Titel: Kautschukproduction in San Salvador.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 162/Miszelle 11 (S. 451–452)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj162/mi162mi06_11

Kautschukproduction in San Salvador.

Wie an fast allen Küsten Central-Amerika's gibt es in San Salvador eine sehr große Menge Bäume, welche den Kautschuk liefern. Dennoch ist die Ausfuhr von Kautschuk fast Null geblieben, in Folge der dort herrschenden geringen Kenntniß der nothwendigen Manipulationen, um die Waare für den europäischen Markt passend herzustellen.

Bis in die neueste Zeit breitete man den Saft einfach auf eine Thonunterlage aus, und sammelte ihn nach dem Eintrocknen, wobei er natürlich sehr verunreinigt und von geringem Werthe erhalten wurde.

Ein Ungar, Namens Schlessinger, erhielt im Jahr 1860 von der Regierung für die Dauer eines Jahres das Privilegium der Kautschukgewinnung auf allen Staatsländereien, unter der Bedingung, daß er eine Musteranstalt für die Bereitung dieser Substanz errichtete, und allen Nachfragenden die erforderliche Unterweisung ertheilte. Außerdem wurde auf ein Jahr ein Zoll von einem Piaster pro Centner zum Vortheil des Privilegiumbesitzers festgesetzt, welcher von allem aus Salvador auszuführenden Kautschuk entrichtet werden sollte.

Es wird jetzt der Saft, welcher durch die in den Bäumen gemachten mehr oder weniger tiefen Einschnitte ausfließt, in hölzernen Gefäßen aufgefangen, und mittelst eines blechernen Schaumlöffels von Rindenstückchen etc. befreit. Alsdann wird er mit dem Doppelten reinen Wassers vermischt, durch ein Tuch geseiht, und in einen Behälter gebracht, worin man nochmals ebenso viel Wasser zusetzt, so daß man nun 1/5 Saft und 1/5 Wasser erhält.

Man läßt 24 Stunden lang stehen, wobei der leichtere Saft sich an der Oberfläche sammelt, wornach man das Wasser durch Hähne mit Sorgfalt ablaufen läßt.

Hierauf fügt man neuerdings Wasser hinzu, läßt wieder 24 Stunden stehen, gießt das Wasser wieder ab und wiederholt die Operation so oft, bis das anfangs schmutzige |452| und trübe Wasser vollkommen klar und rein abläuft. Hierauf kommt der Saft in Gefäße mit durchlöchertem Boden, damit auch der letzte Rest Wasser abtropfen kann, worauf man nur noch die erforderliche Consistenz herzustellen braucht. Hierzu löst man auf jeden Centner rohen Saftes eine Unze Alaun in einer halben Flasche heißen Wassers auf, und mischt damit den Saft mehrere Male. Derselbe wird bald hart, worauf man ihn auspreßt und vollends trocknet. Wenn der Kautschuk aus der Presse kommt, läßt man ihn bis zum Verpacken im Schatten liegen.

Nach Hrn. Schlessinger kommt der Ctr. fertiger Waare in San Salvador auf 10 Piaster zu stehen, was den Producenten einen namhaften Nutzen sichern würde. (Bulletin de la Societe d'Encouragement, Juni 1861, S. 366.)

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