Titel: Ueber die Farbe des Wassers, von Dr. C. G. Wittstein.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 162/Miszelle 16 (S. 320)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj162/mi162mi04_16

Ueber die Farbe des Wassers, von Dr. C. G. Wittstein.

Der Verf. veröffentlichte eine größere Abhandlung über die Farbe des Wassers, aus welcher wir hier die Resultate, zu denen derselbe gelangte, mittheilen:

1) Das reine Wasser ist nicht farblos, sondern blau.

2) Die mineralischen Stoffe, welche ein Wasser enthält, verändern die Farbe desselben nicht.

3) Die verschiedenen Farben, welche die Gewässer in der Natur zeigen, rühren vielmehr von aufgelöster organischer Materie her.

4) Diese organische Materie befindet sich durch Hülfe von Alkali aufgelöst, ist in Masse tief braunschwarz, in verdünnter Lösung gelb bis braun, und gehört zu den sogenannten Humussäuren.

5) Die Quantität der aufgelösten organischen Materie hängt lediglich von der Quantität des vorhandenen Alkalis ab.

6) Je weniger organische Substanz das Wasser enthält, um so weniger weicht seine Farbe von der blauen ab; mit der Zunahme der organischen Substanz geht die blaue Farbe allmählich in die grüne und aus dieser, indem das Blau immer mehr zurückgedrängt wird, in die gelbe bis braune über.

7) Während ein jedes Wasser die eine Bedingung seiner von der natürlichen blauen abweichenden Färbung, die Humussäure, stets reichlich vorfindet, ist die andere Bedingung das Alkali, in sehr ungleichem Grade vertheilt; die an (freiem) Alkali ärmsten Wasser nähern sich daher auch am meisten der blauen Farbe, und erst mit der Zunahme des Alkalis, resp. mit der dadurch bewirkten Zunahme an aufgelöster Humussäure, nimmt das Wasser eine grüne, gelbe bis braune Farbe an.

8) Die Natur des von dem Wasser berührten Gesteines ist also einzig und allein maaßgebend für die Farbe des Wassers.

9) Periodische Aenderungen in der Farbe eines und desselben Wassers sind nicht Folge eines wechselnden Gehaltes an organischer Substanz, sondern rühren von atmosphärischen Einflüssen (bewölktem Himmel etc.) her.

10) Als allgemeine Regel gilt, daß ein Wasser um so weicher ist, je mehr es sich der braunen, und um so härter, je mehr es sich der der blauen Farbe nähert; die Ursache liegt aber nicht in einem größeren oder geringeren Gehalte an organischer Substanz, sondern in einem größeren oder geringeren Gehalte an Alkali, von welchem erst wiederum der Gehalt an organischer Substanz abhängt. (Wittstein's Vierteljahresschrift, Bd. X S. 342; chemisches Centralblatt, 1861, Nr. 46.)

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