Titel: Darstellung eines Beizsalzes für die Schafwollfärberei.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 162/Miszelle 11 (S. 397–398)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj162/mi162mi05_11

Darstellung eines Beizsalzes für die Schafwollfärberei.

Um die sogenannten Holzfarben, blau, braun und schwarz, feurig und haltbar herzustellen, bedient man sich bekanntlich zur Wollfärberei der Beizsalze. Unter den vielen hierzu verwendeten Beizsalzen soll, wie der Chemiker F. Ettel im „österreichischen Gewerbeblatte“ mittheilt, ein von Brünn aus in den Handel kommendes Salz sich bereits eines besonderen Rufes zu erfreuen und bei einiger Vorsicht stets günstige Resultate geliefert haben. Die Vorschrift zur Darstellung dieser Blaubeize ist folgende:

In einem geräumigen gußeisernen Kessel werden 50 Pfund Holzessig bis 50 oder 60º C. erwärmt, und dann wird dieser Flüssigkeit die Auflösung von 1/2 Pfd. Zinnsalz in 4 Pfund Salpetersäure zugefügt. Da der käufliche Holzessig in der Regel mit Theer und anderen Destillationsproducten verunreinigt ist, so wird sich beim Zusatze der Zinnsalzlösung (weil dadurch die Dichte der Flüssigkeit vermehrt wird) der gelöst gewesene Holztheer ausscheiden, und muß daher sorgfältig entfernt werden. Auch ist die Temperatur nicht über 60º C. zu steigern, weil sonst, an den Kesselwänden eine Zersetzung des Theeres eintreten würde, durch welche nicht nur ein äußerst unangenehmer Geruch entwickelt wird, sondern auch Kohlentheilchen ausgeschieden werden, die das Product verunreinigen können. Wenn aller Theer entfernt ist, so werden der Reihenfolge nach zugesetzt:

10 Pfd. Kochsalz.
3 1/2 „ schwefelsaures Kali,
3 1/2 „ Salmiak und
6 „ arseniksaures Kali.

Jeder Theil dieses Zusatzes darf erst dann hinzugethan werden, wenn der vorherige sich völlig gelöst hat. Die Temperatur wird allmählich gesteigert und die Mischung mit einem eisernen Spatel fortwährend umgerührt. Sind alle Salztheile gelöst, so werden |398| noch 100 Pfd. Alaun, und nach dessen Lösung 2 Pfd. gemahlener Braunstein zugesetzt. Letzterer darf nur in kleinen Theilen beigemischt werden, weil dabei eine Oxydation eintritt, die sich durch stürmische Reaction kund gibt. Ist der Kessel nicht geräumig genug, oder wird der Braunstein auf einmal zugesetzt, so wird die Masse jedenfalls übersteigen und, außer anderen Unannehmlichkeiten, Verluste verursachen. Das Erwärmen der Masse wird bis zum Eintritte einer zähen Consistenz derselben, unter stetem Umrühren, fortgesetzt. Erstarrt eine herausgenommene Probe auf einem kalten Gegenstande zu einer glasigen krystallinischen Masse, so wird der Kessel seines Inhaltes entleert, was am vortheilhaftesten auf dem gereinigten Steinboden des Arbeitslocals geschieht. In einigen Stunden ist die Masse erkaltet; sie wird mittelst eines Meißels von den Steinplatten entfernt, und an einem trockenen Orte gut aufbewahrt. Das Ausgießen des Kesselinhalts läßt sich mit einem leicht transportablen Kessel am besten bewerkstelligen; doch darf dasselbe auf einem Holz-Fußboden deßhalb nicht geschehen, weil sich die Masse von diesem sehr schwer lostrennen läßt; auch die Verwendung von Eisenblech ist hierzu ebenfalls nicht rathsam, weil dasselbe leicht durchlöchert wird. Durch ein zweckmäßig geleitetes Umkrystallisiren kann das Beizsalz gereinigt werden; doch dürfte diese Operation in den meisten Fällen unnöthig erscheinen, sofern die Masse nicht durch Zufall bei der Fabrication verunreinigt wurde. (Sächsische Industrie-Zeitung, 1861, Nr. 49.)

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