Titel: Weimberger's Dampfpumpe zum Entwässern der Steinbrüche.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 162, Nr. LXX. (S. 241–243)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj162/ar162070

LXX. Dampfpumpe zum Entwässern der Steinbrüche, vom Ingenieur Weimberger.

Aus Armengaud's Génie industriel, August 1861, S. 81.

Mit Abbildungen auf Tab. IV.

Wenn man bei den Steinbrüchen bis zu einer gewissen Tiefe gelangt, so findet man meistens so viel Wasser, daß man zum Auspumpen fast ununterbrochen Maschinen anwenden muß, die also durch eine Dampfmaschine getrieben werden müssen.

In Belgien stellt man in solchen Fällen meistens Balanciermaschinen mit ihrem Dampfkessel am oberen Rande und die Pumpen am Grunde des Bruches auf; die Verbindung zwischen Dampfmaschine und Pumpe wird dann mittelst hölzerner, durch Eisen verstärkter Gestänge bewirkt. Wegen der ziemlich beträchtlichen Entfernung zwischen dem Tiefsten des Bruchs und der Sohle, in welcher die Maschine aufgestellt ist (25 bis 30 Met.), muß man dann verticale Mauern aufführen, an denen die Gestänge ihre Leitung erhalten; dieß verursacht aber so große Kosten, daß man nicht selten auf die Fortsetzung des Baues verzichtet.

Hr. Weimberger hat schon im J. 1859 diesen Uebelstand dadurch zu vermeiden gesucht, daß er auch die Dampfmaschine mit ihrem Kessel am Grunde des Steinbruches aufstellte. Eine solche Maschine, die natürlich einer wesentlich geringeren Triebkraft bedarf und erhebliche Ersparnisse gestattet, ist in dem Steinbruche der HHrn. Baatard zu Loignies (Belgien) aufgestellt, und fördert im Durchschnitt per Minute 300 Liter Wasser auf die 25 Meter höher liegende Oberfläche des Steinbruches. Das gußeiserne Steigrohr hat 12 Centimeter lichte Weite; es geht über eine Halde und schafft das Wasser in ein bei einer Sägemühle befindliches Reservoir, von wo aus dasselbe die Maschinen zum Steinschneiden in Bewegung setzt. Die ganze Länge dieser Leitung beträgt etwa 80 Meter. Die Ausströmung ist constant, und man kann an ihr die einzelnen Kolbenstöße nicht unterscheiden.

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Fig. 1 der bezüglichen Abbildungen stellt den Längendurchschnitt der Maschine durch die Achse der Kolben dar, Fig. 2 den Grundriß mit Horizontaldurchschnitt durch den Dampfcylinder, Fig. 3 den Durchschnitt nach der Linie 1–2 des Grundrisses, Fig. 4 und 5 den Vertical- und den Horizontaldurchschnitt durch den Pumpenkolben.

Man erkennt zunächst, daß der Pumpen- und der Dampfkolben A und B direct verbunden sind und an einer gemeinschaftlichen Stange b sitzen, welche über den Pumpencylinder D hinaus verlängert ist, und hier ein Querstück E trägt, welches sich in der Führung e bewegt.

Die Pumpe D ist doppeltwirkend und mit einem Windkessel durch den Ansatz d verbunden. Auf diesem Windkessel befindet sich das Steigrohr, welches ein Rückschlußventil enthält, um das Wasser in vorkommenden Fällen in der Röhre festzuhalten.

Die Maschine macht höchstens 15 Kolbenspiele in der Minute.

Aus Fig. 3 ist die Anordnung der Saugventile s und der Druckventile s' zu ersehen; dieselben haben eine kugelförmige Berührungsfläche, und erhalten ihre Führung durch die Stiele i und i', welche zwischen cylindrischen Bohrungen in den Deckeln f und f' der Ventilgehäuse gehen.

Die Querstange E am Ende der gemeinschaftlichen Kolbenstange b treibt durch die Kurbelstangen R und die Kurbeln m die Welle F, welche an dem einen Ende das Excentric g einer Farcot'schen Expansionssteuerung und an dem anderen Ende das Excentric g' für die neben dem Dampfcylinder I liegende Speisepumpe H trägt. Der Ring und die Stange des Schieberexcentrics g besteht vollständig aus Messing und die excentrische Scheibe ist an die Welle F angeschmiedet; in den Umfang der letzteren ist eine Hohlkehle eingedreht, in welche der Ring des Excentrics eingreift. Das Excentric g' der Speisepumpe H besteht aus Gußeisen und ist zweitheilig; Stange und Ring bestehen ebenfalls aus Gußeisen, der Hub beträgt 8 Centimeter. Die beiden Kurbeln in sind an die Welle F angeschmiedet und haben von Achse zu Achse 20 Centimet. Länge, woraus sich der Kolbenhub zu 40 Centimet. ergibt.

Da die geringe Geschwindigkeit der geradlinigen Kolbenbewegung befürchten ließ, daß der Uebergang über die todten Punkte erschwert werde, so wurde noch folgende Vorrichtung mit der Maschine verbunden: Ein zweitheiliges Zahnrad P auf der Welle F, welche nicht über 15 Umdrehungen in der Minute macht, treibt ein Getriebe p, welches nur halb so groß als das Rad P ist, also doppelt so viel Umdrehungen als dieses macht. Die Welle I, auf welcher das Getriebe p sitzt, trägt an ihren Enden die Schwungräder G; ihre Lager sind an die Fundamentplatte X angegossen. Damit die Bewegung der Kolben eine möglichst regelmäßige |243| werde, sind die Schwungräder mit zwei gußeisernen Gegengewichten verbunden, von denen jedes 60 Kilogr. wiegt. Diese Gewichte sind zwischen den Schwungradarmen so befestigt, daß sie in einer gemeinschaftlichen Horizontalebene liegen, wenn die Kolben sich an den todten Punkten befinden. Der Pumpenkolben A, A' sitzt vermittelst einer conischen Verstärkung b' der Kolbenstange b auf dieser fest und hat eine Rothgußliederung a, die ihren Druck wie bei den Dampfkolben durch Keile und Federn, a' empfängt. Damit an den beiden Enden des Pumpencylinders sich keine Luft ansammeln kann, sind die beiden Kolbenkörper A und A' so weit verlängert, daß sie bei ihrer Bewegung bis an die Cylinderdeckel reichen, und den von den Druckventilen überragten Raum vollständig einnehmen. Aus gleichem Grunde sind den Ventilgehäusen möglichst kleine Dimensionen gegeben.

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