Titel: Ueber die Eiweiß-Surrogate von Messager und Perdrix in Brécourt, und von Hanon in Paris; Bericht von G. Schäffer.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 162/Miszelle 11 (S. 158–159)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj162/mi162mi02_11

Ueber die Eiweiß-Surrogate von Messager und Perdrix in Brécourt, und von Hanon in Paris; Bericht von G. Schäffer.

Der sogenannte Kleberleim (colle gluten) von Messager und Perdrix (ein Gemisch von Kleber und gegohrenem Mehl) ist auffallend sauer; er löst sich im Wasser unvollkommen auf, und bildet alsdann einen klümperigen Kleister von schmutzigweißer Farbe und geringem Bindevermögen. Nach den Erfindern wäre die beste Weise den Kleberleim aufzulösen, ihn sechs Stunden lang in seinem gleichen Gewicht Wasser einzuweichen, dann stark umzurühren und ihn 18 Stunden lang in geschlossenem Gefäße bei einer Temperatur von 20° C. gähren zu lassen; aber indem ich so operirte, oder als Auflösungsmittel einerseits ein Alkali, andererseits Essigsäure anwandte, gelang es mir nicht den Kleberleim gehörig aufzulösen, so daß er einen gleichartigen Kleister bildete. Die Versuche, dieses Product zum Appretiren anzuwenden, gaben daher auch ein schlechtes Resultat; das Weiß der mit dem Kleberleim appretirten Zeuge war schmutzig, die Maschen des Gewebes waren ausgefüllt und zusammengeleimt, und die Farben mehr oder weniger verändert. – Zum Verdicken und Befestigen der Farben ist dieses neue Product ebenso wenig brauchbar; die mit dem Kleberleim verdickten Farben drucken sich sehr schlecht und überdieß werden die Nuancen gewöhnlich verändert, weil das Verdickungsmittel merklich sauer ist.

Ein analoges Product wurde unserer Industriegesellschaft von Hanon Sohn in Paris unter der Benennung Eiweißleim (colle végétale ou albuminoïde) übergeben. Dieser Leim löst sich auf, wenn man ihn 24 Stunden lang in reinem und kaltem Wasser maceriren läßt, und bildet alsdann einen gleichartigen und bindenden Kleister, welcher schmutzig weiß und auffallend sauer ist; man kann die Auflösung nicht mit irgend einem Alkali neutralisiren, ohne daß sie eine vollständige Umwandlung erleidet. – Als Appreturmittel angewandt, zeigt Hanon's Eiweißleim dieselben Uebelstände wie der Kleberleim von Perdrix und Messager. Zum Verdicken und Befestigen der plastischen Farben lieferte mir der Eiweißleim bessere Resultate als der Kleberleim; der auf gewöhnliche |159| Weise bereitete und in frischem Zustande angewandte Kleber ist jedoch beiden Producten als wohlfeiler und dauerhafter vorzuziehen. (Bulletin de la Société industrielle de Mulhouse, 1861, t. XXXI p. 46.)

(Nach dem Cosmos, vol. XVII p. 730, stellt Hanon seinen Eiweißleim in folgender Weise dar: Man nimmt den in gewöhnlicher Weise dargestellten Kleber, wäscht ihn mehreremale mit Wasser, welches so warm ist, daß die Hand es noch ertragen kann, und setzt ihn einer constanten Temperatur von 15 bis 25° C., der natürlichen Temperatur der Gährungen, aus. Unter diesen Umständen geräth der Kleber in Gährung, welche sich dadurch zu erkennen gibt, daß er bis zu einem gewissen Grade flüssig wird. Wenn dieß so weit eingetreten ist, daß man leicht den Finger hindurch führen und ihn damit zertheilen kann, ist die Umwandlung beendet. Man gießt den flüssig gewordenen Kleber dann in Formen, welche den Leimformen ähnlich sind, und bringt diese Formen in einen auf 25 bis 30° C. erwärmten Raum; nach 24 bis 48 Stunden sind die oberen Schichten hart geworden; man nimmt dann die Täfelchen heraus, breitet sie, die hart gewordene Seite nach unten, auf Leinwand oder Drahtgewebe aus, bringt sie mit demselben wieder in den Trockenraum und läßt sie vollständig austrocknen, was in 4 bis 5 Tagen stattfindet.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: