Titel: Ueber einige der zum Schiffbau verwendeten Holzarten; von Dr. Fr. Crace Calvert.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 162/Miszelle 15 (S. 319–320)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj162/mi162mi04_15

Ueber einige der zum Schiffbau verwendeten Holzarten; von Dr. Fr. Crace Calvert.

Dr. Calvert hat sich vorgenommen die chemische Zusammensetzung der verschiedenen, jetzt in der Marine angewendeten Holzarten zu ermitteln, insbesondere weil es von großer Wichtigkeit ist zu wissen, welches Holz sich zum Bau der neuen mit Schmiedeeisen gepanzerten Fregatten am besten eignet.

Bei der Untersuchung der verschiedenen Holzarten hat es sich entschieden herausgestellt, daß einige ausländische Holzarten dem englischen Eichenholz vorzuziehen sind. Daß dem englischen Eichenholz bisher der Vorzug zuerkannt wurde, erklärt sich dadurch, daß wir die schätzbaren Eigenschaften mehrerer Holzarten der tropischen Climate nicht kannten, in welchen der lösliche und sehr zersetzbare Gerbstoff entweder durch Harze oder durch dem Kautschuk ähnliche Substanzen ersetzt ist. Dieß ist der Fall bei Moulmein Thekaholz, Santa Maria-Holz, Moraholz und Honduras Mahagonyholz, was denselben für den Bau eiserner Schiffe einen großen Vorzug vor dem Eichenholz gibt. So hat Dr. Calvert gefunden, daß in derselben Zeit und unter gleichen Umständen das Schmiedeeisen durch das Eichenholz zwei- bis dreimal schneller angegriffen wird als durch die vorher erwähnten Holzarten.

Ferner hat er beobachtet, daß wenn man gleich große Würfel der verschiedenen Holzarten fünf Monate lang mit Wasser in Berührung läßt, sie respective folgende Procente ihres Gewichts verlieren: im Saft stehendes Eichenholz, 24; trockenes Eichenholz, 12; afrikanisches Thekaholz, 3 1/2; Moraholz, 4; Honduras Mahagonyholz, 3; Santa Maria-Holz, 1 6/10; Greenheart (ein hartes westindisches Holz zu Blocknägeln), 5 6/10; Moulmein Thelaholz, 1 7/10.

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Hinsichtlich des Beschimmelns oder Verderbens verhalten sich diese Holzarten folgendermaßen: im Safte stehendes Eichenholz, verdirbt schnell; getrocknetes Eichenholz, viel weniger; afrikanisches Thekaholz und Honduras Mahagonyholz, in beschränktem Grade; Moraholz, Santa Maria-Holz und Moulmein Thekaholz verderben gar nicht.

Dr. Calvert wird nächstens weitere Details in einer vollständigen Abhandlung veröffentlichen, hält es aber für seine Pflicht sofort zu erwähnen, daß er während seiner Untersuchungen einen großen Unterschied zwischen dem im Sommer und dem im Winter gefällten Eichenholz gefunden hat. Das im Winter gefällte Eichenholz enthält viel Gerbstoff; hingegen das im Sommer gefällte wenig oder keinen Gerbstoff, aber viel Gallussäure. Bei der Untersuchung einiger ihm übergebenen Proben des Holzes von den faul (mürbe) gewordenen Kanonenbooten, fand er, daß die chemische Zusammensetzung desselben identisch ist mit derjenigen von nicht getrocknetem, im Sommer gefällten Eichenholz. (Nach einem Vortrage in der chemischen Section der zu Manchester versammelten British Association. – Aus dem Mechanics' Magazine September 1861, S. 190.)

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