Titel: Belhommet, über Seife aus Oelsäure.
Autor: Belhommet, A.
Fundstelle: 1861, Band 162, Nr. XX. (S. 60–62)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj162/ar162020

XX. Ueber Seife aus Oelsäure; von A. Belhommet, Seifenfabrikant in Landerneau (Dept. Finistère).

Aus dem Repertoire de Chimie appliquée, August 1861, S. 333.

Wenn man Seife aus Oelsäure mit Natronbasis fabricirt, so bemerkt man nach der Bildung des Seifenleims drei deutlich unterschiedene Schichten |61| im Kessel. Die oberste besteht ganz aus weißer Seife; die unterste ist eine Lauge von kohlensaurem Natron; die mittlere besteht aus einem sehr dicken Syrup, welcher beim Erkalten zu einer undurchsichtigen, sehr braunen gallertartigen Masse erstarrt. In dieser Substanz fand ich zwei, der normalen Fabrication dieser Seife fremde Körper.

Bei einer Analyse der Gallerte findet man nämlich in derselben:

I. Vier verschiedene Seifen:

1) ölsaures Natron (weiß);

2) ölsaures Eisenoxyd (grünlich);

3) oxyölsaures Natron (durchsichtige, gelbliche Gallerte);

4) brenzölsaures Natron (weiß).

II. Theersubstanzen.

III. Kohlensaures Natron.

Beim Auspressen der steifen Masse erhält man eine klare aber beinahe schwarze Flüssigkeit, welche viel kohlensaures Natron, oxyölsaures, brenzölsaures und etwas caustisches Natron in Lösung enthält.

100 Thle. der Substanz liefern im Mittel 70 Proc. Wasser und nur 6 Proc. fette Säuren, doch wechselt das Verhältniß sehr.

Die Entstehung dieser Körper habe ich mir folgendermaßen erklärt:

Die Oxyölsäure bildet sich, wie bekannt, bei der Oxydation der Oelsäure an der Luft; sie entsteht mehr oder weniger stets bei der Fabrication fetter Säuren; indessen ist die Sauerstoffabsorption lebhafter, während die Stoffe in der Bütte sind, weil sie dann bei einer höheren Temperatur der Luft eine größere Oberfläche darbieten.

Eine Fabrik wird um so mehr Oxyölsäure und mithin gelatinöse Seife erzeugen, je schwieriger die Abscheidung der festen Säuren gewesen ist; denn in diesem Falle müssen Theile der Oelsäure die Operation mehrmals durchmachen und werden sich daher leichter oxydiren.

Die Brenzölsäure bildet sich fast nur in der warmen Presse. Unter dem Einfluß der Wärme erzeugt sie sich neben flüchtigen Producten aus der Oelsäure. Man kann sie deutlich in den Stearinsäurekuchen sehen. Da ihr Schmelzpunkt sehr hoch liegt, so krystallisirt sie zuerst. Man nennt dann die Säure punktirt. Es ist ein Zeichen für den Fabrikanten, daß die Substanzen nicht mehr viel feste Säuren enthalten.

Läßt man den Rückstand von der warmen Pressung mit heißem Condensationswasser kochen, so wird das Wasser in der Ruhe milchig; es fällt eine weiße flockige Substanz aus, welche eben die Brenzölsäure ist. Bisweilen bildet sie sich in solcher Menge, daß das Wasser auch noch bei 100° C. weiß bleibt.

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Wenn man es versäumt, die Oelsäure mit reinem Wasser zu kochen, ehe man sie an den Seifensieder abgibt, so verliert man den größten Theil der Brenzölsäure, deren Production ziemlich beträchtlich ist und die der Stearinsäure eine im Handel gesuchte Härte verleiht.

Als Fabrikant habe ich die Bildung dieser beiden anormalen Säuren, welche einen Verlust herbeiführen muß, zu vermeiden gesucht. Ich habe sie jedoch nur vermindern, aber nicht ganz umgehen können. Indessen glaube ich der Industrie einen Dienst zu erweisen, indem ich ihr die Ursache der Entstehung dieser zwei Seifen andeute; man wird nun leichter dem Uebel aus dem Wege gehen können.

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