Titel: Die Erdölquellen in Pennsylvanien.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 162/Miszelle 14 (S. 399–400)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj162/mi162mi05_14

Die Erdölquellen in Pennsylvanien.

Nachdem bereits früher in dieser Zeitschrift eine Notiz über diese Quellen gegeben80) und durch neuere Zeitungsberichte über einen dort stattgefundenen grauenvollen Brand die Aufmerksamkeit wieder besonders auf sie hingelenkt worden ist, dürften einige nähere Angaben über dieselben und die Art ihrer Entdeckung nicht ohne Interesse seyn, welche wir in dem Journal des mines vom 4. Juli d. J. finden.

Die Bewohner des östlichen Theiles von Pennsylvanien bemerkten schon seit Jahren, daß von Zeit zu Zeit ölige Substanzen an der Erdoberfläche hervortraten, man sammelte dieselben aber mehr nur aus Neugierde, als zum Zwecke der Verwendung. Im Jahre 1859 unternahm ein Farmer, Namens Drake, die Bohrung eines Brunnens. Seine Farm liegt am Ufer eines in 1 1/2 Meilen Entfernung von der kleinen Stadt Titusville und in 28 Meilen Entfernung von Meadville gelegenen Flusses. Als man mit dem Bohrer eine Tiefe von 69 Fuß erreicht hatte, erhielt man statt des gesuchten Wassers Oel in Ueberfluß; man schaffte es mittelst einer Pumpe heraus und erkannte bald, daß es von sehr guter Beschaffenheit sey. Andere, neben dem ersteren niedergestoßene Brunnen gaben dieselben Resultate; es strömten Neugierige zu Hunderten herbei, und verschiedene Umstände steigerten die öffentliche Aufmerksamkeit. So sah man aus einem in den Felsen gestoßenen Bohrloche das Oel mit Gewalt hervorspringen; ein dem Farmer Chase gehöriger Brunnen zeigte mitunter wahre Oeleruptionen. Bis zu dem oben erwähnten Unglücke kannte man keinen Brunnen, aus welchem das Erdöl von selbst und ununterbrochen ausgeflossen wäre. Der Brunnen von Tidioute, welcher einer der bedeutesten ist, liefert nur noch mit Unterbrechungen ein Quantum, das man zu 40 Gallons pro Minute schätzen kann.

Die Entdeckung der Erdölquellen hat die Physiognomie der friedlichen Gegend des Oel-Creeks vollständig verändert, an dessen Ufer nur dünngesäte Farmen und keine anderen Fremden, als Holzhauer, zu sehen waren, welche bei Hochwasser darauf ihre Flosse nach dem Alleghany hinabtreiben ließen. Aber seit der ersten Entdeckung des Erdöls durch Drake im August 1859 ist ein Schwärm von Abenteurern auf dieses neue gelobte Land hinabgestürzt, und hat überall Bohrungen begonnen, und in der That kann kaum eine Unternehmung lucrativer seyn, da die einzige erforderliche Auslage der Ankauf oder Pacht eines Grundstückes ist, dessen Werth sich bald ansehnlich erhöht.

Der Mittelpunkt der so ausgebeuteten Gegend ist Clintockville, 12 Meilen von Titusville. Clintock, der glückliche Besitzer einiger Hundert Acker Boden, hat in wenigen Monaten ein ansehnliches Vermögen erworben; sein Haus, das ehedem viele Meilen |400| in der Runde das einzige war, ist jetzt unaufhörlich von Reisenden belagert. Jedes Zimmer enthält 4 bis 5 Betten, und der Boden wird mit Matratzen belegt; neuerdings läßt Clintock ein großes Gebäude aufführen, um die Erdölsucher unterzubringen. Die Preise sind natürlich sehr mäßig, wie der Ansatz von 3 Dollars pro Pension wöchentlich zeigt; man glaubt sich mitten in den californischen Lagerplätzen, und sieht rings um nur Zimmerleute beim Baue von Hütten, Schuppen und Niederlagen beschäftigt, die bald einer blühenden festen Niederlassung Platz machen werden.

Die zum Bohren der Brunnen angewendete Vorrichtung ist sehr einfach; man errichtet nämlich nur einen Bock (derrick), d. i. ein Gerüste aus 30 bis 40 Fuß langen Pfosten, welches unten ein Quadrat von 10 Fuß, oben ein solches von 4 bis 5 Fuß Seitenlänge bildet, hängt oben eine Rolle auf, über welche das Bohrfeil weggelegt ist, und bringt einen Rundbaum zum Aufwinden der letzteren an. Das Bohrinstrument besteht aus einem stählernen, an einer 3 Zoll starken runden Eisenstange befestigten und mittelst einer Ruthe bewegten Meißel. Die Tiefe, in welcher das Oel sich findet, variirt von 30 bis 400 Fuß und kann im Mittel zu 150 Fuß angesetzt werden. Man fängt übrigens bereits an, sich minder unvollkommener Bohrapparate zu bedienen, die durch Pferde, ja sogar durch Dampf betrieben werden, auch beträgt die Zahl der gegenwärtig eröffneten Quellen gegen 2000.

Das Oel wird so, wie man es gewinnt, mittelst roher Canäle in große Behälter geleitet, die man möglichst in großer Entfernung vom Brunnen aufzustellen Pflegt. Letztere Vorsicht darf wegen der ungemein starken Entzündbarkeit des Oeles nicht unterlassen werden, und häufige Brände haben dieselbe zu einer Pflicht der Selbsterhaltung gemacht; ebenso sind Pfeifen und Cigarren streng verboten, und es gibt keinen Schuppen, an welchem nicht mit großen Buchstaben das Verbot des Rauchens angeschrieben wäre.

Die Kosten des Bohrens und Betriebes können für ein Bohrloch von 200 Fuß Tiefe zu 1000 Dollars angesetzt werden; der Gewinn ist sehr bedeutend, da dieses Erdöl zahlreiche Verwendungen gestattet. Man benutzt es nämlich zum Anreiben der Farben, zum Brennen, zum Schmieren der Wagen und Maschinen, und bedient sich desselben sogar zu Medicamenten. Manche von diesen Anwendungen würde allein schon genügen, um einen fortwährenden Absatz zusichern und die Besitzer zu reichen Leuten zu machen.81) (Berg- und hüttenmännische Zeitung, 1861, Nr. 38.)

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Polytechn. Journal Bd. CLXI S. 76.

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Muthmaßlich werden aber diese Erdölquellen zeitig genug erschöpft werden.

A. d. Red.

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