Titel: Neue Erfahrungen über das Conserviren von Holz mittelst Kupfervitriol und Theer; vom Director L. Baist in Griesheim bei Frankfurt a. M.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 162/Miszelle 10 (S. 396–397)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj162/mi162mi05_10
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Neue Erfahrungen über das Conserviren von Holz mittelst Kupfervitriol und Theer; vom Director L. Baist in Griesheim bei Frankfurt a. M.

Im Frühjahr 1854 ließ ich einen Zaun von 3–6 Zoll starken Pfählen um Garten und Fabrikgebäude ziehen. Es wurden Kiefern aus dem Isenburger Walde bezogen, die, vor Kurzem gefällt, noch ganz grün waren. Die Pfähle wurden etwa zwei Stunden lang in einer Lösung von reinem Kupfervitriol, durch Einleiten von Dampf in die Flüssigkeit, gekocht. Es waren 4 Proc. Vitriol dem Wasser zugesetzt. Das Kochen wurde so lange fortgesetzt, bis das ganze Holz durchdrungen war, und die Jahresringe blaugrün gefärbt erschienen. Sie wurden nachher in eine Kalklösung getaucht und getrocknet. Diese letztere Operation erwies sich später als überflüssig.

Die Pfähle wurden zwei Fuß tief in die Erde eingegraben, hier und da vermischt mit solchen, die gar keine andere Behandlung erfuhren, mit anderen, welche angebrannt oder in heißen Theer getaucht wurden. Die mit Kupfervitriol präparirten Pfähle stehen heute noch vollkommen wohl erhalten, fest und ohne Spuren von Fäulniß, mit Ausnahme einiger, welche von außen trocken sich abschälten, und die vermuthlich aus kranken oder abgestorbenen Stämmen waren. Die übrigen, nicht mit Vitriol getränkten Pfähle, ob getheert, angebrannt oder ohne Bereitung eingesetzt, sind bis auf wenige, sehr harzreiche Stocke gänzlich abgefault.

Zwei Jahre später tränkte ich Floßholz und dürres Bauholz in gleicher Weise mit Kupfervitriol. Es hat sich sämmtlich schlecht gehalten, während das in Theer gekochte noch sehr wohl erhalten ist. Frische und trockene Wingertpfähle von Tannen- und von Eichenholz haben gleiche Resultate gegeben bei gleicher Behandlung. Es geht hieraus aber mit Bestimmtheit hervor daß nur im Saft noch stehendes Holz mit Kupfervitriol getränkt werden darf, daß das Kochen oder bei größeren Stöcken das Durchtreiben der Flüssigkeit so lange fortgesetzt werden muß, bis alle Jahresringe deutlich Vitriol enthalten, und daß so bereitetes Holz mindestens die fünffache Dauer besitzt. Trockenes oder Floßholz mit Kupfervitriol zu behandeln, ist ganz unstatthaft, es fault leichter; dagegen ist das Tränken mit Theer bei trockenem Holz zu empfehlen, bei frischem Holz aber ganz verwerflich. (Gewerbeblatt für das Großherzogthum Hessen.)

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