Titel: Ueber Reinigung des Fuselöls; von Apotheker B. Hirsch.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 162/Miszelle 12 (S. 159)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj162/mi162mi02_12

Ueber Reinigung des Fuselöls; von Apotheker B. Hirsch.

Um das rohe Fuselöl zu reinigen, wird dasselbe mit seinem gleichen Volumen gesättigter Kochsalzlösung geschüttelt, nach der schnell erfolgten Trennung beider Flüssigkeiten mit Hülfe des Hebers oder Scheidetrichters abgenommen und mit neuen Portionen Kochsalzlösung nach jedesmaliger Abscheidung so oft aufs Neue behandelt, als das Oel dadurch noch eine bemerkbare Verminderung seines Volumens erfährt, so lange ihm also die Kochsalzlösung noch Alkohol entzieht. Ein drei- bis viermaliges Auswaschen ist dazu völlig ausreichend; doch ist mir die absolute Entfernung des sämmtlichen Alkohols auf diese Weise oder durch nachfolgendes Auswaschen mit Wasser nicht gelungen. Die Trennung der letzten, immer nur geringen Spuren von Alkohol erfolgt aber leicht, wenn man das gewaschene Fuselöl mit der drei- bis vierfachen Menge Wassers in eine Destillirblase gießt und über freiem Feuer oder mittelst Dampf ganz nach Art der ätherischen Oele rectificirt. Hierbei gewinnt die Vewandtschaft des Wassers zum Alkohol die Oberhand, der wässerige Theil des Destillats enthält die ganz geringe Alkoholmenge und das Fuselöl geht mit großer Leichtigkeit farblos und frei von Alkohol über, ohne die Atmosphäre in auffallender Weise mit seinem unleidlichen Geruch zu erfüllen. Bemerkenswerth ist bei dieser Destillation, daß das Fuselöl von Anfang bis Ende seiner relativen Menge nach gleichmäßig übergeht, und ganz plötzlich ein Zeitpunkt eintritt, wo nur noch reines Wasser, ohne jede Spur von Oel destillirt. Hiermit hängt es zusammen, daß die zur Destillation benutzten Metallgeräthe nach beendeter Arbeit kaum merklich nach Fuselöl riechen, und weit leichter, als nach der Destillation irgend eines aromatischen Wassers zu reinigen sind. Gewiß liegt der Grund davon in der geringen Löslichkeit des Fuselöls im Wasser, und ganz besonders in dem Umstande, daß es nicht nach Art der ätherischen Oele verharzt. Mit der Trennung des Fuselöls vom Wasser ist die ganze Arbeit beendigt, und als Ausbeute erhält man die ganze Quantität von reinem Oele, die in dem Rohmaterial enthalten war, mit Ausnahme der höchst unbedeutenden Menge, welche in die Waschflüssigkeiten übergegangen ist. Auch diese ist mit Leichtigkeit zu gewinnen, wenn man nach beendeter Rectification die Waschflüssigkeiten in die Blase nachgießt und weiter destillirt, wobei noch eine Quantität schwacher Alkohol, an Werth etwa dem verwendeten Kochsalz entsprechend, gewonnen wird. So läßt sich in einem Tage leicht, mit wenig Kosten, geringer Mühe und ohne Verlust an Material eine größere Menge reines Fuselöl gewinnen, als man überhaupt mit einem Male in einer Retorte zu behandeln im Stande wäre. (Neues Repertorium für Pharmacie, Bd. X S. 294.)

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