochenen Theil vom Schnitte eines Tellers aus achtem Porzellan einem starken Sonnenlicht zwei bis drei Stunden lang aussetzt und ihn hernach auf einem mit Chlorsilber präparirten Papier anbringt, so erhält man nach 24stündiger Berührung eine Reduction des Silbersalzes an dem Theile des Papiers, welcher dem vom Licht getroffenen des Porzellans entspricht, hingegen keine an dem Theile des Porzellans, welcher gegen das Licht geschützt wurde. Gewisse Sorten von Fritteporzellan erlangen diese Thätigkeit leichter.

Eine Stahlplatte, von welcher der eine Theil polirt, der andere aber matt gemacht worden war, indem man auf denselben Scheidewasser stark einwirken ließ und ihn mit Alkohol vollkommen reinigte, wurde hernach drei bis vier Stunden lang in folgender Weise belichtet: die Hälfte der polirten und matten Platte unter einem undurchsichtigen Schirm und die andere Hälfte unter einem weißen Glase. Die Platte wurde dann mit einem Papier bedeckt, welches mit eiweißhaltigem Chlorsilber präparirt war. Nach 24stündiger Berührung erhielt ich einen Abdruck des matten Theils, welcher vom Licht getroffen worden war, aber keinen vom polirten Theil, und auch keinen von dem unter dem Schirm gewesenen matten Theil.

Eine stark matt geschliffene und mit destillirtem Wasser vollkommen gereinigte Glastafel gab dieselben Resultate wie die Stahlplatte.

Ich bemerke noch, daß das Licht unter einem violetten Glase weniger Wirkung hat als unter einem weißen Glase.

Diese Versuche zeigen also, daß die Reduction der Silbersalze auch erfolgen kann, ohne daß eine chemische Wirkung stattfindet, wie in dem |36| Falle wo man ein Metallsalz mit einer organischen Substanz belichtet, oder bloß eine der beiden Substanzen.

Der Chemiker Arnaudon in Turin hat einige meiner Versuche in den verschiedenen Oasen wiederholt, und die Resultate waren dieselben wie an freier Luft. Ich selbst beabsichtige sie im Vacuum zu wiederholen.

Ich habe bekanntlich gefunden, daß die belichtete Erde Spuren der erlangten Wirksamkeit auf eine Tiefe gibt, welche bis 1 Meter betragen kann, aber nach der Natur des Erdreichs und dem Grade der Belichtung variirt. Diese Wirksamkeit, welche die Erde erlangt, beweist uns, daß das Licht bei der Vegetation continuirlich thätig ist. Ich theile als Beleg folgenden Versuch mit: In einem Rohr von Weißblech, welches mit einer mit Weinsteinsäure getränkten Pappe gefüttert und so lange belichtet worden war, daß es das salpetersaure Silber stark reducirte, brachte ich in der Mitte, ohne daß eine Berührung mit dem Rohr statt fand, eine kleine Blase an, welche eine schwache Stärkelösung enthielt; nach 48 Stunden fand ich, daß diese Stärke die Barreswil'sche Flüssigkeit schwach reducirte; eine andere Stärke, welche unter dieselben Umstände versetzt wurde, ohne daß eine Belichtung stattgefunden hatte, reagirte gar nicht auf jene Flüssigkeit.

Diese von einem belichteten Körper erlangte Wirksamkeit oder Thätigkeit hat also in vielen Fällen dieselbe Eigenschaft wie das Licht; ich will nun aber einen Versuch anführen, wo sie nicht wie dieses wirkt. Bekanntlich oxydiren sich die Erdharze wie die Harze an der Luft und am Licht; aber mit dieser von einem belichteten Körper erlangten Thätigkeit konnte ich einen Judenpech-Firniß nicht in festen Zustand überführen, auch reducirt ein belichtetes Erdharz die Silbersalze nicht. Der Grund davon ist vielleicht, daß diese Thätigkeit, wie das Licht, in die glatte Schicht des Judenpechs nicht eindringen und sich darin fixiren kann.

Eine im Schatten oxydirte Eisenplatte reducirt die Silbersalze nicht, sie reducirt dieselben aber, nachdem sie belichtet wurde.

Ich habe auch einige Versuche angestellt um zu ermitteln, ob das Licht einen Stahlstab magnetisirt, wie öfters behauptet wurde. Nachdem ich alle Fehlerquellen entfernt hatte, war es mir unmöglich eine an einem Haar aufgehängte Nähnadel durch eine andere Nadel anzuziehen, welche sehr lange unter einem, durch eine starke Linse concentrirten Lichtbündel belichtet worden war; der Versuch gelang weder mit weißem Licht, noch als ich dieses durch ein violettes Glas gehen ließ.

Ich wickelte hernach eine Nadel in ein mit salpetersaurem Uranoxyd oder Weinsteinsäure getränktes und belichtetes Papier, ferner hieng ich eine Nadel horizontal in Röhren auf, welche belichtete Pappen enthielten. |37| und die Resultate waren immer negativ; dieß beweist, daß die oben besprochene Thätigkeit keineswegs der Elektricität zugeschrieben werden kann.

Ich habe sodann die ersteren Versuche mit sehr schwach magnetisirten Nadeln wiederholt, um zu sehen ob es mir gelänge dieselben zu entmagnetisiren; ich erhielt aber stets negative Resultate.

Folgerungen. – Aus meinen sämmtlichen Versuchen geht hervor, daß die bleibende Thätigkeit, welche das Licht allen porösen Körpern, selbst den trägsten ertheilt, auch keine Phosphorescenz seyn kann, denn in diesem Falle würde sie nach den Versuchen von E. Becquerel nicht so lange dauern; es ist daher wahrscheinlicher, daß sie, wie Léon Foucault glaubt, eine unseren Augen unsichtbare Strahlung ist, welche nicht durch das Glas dringt.

Die Magnetisirung und Entmagnetisirung betreffend, war es mir unmöglich mit dem Licht allein solche zu erzielen.

Die bezüglichen vier Abhandlungen des Verf. wurden im polytechnischen Journal Bd. CXLVII S. 51, Bd. CXLVIII S. 126, Bd. CLI S. 130 und 435 mitgetheilt.

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