Titel: Das Schwärzen und Glänzen des Leders.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 162/Miszelle 14 (S. 160)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj162/mi162mi02_14

Das Schwärzen und Glänzen des Leders.

Das Geschirrleder wird zum Verkaufe gewöhnlich geschwärzt und geglänzt. Auch wohl Roß-, Kalb-, Ziegen- und Schafleder werden, zu verschiedenen Zwecken, noch nachträglich auf einer Glanzmaschine geglänzt. Das gewöhnliche Verfahren ist im Wiener Gerber-Courier wie folgt beschrieben: Drei Eimer voll Blaubolzspäne werden mit 6 Eimer voll Wasser 1 bis 2 Stunden lang gekocht. Nachdem die Späne herausgenommen sind, gibt man zu der Flotte noch 1/2 Pfund Potasche. Dann nimmt man schon lange vorher bereitete Eisenschwärze, welche aus Bier oder auch Halbbier (auch Milchlauge) und altem verrosteten Eisen bereitet wird; je länger diese Theile stehen, desto besser ist die Schwärze. Nun breitet man die zu färbenden Häute oder Felle auf einen Tisch aus, überbürstet sie zuerst mit Blauholzbrühe, dann sofort mit Schwärze und wieder mit Blauholz. Ist die Farbe noch nicht schwarz genug, so wird dasselbe Verfahren so lange wiederholt, bis die gewünschte Farbe hergestellt ist. Wenn die Blauholzbrühe oder Flotte und die Schwärze recht stark ist, so wird die Farbe schon das erstemal gut seyn, aber stets wird die Blauholzflotte zuerst genommen.

Sobald die Felle trocken sind, feuchtet man sie etwas mit Wasser oder Lohbrühe an, und streckt dieselben auf der Fleischseite in einem Weißgerber-Streckrahmen mit einem eisernen Strecker gut auseinander, weil die Felle, besonders wenn sie nicht gut geschmiert sind, mehr zusammentrocknen. Die Häute und alle Leder, welche mit Fett geschmiert worden sind, trocknen nicht so sehr zusammen und werden nur nach dem Trocknen auf den Narben plättirt. Ueberhaupt läßt man die gefärbten Leder möglichst langsam trocknen; auch können die Leder vor dem Schmieren gefärbt und dennoch nach dem Schmieren geglänzt werden.

Nachdem nun die Häute oder Felle plättirt oder gestreckt sind, werden sie geglänzt. Der Glanz besteht aus 5 Theilen durchgeseihetem Ochsenblute, 4 Theilen Blauholzflotte und 1 Theil Schwärze; eine Kleinigkeit Milch dazu verhindert das Brechen des Glanzes und einige Tropfen Leinöl unterdrücken das Schäumen. Mit diesem Glanze überbürstet man ebenfalls die Leder und hängt sie zum schnellen Trocknen auf. Je schneller der Glanz trocknet, desto schöner wird derselbe. Ist dieses Verfahren nach Vorschrift ausgeführt, so entsteht dadurch ein ganz außergewöhnlicher Glanz und gibt dem Glanze des lackirten Leders wenig nach.

Häute oder Felle kommen auch gereift im Handel vor. Bevor dieß geschieht, feuchtet oder vielmehr spritzt man sie auf der Fleischseite etwas an, läßt sie zusammen gepackt gut durchziehen, reibt sie am andern Tage mit einem in Leinöl ein wenig getränkten Schwamme oder Lappen leicht auf der gefärbten Seite ein und zieht nach Belieben auf einer Reif- oder Zugmaschine die Reifen. Diejenigen Häute und Felle, welche nicht so sehr geglänzt werden sollen, reibt man nach dem Färben oder Schwärzen und Plättiren mit einem in Leinöl getränkten Lappen oder Schwamm etwas ein. (Sächsische Industriezeitung, 1861, Nr. 42)

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