Titel: Ueber Augendre's weißes Schießpulver; von F. Hudson.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 162/Miszelle 8 (S. 156–157)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj162/mi162mi02_8

Ueber Augendre's weißes Schießpulver; von F. Hudson.

Bei Bereitung mehrerer Proben des sogenannten weißen Schießpulvers nach der Vorschrift von Dr. J. J. Pohl (im polytechn. Journal Bd. CLIX S. 427), versuchte ich auch die Materialien, nämlich chlorsaures Kali, gelbes Blutlaugensalz und Rohrzucker, einzeln zu zerreiben und dann zu mischen; ferner dieselben mit Zusatz von ein wenig Wasser zusammen zu zerreiben und dann bei einer Temperatur von beiläufig 66° C. zu |157| trocknen. Ich fand, daß die Proben, welche naß zerrieben und dann getrocknet worden sind, leichter explodiren als die durch Zerreiben der trockenen Substanzen dargestellten. In der That explodirte eine Probe in einer offenen Porzellanschale durch bloße Reibung mit einem Spatel, mit welchem mein Assistent einige der größeren Stücke zerdrückte. Durch diese Explosion wurde er für mehrere Wochen bettlägerig und verlor beinahe seine Augen. Die trocken zerriebenen Proben sind niemals so explosiv wie die naß zerriebenen, weil der Zusatz von Wasser eine vollkommenere Mischung der chemischen Bestandtheile des Pulvers veranlaßt, als sie durch das trockene Reiben bewirkt werden kann. Dadurch erklärt sich die größere Gefahr, welche mit der Anwendung des auf nassem Wege zerriebenen weißen Schießpulvers verbunden ist.

Wenn man einige Tropfen concentrirte Schwefelsäure in das Zündloch eines mit dem weißen Schießpulver geladenen Flintenlaufes gießt, so geht derselbe eben so leicht los, als durch Anwendung eines Lichtes.

Diese Eigenschaft des weißen Schießpulvers läßt sich vielleicht mit einigem Vortheil zur Construction von Bomben für große Wurfweiten anwenden. Bomben, welche mit diesem Pulver gefüllt sind und ein Glasgefäß mit Schwefelsäure enthalten, würden erst explodiren nachdem sie auf dem Gegenstande anschlugen. Es könnte daher keine zwecklose Explosion der Bombe in der Luft stattfinden, wie es bei der gewöhnlichen Bombe mit Zünder zu oft der Fall ist.

Die Expansions- oder Explosionskraft des weißen Schießpulvers ist auch zweimal so groß als diejenige des gewöhnlichen Schießpulvers. Bei allen Versuchen mit dem neuen Schießpulver muß man besorgt seyn, es nicht zu gewaltsam zu comprimiren, denn sonst könnten häufig Unfälle eintreten. Ein Schlag mit einem Hammer auf einen Stein, worauf sich ein wenig von dem Pulver befand, brachte dasselbe bei allen von mir dargestellten Proben zur Explosion. (Chemical News, August 1861, Nr. 90.)

Hudson bemerkt nachträglich in Nr. 93 der Chemical News, daß er das auf nassem Wege präparirte weiße Schießpulver nach dem Trocknen zwischen hölzernen Walzen zermalmt und dann siebt; auf diese Weise erhält man ein Pulver, dessen Feinheit von der Größe der Maschen des angewandten Siebes abhängt. Nach seiner Erfahrung hat dieses Pulver keine Neigung Kuchen oder harte Klumpen zu bilden, wenn es längere Zeit der Luft ausgesetzt bleibt.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: