Titel: Die Einführung der Bessemer'schen Stahlfabrication in Indien.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 162/Miszelle 6 (S. 315–316)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj162/mi162mi04_6

Die Einführung der Bessemer'schen Stahlfabrication in Indien.

Obwohl der Bessemer'sche Proceß in England verhältnißmäßig wenig angewandt wird, so ist sein Ruf doch bis nach Indien gedrungen und es hat sich die Lebensfähigkeit der Erfindung vollkommen bestätigt, indem die Resultate so günstig ausfielen, als man nur erwarten konnte. Wir freuen uns, die Einführung des Bessemerprocesses in Indien mittheilen zu können, nicht nur weil dadurch ein neuer Beweis für seine Vortheilhaftigkeit geliefert wird, sondern auch, weil wir glauben, daß er wesentlich dazu beitragen |316| wird, die pecuniären Verhältnisse der Ostindischen Eisen-Compagnie günstiger zu gestalten, deren Theilhaber für ihre Ausdauer und Beharrlichkeit mit Recht belohnt zu werden verdienen. Die Schwierigkeiten, mit denen die Gesellschaft zu kämpfen hat, sind allerdings groß; ein ungeheurer Mangel an Brennmaterial ist jedoch immer das unübersteiglichste Hinderniß gewesen.

Es ist ein Vierteljahrhundert her, seit die europäische Methode der Zugutemachung von Eisenerzen in Indien bekannt wurde, indem die Ostindische Eisen-Compagnie etwa im Jahre 1835 ihre Operationen zu Porto Novo mit dem Baue von Hohöfen, Schmiedefeuern und Walzwerken begann. Seitdem sind zu Bigpoor, Poolamputty und Trincomalei andere Werke ins Leben gerufen, und obwohl der Erfolg nicht ein solcher gewesen ist, wie ihn die Reichheit der Lagerstätten erwarten ließ, so ist dieß immer noch kein Grund zur Entmuthigung gewesen. Wir haben schon bemerkt, daß die Brennmaterialfrage die größte Schwierigkeit war, welche sich darbot. Nach den Erfolgen der neuesten Versuche der Stahlerzeugung nach Bessemer scheint es, daß diese Frage durch Einführung des Processes ihrer vollständigen Lösung entgegengeht.

Bei Abschätzung des Werthes des Bessemer'schen Processes für Indien darf man mit England keine Parallele ziehen, wo bei dem Reichthum von fossilen Brennstoffen eine geringe Brennmaterialvergeudung nicht sehr geachtet wird; in Indien, wo Eisenerze im Ueberfluß, Brennstoffe in Gestalt von Holzkohle aber in äußerst geringer Menge vorhanden sind, ist dagegen jeder Proceß, bei welchem Brennmaterial erspart wird, von der außerordentlichsten Wichtigkeit. Der Einwurf, welcher in England hauptsächlich gegen die Bessemer'sche Erfindung erhoben wird, ist der, daß, obwohl bei dem Processe keine Kohlen verbraucht würden, doch durch den bedeutenden Eisenabbrand der Vortheil wieder verloren gehe. Abgesehen von der Unwahrheit dieser Behauptung muß in Erwägung gezogen werden, daß in Indien, der oben beregten Verhältnisse wegen, immerhin schon etwas Eisen, welches ja im Ueberfluß vorhanden ist, verloren gehen kann, wenn nur dadurch Kohlen gespart werden, und deßhalb ist anzunehmen, daß in Indien das Bessemer'sche Verfahren allgemeine Verbreitung finden wird. (Mining Journal, 1861, Nr. 1331; berg- und hüttenmännische Zeitung Nr. 47.)

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