Titel: Anwendung von Elektricität in der Eisenindustrie.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 162/Miszelle 5 (S. 314–315)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj162/mi162mi04_5

Anwendung von Elektricität in der Eisenindustrie.

Im Jahre 1853 wurde von Arthur Wall zu Birmingham ein Patent genommen auf Anwendung von Elektricität, um beim Raffiniren des Eisens die darin befindlichen Unreinigkeiten gründlich und leicht zu entfernen.71) Das Verfahren bestand darin, durch |315| das geschmolzene und im Abkühlen begriffene Metall einen starken Strom galvanischer Elektricität zu leiten. Die Resultate, welche man erhielt, waren sehr viel versprechend, allein da die Kosten für Batterien, Säuren etc. bedeutend waren, und der Proceß viel Sorgfalt und Aufmerksamkeit erforderte, so hielt man dafür, daß die Erfindung erst noch weiter verfolgt werden müsse, um sie der praktischen Anwendung fähig zu machen. Professor Fleury nun, ein verdienter New-Yorker Chemiker, hat in letzterer Zeit den Gegenstand eifrig verfolgt, und es ist ihm, wie er glaubt, gelungen, alle Schwierigkeiten zu überwinden. In einer interessanten, den Gegenstand betreffenden Abhandlung schreibt er: „Indem ich Versuche anstellte über die Wirkung der galvanischen Elektricität auf Eisen und andere Metalle, kam ich zufällig zu dem eigenthümlichen Schlusse, daß die Zähigkeit und die sehnige Beschaffenheit des Schmiedeeisens, so wie die feinkrystallinische Textur des Stahls nicht, wie man allgemein annimmt, von dem verschiedenen Kohlungsgrade abhängt, sondern daß es durch freiwerdenden Stickstoff, welcher sich mit einem kleinen Theile Kohlenstoff verbindet, bewirkt wird, wenn das Eisen eine kugeligkörnige Structur annimmt. Ich fand ferner, daß bei Anwendung von Elektricität bei starker Glühhitze die chemische Verwandtschaft der verschiedenen Verunreinigungen gänzlich aufgehoben wurde, und letztere, bei gleichzeitiger Einbringung von Ammoniakverbindungen in die glühende Masse, in Gasform entfernt wurden.“ – Um sich zu vergewissern, daß seine Theorien richtig waren, erwirkte sich Fleury von den Besitzern der großen Eisenwerke in New-Jersey die Erlaubniß, Versuche in großartigem Maaßstabe ausführen zu dürfen. Er that dieß in Verein mit einem praktischen englischen Hüttenmann, Hrn. Adams. Die Resultate übertrafen seine Erwartungen.

Was die Vortheile betrifft, welche er durch seinen Proceß erreichen will, so ist dieß die Production eines billigen und sehr guten Eisens. Er schreibt: „In einem Doppelpuddelofen wurden mehrere Chargen (jede zu 950 Pfd.) alten schlechten Roheisens nach meinem Verfahren behandelt, und obwohl der dabei benutzte Apparat sehr mangelhaft und von ungenügender Stärke war, so wurden doch aus dem Producte, nachdem es packetirt und übergeschweißt war, in einer Hitze Bleche gewalzt und Nägel davon geschnitten.“ Das alte verarbeitete Eisen kostete 40 Shil. pro Tonne, und die Qualität des erzeugten Schmiedeeisens war eine solche, daß die Tonne zu 9 oder 10 Pfd. Sterl. verkauft werden konnte. Es ist dem Erfinder endlich auch gelungen, sowohl den Proceß, als auch den galvanischen Apparat bedeutend zu vereinfachen, und er ist in Stand gesetzt, den letzteren zu 80 bis 200 Pfd. Sterl., je nach der Anzahl der Puddelöfen, herzustellen. Die Kosten des Processes belaufen sich, wenn Abnutzung des Apparates, Gas etc. mit eingerechnet wird, auf 10 bis 12 Shill. pro Tonne Eisen. Es werden jetzt Vorkehrungen getroffen, um das Verfahren bei verschiedenen großen Walzwerksetablissements einzuführen. Außerdem sind Fleury und Adams jetzt darüber aus, ein Verfahren festzustellen, durch welches auf eine ähnliche Weise – vermittelst Elektricität – der Franklinit so zu gute gemacht werden kann, daß alles Zink daraus gewonnen wird, welches jetzt meistens verloren geht, oder, wenn gewonnen, doch so unrein ist, daß es nur geringen Werth hat. (Mining Journal, 1861, Nr. 1329; berg- und hüttenmännische Zeitung Nr. 47.)

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Wall's Patentbeschreibung wurde im polytechn. Journal Bd. CXXIX S. 420 mitgetheilt. – Kürzlich hat August Winkler im polytechn. Journal Bd. CLXI S. 305 aus theoretischen Gründen nachgewiesen, daß die Elektrolyse des Roheisens im Herde eines Hohofens möglicherweise eine brauchbare Reinigungsmethode des Roheisens von den für die Stahlfabrication so schädlichen Beimengungen des Schwefels und Phosphors werden könnte. Als positive Elektrode hätte man nach Winkler's |315| Vorschlag ein reines Eisen- oder Manganerz anzuwenden, durch welches Phosphor und Silicium oxydirt und als Schlacke abgeschieden werden, während Schwefel und Kohle als schweflige Säure und Kohlenoxyd entweichen; als negative Elektrode gereinigte Kohle, durch welche das Eisen immer mit Kohlenstoff gesättigt erhalten wird.

A. d. Red.

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