Titel: Ueber borsauren Natronkalk (Tinkalzit); von T. L. Phipson.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 162/Miszelle 8 (S. 237–238)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj162/mi162mi03_8

Ueber borsauren Natronkalk (Tinkalzit); von T. L. Phipson.

Es werden jetzt beträchtliche Quantitäten eines Minerals nach Europa gebracht, welches in den Lagern von Natronsalpeter im südlichen Peru gefunden wird. Dieses Mineral wurde im Jahre 1850 von Ulex untersucht, welcher darin Borsäure, Kalk und Natron fand. Seine Analyse gibt jedoch den Wassergehalt zu klein und den Borsäuregehalt zu groß an. Im Jahre 1859 erhielt Kletzinsky dasselbe Mineral (Rhodizit genannt), aber von der Westküste Afrikas herstammend, und analysirte es ebenfalls. Seine Analyse (polytechn. Journal Bd. CLIII S. 359) stimmt mit der Analyse, welche der Verf. mit dem Mineral aus Peru angestellt hat, ziemlich überein. Er schlug für das Mineral den Namen Tinkalzit vor. Dieses Mineral erscheint in Form von Knollen, welche die Eingebornen Tiza nennen, und deren Größe von der einer Haselnuß bis zu der einer Kartoffel wechselt. Diese Knollen sind ziemlich weich und zeigen beim Zerbrechen, daß sie im Inneren aus feinen seidenglänzenden Krystallnadeln bestehen. Sie enthalten oft kleine, theils farblose, theils röthlich gefärbte Krystalle von Gyps und das Ganze ist mit |238| Kochsalz imprägnirt, welches man sofort durch den Geschmack erkennt. Bei Behandlung mit Wasser löst dasselbe leicht Borax und Kochsalz daraus auf; Säuren lösen das ganze Mineral auf, indem nur ein geringer Rückstand von feinem Sand bleibt, welcher Ueberreste von Thierchen enthält. Die Dichte dieses Minerals ist 1,93.

Die Analyse ergab dem Verf. folgende Zusammensetzung, welcher die von Kletzinsky für das afrikanische Mineral gefundenen Zahlen beigefügt sind.

Tinkalzit
aus Amerika aus Afrika
Phipson. Kletzinsky.
Wasser 34,00 37,40
Natron 11,95 10,13
Kalk 14,45 14,02
Borsäure 34,71 36,91
Chlor 1,34 1,33
Schwefelsäure 1,10 0,50
Kieselsäure 0,60
Sand 2,00
Phosphorsäure Spuren
Thonerde
Talkerde
––––––––––––––––––––––––––––
100,15 100,00

Läßt man die Beimengungen außer Acht und berücksichtigt man nur die wesentlichen Stoffe, nämlich Wasser, Natron, Kalk und Borsäure, so findet man hiernach für den Tinkalzit folgende Formel:

(NaO, 2BO³ + 10HO) + 2 (CaO, BO³ + 2HO) + 2HO.

Die Gegenwart der übrigen Stoffe läßt vermuthen, daß der Tinkalzit sich aus Mineralquellen abgesetzt hat, und durch den Umstand, daß das zweifach-borsaure Natron seine 10 Atome Wasser enthält, und daß der unlösliche Rückstand mit Resten von Thierchen etc. vermischt ist, wird angedeutet, daß die Temperatur dieser warmen Quellen niedriger als 55° C. war.

In dem Zustande, in welchem der Tinkalzit zum Verbrauch in der Industrie aus Amerika nach Europa eingeführt wird, enthält er ungefähr 60 Proc. Borax, 25 Proc. borsauren Kalk, 2 1/2 Proc. Kochsalz und 35 Proc. Wasser. Er ist ein ausgezeichnetes Flußmittel, welches bei metallurgischen Analysen sehr gut den Borax ersetzen kann. Um die Borsäure daraus zu gewinnen, behandelt man ihn mit etwas verdünnter kochender Salzsäure, so daß die Basen dadurch gesättigt werden, und filtrirt heiß, worauf beim Erkalten die Borsäure sich in reichlicher Menge ausscheidet. (Comptes rendus, t. LII p. 406; polytechnisches Centralblatt, 1861 S. 620.)

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