Titel: Jeep's Vorrichtung zur selbstthätigen Bewegung des Meißels.
Autor: Jeep, W.
Fundstelle: 1861, Band 162, Nr. LV. (S. 168–171)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj162/ar162055

LV. Vorrichtung zur selbstthätigen Bewegung des Meißels beim verticalen und schiefen Hobeln auf horizontalen Hobelmaschinen; von W. Jeep, Ingenieur in Cöln.

Mit Abbildungen auf Tab. III.

Von wie großem Vortheil es ist, wenn an horizontalen Hobelmaschinen, d.h. an solchen, bei denen das Arbeitsstück auf einem horizontal beweglichen Schlitten liegt, und unter dem Support resp. Meißel hergeführt wird, eine Vorrichtung angebracht ist, durch welche der Meißel selbstthätig eine niedergehende Bewegung erhält, und somit auch Flächen auf der Maschine bearbeitet werden können, welche vertical sind, allerdings nur in der Ausdehnung, welche der Größe des Supports entsprechend ist, wird wohl Jeder, welcher mehr mit Hobelmaschinen umgegangen ist, zu würdigen wissen. Selbstverständlich ist es, daß eine solche Vorrichtung sehr unvollkommen ist, wenn dieselbe nur auf die verticale Bewegung beschränkt ist, und in diesem Falle wenig nützen kann, daß dieselbe deßhalb auch wirksam seyn muß, wenn der Support in anderem als dem rechten Winkel zu dem Arbeitsstücke steht.

Um den Support so einzurichten, daß er die eben angegebenen Bewegungen machen kann, sind verschiedene theils sehr complicirte Vorkehrungen |169| angewendet, die mit Geldkosten verbunden und schwer, auch wohl gar nicht zu beaufsichtigen sind, weil sie theilweise oder ganz in dem Inneren des Supports selbst stecken. Außerdem ist bei den Bestellern der Hobelmaschinen die Meinung vorherrschend, daß, da doch einmal ein Mann zur Bedienung und Beaufsichtigung der Maschine erforderlich sey, dieser auch das Herabdrehen des Supports oder Meißels besorgen könne. Bei kleinen Hobelmaschinen ist dieser Satz nun allerdings ziemlich richtig, denn der Arbeiter, wenn dieß nämlich kein Junge ist, kann an den Griff des Supports reichen, ohne das Arbeitsstück aus den Augen zu verlieren, und also einmal den Meißel herabdrehen, sodann aber auch die Arbeit beaufsichtigen. Bei großen Hobelmaschinen ist dieß aber ganz unmöglich, weil der betreffende Mann hoch stehen muß, um an den Support reichen zu können, und aus der Höhe seines Standpunktes die Arbeit nicht genau sehen und beobachten kann. Häufig kommen dann die Besteller solcher Maschinen erst wenn sie dieselbe besitzen, zu der Einsicht, daß die Vorrichtung zu der verticalen Bewegung des Meißels von Vortheil sey, und dann geht das Klagen über die unzweckmäßig eingerichtete Maschine an und der arme Fabrikant wird als ein Mann bezeichnet, der sein Geschäft oder wenigstens die Construction der Hobelmaschine nicht kennt und bei dem nichts weiter bestellt werden darf.

Die bis jetzt angewandten Vorkehrungen, um die Meißel vertical oder in irgend einem von dem verticalen abweichenden Winkel zu bewegen, sind so beschaffen, daß sie an Hobelmaschinen, an denen dieselben nicht von vorn herein angebracht sind, nicht mehr hergerichtet werden können, ohne daß entweder der ganze Support oder doch verschiedene Theile desselben ausgewechselt werden müssen.

Mein Zweck ist nun, eine Vorrichtung zu erklären, durch welche die erwähnten Bewegungen erzeugt werden, und die leicht ohne Veränderung des Supports oder anderer Theile der Hobelmaschine an allen Maschinen angebracht werden kann.

In den zugehörenden Zeichnungen ist Fig. 25 eine Ansicht des Supports mit dem Träger desselben und der Vorrichtung von der vorderen Seite, also gegen die Front der ganzen Maschine, und Figur 26 eine eben solche von der Seite, von welcher die Bewegung erfolgt.

Es bezeichnet in den erwähnten Figuren:

A das Stück der Maschine, mit welchem der Support an der Hobelmaschine gehalten und auf welchem er horizontal bewegt wird;

B den Support selbst mit dem vorderen vertical beweglichen Stücke C, welches bei D den Meißel trägt und sich bei E um eine horizontale Achse |170| als Stützpunkt drehen läßt, um dem Meißel eine von der verticalen abweichende Richtung zu geben.

F sind Stücke des Ständers, an welchen der Support mit dem ihn haltenden Träger A befestigt wird.

G, H, I und K sind Gestänge, Hebel, Sperrrad und Schraube, durch welche der Support seine horizontale Bewegung erhält und welche keiner weiteren Erklärung bedürfen, weil dieselben bekannt sind, und sich fast an allen neueren Hobelmaschinen in derselben Weise befinden, also jederzeit zu sehen sind.

Durch die Bewegung des Schlittens der Hobelmaschine wird mittelst Hebelwerken oder auf sonst eine andere Weise die Stange G in eine absetzende auf und nieder gehende Bewegung versetzt, welche einzig dazu ausreichen muß, um dem Meißel, resp. dem vorderen Theile des Supports die gewünschten Bewegungen in den mehrerwähnten Stellungen zu ertheilen.

Es ist, um dieß zu erreichen, auf die Schraubenspindel, welche sich in dem Support befindet, und den Niedergang des vorderen Theiles desselben bewirkt und die Bezeichnung L erhielt, ein horizontal liegendes Sperrrad angebracht, welches M genannt wurde. Dieses Sperrrad sitzt fest auf der Spindel L und ein Hebel N, welcher den Sperrkegel O für das Rad M trägt, sitzt in der Richtung der Spindel fest, kann sich aber auf derselben drehen, wodurch bewirkt wird, daß der Sperrkegel, einmal vorwärts schiebend, auf das Rad und also auch auf die Schraube wirkt, sodann aber wieder beim Stillstand des Rades zurückgeführt wird, um dasselbe aufs Neue zu fassen und vorwärts zu schieben, auf welche Weise also selbstverständlich die Schraube eine allmählich drehende Bewegung annimmt und den Meißel niederführt.

Um dem Hebel N die erforderliche hin und her gehende Bewegung ertheilen zu können, wenn der Support in irgend welcher schiefen Stellung steht, ist folgende Anordnung getroffen.

Auf dem Träger des Supports sind zwei Führungsstücke P und Q angebracht, in welchen sich die Stange R hin und her bewegen kann, jedoch so gehalten wird, daß eine Drehung derselben nicht möglich ist. Zwischen beiden Stützen ist das Stück S auf der Stange R verschiebbar angeordnet und daselbst an jeder Stelle durch eine Stellschraube zu befestigen. Die Stange R und das Stück S müssen so gearbeitet seyn, daß keine Drehung vorkommen kann, sondern beide Theile gegen Drehung auf einander bewahrt sind.

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Das Stück S hat an der vorderen, dem Support zugekehrten Seite der ganzen Länge nach einen Schlitz, in welchen das Ende des Hebels N eingreift, welches zu diesem Zweck an seinem Ende kugelförmig gestaltet ist.

Wird nun die Stange R hin und her bewegt, so ist es erklärlich/daß an dieser Bewegung das auf ihr befestigte Stück S theilnimmt und also auch der Hebel N diese Bewegung theilt, demnach das erzielt wurde, was seyn mußte, um die niedergehende Bewegung des Meißels herbeizuführen.

Das vordere Ende des Stückes S mit dem darin befindlichen Schlitze muß so lang gewählt werden, daß bei der schrägsten Stellung des Supportes der Hebel N nicht daraus gehen kann. Da in gewöhnlichen Fällen eine Abweichung von 45 Grad von der Verticalen schon zu den Seltenheiten gehört, so wird man bei der Anwendung solcher Vorrichtungen auch auf keine größeren Winkel Rücksicht zu nehmen haben, und demnach das Stück S von nur geringer Länge machen, was für die Haltbarkeit des Ganzen von Wichtigkeit ist, weil bei zu großer Länge dieses Stückes der Seitendruck bei der Bewegung sehr groß und unangenehm werden würde.

Um der Stange S nun die erforderliche hin und her gehende Bewegung zu ertheilen, wird auf die oben erwähnte Stange G die Nuß T gesteckt und an der richtigen Stelle durch die Stellschraube U festgehalten. Diese Nuß steht durch einen Zapfen mit dem an dem Supportträger befestigten Winkelhebel in Verbindung, dessen anderer Arm mit der Stange S in Eingriff oder Zusammenhang gebracht wird, daß also, wenn die Stange G durch die Bewegung des Schlittens auf und nieder gezogen wird, die Stange S eine hin und her gehende, somit dem Zweck entsprechende Bewegung annehmen muß.

Die Construction und Wirkungsweise des Apparates wird wohl aus dem Erwähnten und der zugehörenden Zeichnung klar werden, so daß es überflüssig ist, noch mehr darüber zu sagen.

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